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Top-Virologe: DAS ist die größte Corona-Bedrohung

Experte warnt: 'Die Welt hat das schreckliche Potential noch gar nicht begriffen'

Die Corona-Pandemie dauert inzwischen schon über ein Jahr. Besonders schlimm ist die Lage dabei weiterhin in Brasilien. Als zweites Land der Welt wurde hier die Grenze von 300.000 registrierten Corona-Toten überschritten.

Zuletzt starben binnen 24 Stunden erstmals mehr als 3.200 Menschen. "Der düstere Rekord spiegelt die unkontrollierte Pandemie wider und hebt die brasilianische Tragödie auf eine neue Stufe", schrieb das Nachrichtenportal "G1". Die Situation auf den Intensivstationen für Covid-19-Patienten ist wegen der Auslastung in 24 von 26 Bundesstaaten und dem Hauptstadtdistrikt in einem "kritischem Alarmzustand", wie "G1" unter Berufung auf die Forschungseinrichtung "Fundação Oswaldo Cruz" (Fiocruz) berichtete. "Seit Anfang März wird das Land Zeuge des Zusammenbruchs des Gesundheitssystems in Brasilien für die Versorgung von Patienten, die eine komplexe Versorgung für Covid-19 benötigen."

Globale Bedrohung

Hauptgrund für die neue Welle ist die Virusmutation mit dem Namen „P.1“ – auch als Manaus-Mutante bekannt. Diese Variante scheint das Immunsystem von bis zu 60 Prozent aller Menschen, die schon einmal an Corona erkrankt waren, austricksen zu können. Der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding warnt deshalb auch eindringlich: „Die Welt hat das schreckliche Potential von P.1 noch gar nicht begriffen.“

Es können zu einem „bösen Erwachen führen“, Brasilien sei „eine Bedrohung für die globale Gesundheit.“

"Das ist eine Atombombe"

Forscher warnen nun davor, dass sich diese neue Variante weltweit ausbreiten und damit die Pandemie verlängern könnte. „Das ist eine Atombombe “, schlägt Dr. Roberto Kraenkel, ein biologischer Mathematiker des Covid-19 Brazil Observatory, in der „Washington Post“ Alarm. „Ich bin überrascht von der Vielzahl von Mutations-Fällen. Viele verstehen nicht, was das bedeutet: Diese Varianten sind ansteckender und dies bedeutet eine beschleunigte Phase in der Pandemie. Es ist ein Desaster.“

„Wir können in den USA so viel impfen, wie wir wollen. und Herdenimmunität erreichen“, so der Experte weiter. „Aber solange wir Ausbrüche haben, die in anderen Ländern unkontrollierbar sind, wir die Pandemie nicht beendet sein.“ Der Wissenschaftler kritisiert dabei die brasilianische Regierung scharf: „In Ländern wie Brasilien, in denen es praktisch keine Einschränkungen gibt, können ständig neue Mutationen entstehen.“

Im größten Land Lateinamerikas haben sich nachweislich über 12,2 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. In den meisten Bundesstaaten sind die Intensivstationen an der Belastungsgrenze. Der rechte Präsident Jair Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost, einen landesweiten Lockdown lehnt er aus wirtschaftlichen Gründen ab. Nach einer Fernsehansprache des Staatschefs am Dienstag kam es in zahlreichen Städten des Landes zu Unmutsbekundungen gegen die Corona-Politik der Regierung.