Rene Benko

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So dramatisch lief die Rettung von Kika/Leiner

Kika/Leiner-Übernahme als Nervenkrimi. Hedgefonds und ein Grazer wollten Deal kippen.

Wien. Es war die Story der Woche: Immobilientycoon René Benko übernimmt die Möbelkette Kika/Leiner für 450 Millionen Euro. Doch erst jetzt wird bekannt, welcher Krimi im Hintergrund bei der Übernahme ablief. ÖSTERREICH liegt das detaillierte Verhandlungsprotokoll vor:

Freitag, 8. Juni. Kanzler Sebastian Kurz meldet sich persönlich bei René Benko. Er plädiert für eine „österreichische Lösung“ bei Kika/Leiner, 5.000 Jobs würden auf dem Spiel stehen. Gibt es bis Ende der kommenden Woche keine Lösung, ist Kika/Leiner pleite.

Samstag & Sonntag, 9./10. Juni. Benko fackelt nicht lange, er lässt den Deal über das Wochenende evaluieren, ab Montag wird verhandelt.

Dann muss alles ganz schnell gehen, eine Insolvenz von Kika/Leiner zeichnet sich ab, mit der Folge, dass 5.000 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren würden.

Zwei Interessenten sind im Rennen: Benkos Signa-Gruppe und der Grazer ­Immobilienspekulant Frank Albert, der in der Vergangenheit schon Baumax übernommen und filetiert hatte.

Mittwoch, 13. Juni. In der Signa-Zentrale in Wien verhandelt das Signa-Management mit dem Kika/Leiner-Eigentümer, der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe. Benko macht Steinhoff ein Angebot: 450 Millionen Euro für die Immobilien, weitere 100 Millionen als Finanzspritze für die Möbelkette und die Zusage, dass er Kika/Leiner weiterführt.

Hedgefonds legen sich quer, der Deal wackelt

Mittwoch, 23 Uhr. Es steht Spitz auf Knopf, Signa verlangt Exklusivität bei den weiteren Verhandlungen, die Steinhoff-Manager willigen ein. Bis 4 Uhr wird verhandelt. Dabei stellt sich heraus: Steinhoff gehört nur noch das operative Möbelgeschäft, die Immobilien sind bereits großteils im Besitz von Hedgefonds in London.

Donnerstag, 10 Uhr. In London findet eine Sitzung mit den Hedgefonds-Vertretern statt. Doch die Hedgefonds legen sich quer, im Hintergrund versucht der unterlegene Bieter Albert, den Benko-Deal noch zu kippen. Der Plan: Kika/Leiner soll in Insolvenz geschickt werden, die Immobilien danach herausgelöst werden.

Donnerstag, 14 Uhr. Die Frist für die Kika/Leiner-Übernahme läuft bis 14 Uhr. Gibt es bis dahin keine Einigung, ist Kika/Leiner pleite. Aber die Hedgefonds zieren sich, wollen dem Deal nicht zustimmen. Die Frist muss zweimal verlängert werden. Benko schaltet sich in die Verhandlungen ein, wird per Telefon nach London zugeschaltet.

Kurz greift ein, Rettung 
3 (!) Minuten vor Insolvenz

Donnerstag, 18 Uhr. Bundeskanzler Sebastian Kurz ruft Albert persönlich an, versucht, ihn davon zu überzeugen, die Hedgefonds-Blockade zu beenden. 5.000 Jobs würden auf dem Spiel stehen. Albert gibt schließlich nach.

Donnerstag, 20.27 Uhr. Signa einigt sich mit Steinhoff und den Hedgefonds auf die Übernahme. 3 (!) Minuten später, um 20.30 Uhr, endet die finale Angebotsfrist, dann wäre Kika/Leiner pleite gewesen. Der Coup: Benko übernimmt Kika/Leiner schuldenfrei.

Morgen wird der Deal offiziell unterschrieben, das Closing erfolgt dann im September. Kika/Leiner und 5.000 Jobs sind jedenfalls gerettet. Benko will jetzt eine große Online-Offensive starten. Sein Plan: Kika/Leiner soll 
zu einem österreichischen Home24 werden …

(fen)