Francioni denkt angeblich an Verhandlungsabbruch

Deutscher Börse könnte Warschau zu teuer werden

Die Deutsche Börse will ihr Übernahmeangebot für die Börse Warschau nicht erhöhen. Das erklärte der Frankfurter Börsenbetreiber und bestätigte damit einen Vorausbericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Angebot basiere auf einer fairen Bewertung, betonte die Deutsche Börse. Sie ist der einzige Bieter für den vom polnischen Schatzministerium zum Kauf gestellten Mehrheitsanteil an der Warschauer Betreibergesellschaft, nachdem andere mögliche Interessenten abgewunken hatten.

Dem Blatt zufolge erwägt Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni einen Abbruch der Verkaufsverhandlungen mit der polnischen Regierung. Der von dieser geforderte Preis sei ihm deutlich zu hoch, hieß unter Berufung auf Finanzkreise. Der Wert des Warschauer Handelsplatzes sei von polnischen Regierungsmitgliedern auf mehr als eine Milliarde Euro beziffert worden. Der Frankfurter Börsenbetreiber will sich mit Warschau ein Standbein in Osteuropa schaffen. Warschau ist eine der letzten im Staatsbesitz stehenden Börsen. Polen will vorerst zwischen 51 und 73,8 Prozent verkaufen. In einem zweiten Schritt sollen in wenigen Jahren auch die restlichen Anteile veräußert werden.

Polen schmiedet neue Pläne

Die polnische Regierung arbeite nun an einer neuen Strategie, erklärte die Vize-Ministerin im Schatzressort, Joanna Schmid, gegenüber der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Diese bestehe darin, "die Börse selbst an die Börse zu bringen", so Schmid. Grund dafür sei, dass die Deutsche Börse ihr Angebot für einen Anteil von 51 Prozent an der GPW nicht bis zum vergangenen Freitag präzisiert habe.

Die Deutsche Börse war der einzige Interessent für den Mehrheitsanteil an der polnischen Börse. Die Börsen London Stock Exchange, Nasdaq OMX und NYSE Euronext hatten kein Angebot gelegt. Die Wiener Börse wurde von Anfang an vom polnischen Schatzministerium als Käufer ausgeschlossen, weil sie der Hauptkonkurrent der Warschauer Börse in Mittel- und Osteuropa ist.

Schon am vergangenen Freitag hatte die Zeitung "Rzeczpospolita" unter Berufung auf Quellen im Schatzministerium berichtet, die Regierung plane nun eine Privatisierung der GPW über die Börse. Nach Informationen der Zeitung könnten dabei 15 Prozent für Privatanleger reserviert werden, 30 Prozent könnten Investmentfonds erhalten und weitere 30 Prozent an der Börse notierte Unternehmen.