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Porr kooperiert mit Renaissance

Mit Zustimmung des Aufsichtsrats hat der Vorstand des Wiener Bauriesen Porr eine strategische Kooperation mit der türkischen Renaissance-Gruppe - am Umsatz gemessen das zweitgrößte Bauunternehmen der Türkei - beschlossen. Die Kooperation ermöglicht der Porr eine Expansion in neue Märkte, insbesondere im Nahen Osten, am kaspischen Meer sowie in Nordafrika.

Gleichzeitig wurde eine Aufstockung des Grundkapitals der Porr AG beschlossen. Es werden bis zu 661.250 Stück neue auf Inhaber lautende nennbetragslose stimmberechtigte Stammaktien mit Gewinnberechtigung ab dem Geschäftsjahr 2009 unter Wahrung des Bezugsrechts der bestehenden Aktionäre im Wege einer Barkapitalerhöhung (Verhältnis 3:1) ausgegeben.

Die Kapitalerhöhung erfolgt ausschließlich als nichtöffentliches Angebot an die bisherigen Aktionäre und soweit Bezugsrechte im Zuge der Kapitalerhöhung von den bisherigen Aktionären nicht ausgeübt werden, im Rahmen einer Privatplatzierung an strategische Investoren. Soweit Bezugsrechte im Zuge der Kapitalerhöhung von den bisherigen Aktionären nicht ausgeübt werden, sollen bis zu rund 10 Prozent der Stimmrechte durch die Renaissance-Gruppe erworben werden.

Kapitalerhöhung unterstützt Wachstum von Porr

Porr-Generaldirektor Wolfgang Hesoun zeigte sich erfreut: "Durch die gestärkte Eigenkapitalbasis eröffnen sich für uns neue zukunftsträchtige Märkte. Durch unseren neuen Partner sind niedrige Markteintrittskosten gesichert und aufgrund des hohen lokalen Know-hows sowie der guten Reputation von Erman Ilicak, dem Vorstandsvorsitzenden und Haupteigentümer der Renaissance-Gruppe, wird diese Partnerschaft nachhaltige Nachfrageimpulse im Infrastrukturbereich - der Kernkompetenz der Porr-Gruppe - in den neuen Zielmärkten setzen."

Ilicak ergänzt: "Porr bringt in das Joint-Venture das hohe Wissen im Infrastrukturbereich ein, wir das bereits vorhandene Netzwerk in vielen Ländern als Plattform für langfristigesund nachhaltiges Wachstum. Für beide Seiten wird die Zusammenarbeit eine fruchtbare Zukunft bringen."

Neue Geschäfte in Libyen in Aussicht

In Libyen, Turkmenistan, der Türkei und Saudi-Arabien seien laut Ilicak die Margen "viel höher als hier, der Konkurrenzkampf auf dem Baumarkt ist nicht so scharf". In einem ersten Schritt will Porr in Libyen bei Eisenbahninfrastrukturprojekten zum Zug kommen. "Libyen will in den kommenden 10 Jahren 160 Mrd. Dollar (111,7 Mrd. Euro) für die Infrastruktur ausgeben", stellte Ilicak in Aussicht.

Derzeit hat Porr dort zwar noch kein konkretes Projekt unter Dach und Fach, doch schon im Herbst könnte das Unternehmen den Zuschlag für Eisenbahnprojekte im Volumen von "mehreren Millionen Euro" erhalten. "Das kann schnell gehen", sagte Porr-Chef Wolfgang Hesoun. Der libysche Baumarkt soll heuer laut Ilicak um 6 Prozent wachsen, der saudi-arabische um 2,5 Prozent.

Bis vor kurzem hatte Porr von Engagements in ferneren Ländern eher Abstand genommen und sich im Ausland auf den CEE-Raum konzentriert. "Wir haben heute eine andere Situation als noch vor ein paar Monaten - wir können jetzt die Ressourcen, die wir damals noch in Osteuropa gebunden hatten, anderswo einsetzen", erklärte Hesoun seinen Schwenk in Richtung Libyen.

Osteuropa sei aber nach wie vor ein Kernmarkt. In Ungarn erhielt Porr etwa den Zuschlag für den Bau eines Teilstücks der Umfahrung um Budapest mit einem Auftragswert von 28,4 Mrd. Forint (105,9 Mio. Euro), wie heute ungarische Medien berichteten.

Der Auftragsbestand der heimischen Bauwirtschaft sehe für 2009 gut aus und reiche bei Infrastrukturprojekten bis 2010 hinein. "Das ist die relative Besserstellung der Bauwirtschaft gegenüber der gesamten Industrie", so Hesoun. Derzeit würden Altaufträge abgearbeitet. "Die öffentliche Hand steuert hier durch vorgezogene Infrastrukturaufträge gegen, um damit in der kritischen Phase Mitte 2010 bis 2011 eine Kompensation für den Entfall der privaten Aufträge zu gewährleisten", sagte der Porr-Chef. Die Bauwirtschaft hinke konjunkturell um ein bis eineinhalb Jahre hinterher.

Porr erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von 2,6 Mrd. Euro und beschäftigte gut 12.000 Mitarbeiter. Die Renaissance-Gruppe hat Standorte in der Türkei, Libyen, Saudi-Arabien, Bahrain, Turkmenistan, Russland und der Ukraine und expandiert weiters in Länder der ehemaligen Sowjetunion, des Nahen und Mittleren Ostens und in Nordafrika. Das Unternehmen ist überwiegend im Hochbau und im Real Estate Development tätig und prognostiziert für 2009 einen Netto-Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro mit einem durchschnittlichen Beschäftigtenstand von etwa 12.000 Mitarbeitern.