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Boehringer erzielt Fortschritt bei Thrombose-Mittel

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Boehringer Ingelheim ist bei der Entwicklung eines Mittels zum Schutz vor Schlaganfällen bei Herzrhythmusstörungen einen großen Schritt vorangekommen. Einer Studie zufolge reduzierte das Medikament Pradaxa das Risiko für Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern im Vergleich mit dem Medikament Warfarin deutlich. An der Studie, die auf dem Medizinkongresses der European Society of Cardiology (ESC) in Barcelona vorgestellt wurde, nahmen rund 18.000 Patienten teil.

Den Ergebnissen zufolge verringerte sich mit Pradaxa in einer Dosierung von 150 mg das Risiko für Schlaganfälle um 34 Prozent, ohne die Gefahr von Blutungen zu erhöhen. Eine niedrigere Dosierung von 110 mg war den Ergebnissen zufolge gleich wirksam wie Warfarin, dabei fiel jedoch das Blutungsrisiko deutlich geringer aus. Auch gab es keine Anzeichen für Leberschäden.

"Diese Ergebnisse sind sehr gut", sagte Fausto Pinto, Direktor des Herzkreislaufinstituts in Lissabon. Das Thrombose-Medikament biete eine Alternative zu Warfarin und werde das ältere Präparat wohl ersetzen. Analysten zufolge winken dem Hersteller einer neuen Pille, die Warfarin verdrängen könnte, Milliardenumsätze.

Jährlich sterben weltweit rund 3 Mio. Menschen an Schlaganfällen, die mit Vorhofflimmern im Zusammenhang stehen. Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an dieser Herzrhythmusstörung, wobei der Prozentsatz mit dem Alter deutlich zunimmt. Mit Warfarin gibt es zwar seit langem ein Standardmedikament. Aber es gilt als schwer steuerbar für Patienten und Ärzte. Regelmäßige Bluttests sind beispielsweise notwendig, auch dürfen die Patienten nicht mehr alles essen. Der Bedarf an neuen Medikamenten ist daher groß.

Aber auch Pradaxa war in der Studie nicht ohne Probleme. Manche Patienten in der Studie litten unter Verdauungsbeschwerden (Dyspepsie). Zudem wurde bei Pradaxa-Patienten der Studie eine höhere Zahl von Herzattacken verzeichnet als bei den Warfarin-Nehmern. Die Studie war als Open-Label-Studie und nicht als klassische Doppel-Blind-Studie angelegt, in der weder Patient noch Arzt wissen, welches Mittel sie bekommen.

Zulassungsbehörden dürften daher die Ergebnisse besonders genau unter die Lupe nehmen. Boehringer Ingelheim-Chef Andreas Barner ist dennoch zuversichtlich, da die Studie harte Fakten liefere, "daher würde ich mir hier keine zu großen Sorgen machen." Er hält einen Marktstart im vierten Quartal 2010 für möglich.

Die Konkurrenz liegt zwar schon auf der Lauer, hinkt aber zeitlich noch deutlich hinterher. Bayer und sein US-Partner Johnson & Johnson testen ihr Thrombosemittel Xarelto ebenso für die Schlaganfallvorbeugung. Auch die US-Konzerne Pfizer und Bristol-Myers Squibb mit Apixaban und Merck & Co mit Betrixaban haben Präparate in der Entwicklung zur Schlaganfallvorbeugung.

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