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330 Mio. Euro Verlust

ÖBB fährt 2010 blutrote Zahlen ein

Der verlustreiche Güterverkehr lässt Bahn entgleisen.

Die Bundesbahnen haben 2010 einen Konzernverlust von 330 Mio. Euro eingefahren, alleine die Güterverkehrssparte schloss mit 353 Millionen Verlust ab. Der seit Juni 2010 amtierende ÖBB-Vorstandschef Christian Kern hat das Unternehmen deshalb auf einen Sanierungskurs eingeschworen und will ab 2013 wieder schwarze Zahlen schreiben. Für das laufende Geschäftsjahr 2011 will die Staatsbahn den Verlust (EBT) auf -48,5 Mio. Euro deutlich reduzieren. Mitarbeiter sollen abgebaut, das Pensionsantrittsalter angehoben und unrentable Geschäfte eingestellt werden.

Ergebnis für 2010 "nicht erfreulich"
Das Ergebnis der ÖBB für 2010 sei "nicht sehr erfreulich" ausgefallen, das Sanierungsprogramm "FIT 2015" mit einem Volumen von 400 Mio. Euro soll die Bahn wieder auf Schiene bringen: "2013 wollen wir als Konzern in die schwarzen Zahlen kommen, und 2015 müssen wir Gewinne schreiben, die ausreichen um das Eigenkapital abzusichern", erläuterte Kern heute Freitag bei der Jahresbilanzpressekonferenz im RCA-Gebäude in Wien. Der Trend im ersten Quartal 2011 sei vielversprechend. Die Bahn wolle nicht gesundschrumpfen, sondern den jetzt verlustbringenden Güterverkehr "redimensionieren" und damit unter die Top-5 in Europa kommen - gemessen an der Produktivität.

Rail Cargo macht Sorgen
Sorgenkind im Güterverkehr ist die ungarische Tochter Rail Cargo Hungaria (RCH), deren Kauf mittlerweile auch die Ermittlungsbehörden beschäftigt. "Mit der Schlauheit des Rückblicks wissen wir heute, dass der Preis, den wir damals bezahlt haben, zu hoch war", räumte Kern heute ein. Die ungarische Güterbahn sei nie richtig in den Konzern integriert worden, die Marktlage in Ungarn bleibe schwierig. Insbesondere in Ungarn werde der Personalabbau weitergehen.

Mittelfristig sollen bei den ÖBB "unter 40.000" Beschäftigte arbeiten. 2010 sank die Zahl der Mitarbeiter auf 42.419, mit Lehrlingen waren 44.125 Personen tätig, das entspricht einem Personalabbau von 2,7 Prozent. Um sowohl unkündbaren als auch kündbaren Mitarbeitern Anreize zu schaffen, die Bahn zu verlassen, werden mit dem Betriebsrat Sozialpläne mit Abfertigungsmodellen ausgearbeitet. Weiters wurden laut Kern 270 Führungspositionen gestrichen, ein Großteil der Betroffenen habe den Konzern bereits verlassen. Auch Überstunden sollen reduziert und Leasing-Kräfte abgebaut werden.

Leichte Erhöhung der Fahrgastzahlen
Die Zahl der Fahrgäste legte im Vorjahr um 2 Prozent auf 460 Millionen zu. Dabei wurden mehr Personen mit dem Bus als auf der Schiene transportiert - 210 Millionen fuhren auf der Schiene, 250 Millionen auf der Straße. Die Nebenbahnen wollen die ÖBB in Zukunft weiter aufs Abstellgleis manövrieren, bzw. aus dem eigenen Rechnungskreis in Richtung der Länderbudgets entfernen: "Die Bahn ist ein Massenverkehrsmittel", betonte Kern heute erneut. Strecken mit "fünf bis sieben Passagieren" im Zug müsse man sich weiter anschauen.

Nach Berichten über Probleme mit dem Catering wird nun eine Ausschreibung der Bahn-Verpflegung vorbereitet. Im September wird das Catering neu ausgeschrieben. Das Catering-Unternehmen e-express, der Bordservice-und Speisewagen-Betreiber der ÖBB, hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen, wonach abgelaufene Waren serviert und Lohn-Dumping betrieben würde.

Über 17 Milliarden Euro Verbindlichkeiten
Die Investitionen der Bahn blieben 2010 mit 2,699 Mrd. Euro exakt auf dem Niveau des Jahres davor. Die Finanzverbindlichkeiten stiegen 2010 um 13 Prozent (1,996 Mrd. Euro) auf rund 17,478 Mrd. Euro. Bei der Frage nach einer Kapitalspritze für die Bundesbahn zeigte sich Kern heute abwartend optimistisch und verwies auf die Unterstützung des Bundes für Banken und Verbund-Konzern. Die Bahn müsse nun ihre "Hausaufgaben" machen. Wenn die Performance besser werde, könne die Frage einer Kapitalerhöhung diskutiert werden. Zuvor hatte Kern von einer 400 Mio. Euro Kapitalspritze für die Bundesbahn gesprochen.

Die schlechte ÖBB-Bilanz hat einmal mehr heftige politische Reaktionen hervorgerufen.

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