ZIB2-Interview

Stiftungsrats-Chef packt über Weißmann-Affäre aus: "Sexualisierte Inhalte"

ORF-Boss Roland Weißmann ist zurückgetreten. In der ZIB2 im ORF nahm der mächtige Chef des Stiftungsrates Heinz Lederer dazu Stellung. 

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (57) ist "mit sofortiger Wirkung" zurückgetreten, nachdem eine ORF-Mitarbeiterin "Vorwürfe der sexuellen Belästigung" erhoben hatte. Weißmann bestreitet diese Vorwürfe. 

Weißmann
© APA/ROBERT JAEGER

"Um Schaden vom Unternehmen abzuwenden"

"Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher (...) mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück", reagierte Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum.

Roland Weißmann
© APA/Bunnbauer

Anwalt vs. ORF

Die "mediale Verbreitung der in keinster Weise aufgeklärten Vorwürfe" stelle eine "völlig unangemessene und überschießende Reaktion" dar. "Diese Vorgehensweise, wie auch eine allfällige Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, verletzen die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten massiv", so Scherbaum. Der Anwalt kündigte rechtliche Schritte an. 

Lederer spricht von "Fotos mit sexualisierten Inhalten"

Stiftungsrats-Chef Heinz Lederer äußerte sich am Montagabend in der ZIB2 zu der Causa und berichtete von "Fotos mit bestimmten sexualisierten Inhalten". Der Anwalt des Opfers habe den Vorwurf der sexuellen Belästigung erhoben. Lederer betonte jedoch auch, dass die Unschuldsvermutung für Weißmann gelte, bis die Vorwürfe geprüft seien. Weißmann habe die Möglichkeit gehabt, den Sachverhalt zu klären, "das hat er aber nicht getan", meinte Lederer.

Betroffene Mitarbeiterin forderte Weißmann-Rücktritt

Lederer betonte, dass der Stiftungsrat Druck aufgebaut habe, dass die Sache geklärt werde. Weißmann habe die Möglichkeit gehabt, zu prüfen, ob das vorliegende Ton-, Text- und Bildmaterial echt sei. Weißmann habe das nicht getan, sondern am Sonntag lediglich seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Brisant: Laut Lederer habe die betroffene ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Stiftungsrat den Rücktritt Weißmanns explizit gefordert! 

Öffentlich-rechtlichen Rundfunk "verstehen" 

"Volle Transparenz" werde es jetzt jedenfalls geben, betonte Lederer. Den Babler-Vorschlag, dass der ORF künftig von einer Frau geführt werden soll, nannte Lederer "einen guten Wunsch". Man werde eine "sehr gute Wahl" treffen, so Lederer mit Blick auf die Weißmann-Nachfolge. Der oder die Neue müssten öffentlich-rechtlichen Rundfunk "verstehen", wie es Lederer nannte. Die Ausschreibung sei jedenfalls geschlechterneutral formuliert. 

Es werde außerdem eine Task Force geben, die einen neuen Umgang, eine gute Unternehmenskultur prüfe und einen möglichen "Weg aus einer systemischen Krise" zu finden habe. 

Heinz Lederer

ORF-Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer. 

© APA/TOBIAS STEINMAURER

Generaldirektor-Wahl findet statt 

Für die anstehende Wahl einer neuen Generaldirektion ab 2027 bedeute der Rückzug Weißmanns zunächst keine Veränderung im Fristenlauf. Nach wie vor geht Lederer davon aus, dass die Funktion mit Mai ausgeschrieben und am 11. August neu besetzt wird.

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