Russen liefern erneut zu wenig Gas

Ein Viertel

Russen liefern erneut zu wenig Gas

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Die heimischen Speicher seien jedoch voll, beruhigt die Energie-Control.

Von der russischen Gazprom ist Ende voriger Woche - und zum Teil auch in den Tagen davor - erneut um bis zu ein Viertel weniger Erdgas in Österreich angekommen als vertraglich vereinbart. Dies sagte am Montag vor Journalisten in Wien Vorstandsdirektor Martin Graf von der Regulierungsbehörde Energie-Control. Die heimischen Speicher seien aber randvoll und der Verbrauch niedrig, beruhigte Graf.

   Vergangenen Freitag habe die Einschränkung noch 20 bis 25 Prozent betragen, erklärte Graf, das sei "eine nicht normale Schwankung". Normal sei ein Schwankungsbereich von 10 bis 15 Prozent, von dem etwa auch die OMV vor kurzem berichtet habe. Vorige Woche seien es jedoch immer wieder um 15, 20 oder 25 Prozent weniger gewesen. Bis zu 15 Prozent weniger Anlieferung seien auch in den letzten Jahren im Herbst eine normale Schwankung gewesen. Anders als sonst habe man diesmal aber vielfach keine Erklärungen für die Einschränkungen erhalten. Derzeit würden auch die russischen Gasspeicher selbst gefüllt.

   Nach einem monatelangen Gaspreis-Rückgang von Frühjahr bis Sommer, habe es hier auch wieder eine gegenläufige Entwicklung gegeben, so Graf. Nun koste Erdgas am Spotmarkt schon wieder rund 23 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im Sommer sei der Spotpreis mit 17 Euro günstiger gewesen - verglichen mit damals 25 Euro im normalen Großhandel bzw. 30 bis 33 Euro je MWh in den langfristigen Importverträgen für Russen-Gas.

   "In Österreich sind die Speicher nahezu zu 100 Prozent voll und der Verbrauch relativ gering - also wohin auch mit dem Gas", meinte Graf: "Österreich ist gut vorbereitet für eine etwaige krisenhafte Situation." Zwar würden vom Speichervolumen vertraglich nur rund 30 Prozent direkt inländischen Abnehmern gehören, aber auch von den übrigen Mengen stehe ein Teil heimischen Kunden zur Verfügung. 75 Prozent des Verbrauchs würden auf Kraftwerke und den Industriesektor entfallen und nur 25 Prozent auf Klein- und Mittelbetriebe sowie die Haushalte.

   Bei früheren Gaskrisen - etwa 2005 und 2009 sowie während der klirrenden Kälte 2012 - hätten die Liefereinschränkungen bis zu 40 Prozent betragen, und das sei auch alles bewältigt worden, so Graf. Ein Sprecher der OMV bestätigte laut Reuters die Lieferbeschränkungen von voriger Woche, meinte aber, am Wochenende habe sich die Situation weitgehend stabilisiert. Derzeit würden die Gasversorgungs-Stresstests laufen, erinnerte Graf; die Ergebnisse werde Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) veröffentlichen.

   Auch die russische Seite sei auf die Gaslieferungen angewiesen, nämlich zur Beschaffung von Devisen und Steuereinnahmen sowie als Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Falls Gazprom nicht liefern würde, käme dies für das staatseigene Unternehmen einem Erlösentfall von 4 bis 4 1/2 Mrd. Euro pro Monat gleich, verwies der E-Control-Vorstand im Klub der Wirtschaftspublizisten auf Zahlen des deutschen Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI), Köln.
 

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