Zentralbanken greifen in Geldmarkt ein

Globale Aktion

Zentralbanken greifen in Geldmarkt ein

Mit einem gemeinsamen Programm sollen die Märkte gestützt werden.

Die großen Zentralbanken haben ein weiteres gemeinsames Programm zur Stützung der Finanzmärkte aufgelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Zentralbanken von Kanada, den USA, Japan, der Schweiz und Großbritannien einigten sich auf ein Programm, um "dem globalen Finanzsystem Liquidität zuzuführen", wie die Institute am Mittwoch mitteilten. Damit sollten die Spannungen an den Märkten reduziert und auch die Realwirtschaft unterstützt werden.

Die gemeinsame Aktion der Notenbanken auf den internationalen Geldmärkten verschafft den zuletzt in Finanznöte geratenen Geschäftsbanken eine Atempause. Volkswirtschaftler Klaus Adam von der Universität Mannheim sagte: "Letztlich ist es eine Hilfe für das europäische Bankensystem."

Zuletzt waren die Banken nur noch mit Mühe an Geld gekommen. Wegen der großen Verunsicherung über den Verlauf der Schuldenkrise verliehen sie untereinander kaum noch etwas. Vor allem US-Dollar wurden für viele europäische Institute knapp, die kein eigenes Einlagengeschäft in den USA hatten.

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Die Banken selbst hatten einander zuletzt kaum noch über den Weg getraut. Die Absicherung von Forderungen wurde immer teurer und überstieg zuletzt sogar den Wert nach der Lehman-Pleite 2008. Beobachter berichteten, dass viele Banken bei längeren Laufzeiten und ohne Sicherheiten nicht mehr an Geld kamen. Stattdessen musste zunehmend die Europäischen Zentralbank (EZB) die Finanzierung der Banken übernehmen.

Zinssätze gesenkt
Die Währungshüter senkten heute jene Zinssätze, zu denen sich die Zentralbanken US-Dollar leihen, um einen halben Prozentpunkt. Daneben solle es zwischen einzelnen Zentralbanken bilaterale Abkommen zu solchen Zinsgeschäften geben, "so dass in allen Währungsgebieten Liquidität in allen ihren Währungen angeboten werden kann", wie die Institute mitteilten. Zur Zeit bestehe zwar noch keine Notwendigkeit, Geld in ausländischen Währungen außer dem Dollar anzubieten, es sei jedoch "sinnvoll", vorzubeugen, damit bei Bedarf schnell Geld besorgt werden könne, erklärten die Notenbanken. Die vereinbarten Abkommen laufen bis zum 1. Februar 2013.

Auch Tauschgeschäfte ("Swaps") in anderen Währungen sollen - wie die Dollar-Vereinbarung - bis 2013 möglich sein, allerdings seien Engpässe derzeit nur mit Blick auf die US-Währung abzusehen, hieß es bei der EZB.

Zuvor hatte es bereits Spekulation über eine aktivere Rolle der EZB in der Finanzkrise gegeben. Eine Ankündigung, unbegrenzt Staatspapiere von Euro-Krisenländern aufzukaufen, gilt als schärfste Waffe der Notenbank, ist aber im EZB-Rat bisher nicht mehrheitsfähig und wird unter anderem von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann strikt abgelehnt. Volkswirte sind bei dem Thema uneins.

Die EZB kauft seit Monaten Staatsanleihen von Krisenländern in überschaubarem Umfang auf, um die Kurse zu stürzen. Kritiker befürchten, dass eine massive Ausweitung dieses Programms mittelfristig die Inflation anheizen würde. Hauptaufgabe der EZB ist die Preisstabilität, allerdings unterstützt sie laut den EU-Verträgen auch "die allgemeine Wirtschaftspolitik" in der Union. Unmittelbare Ankäufe von Staatsanleihen, zum Beispiel bei Neuemissionen, sind ihr jedoch untersagt.