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Geheimes Treffen

Ambros traf Natascha Kampusch

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W. Ambros erzählt erstmals, warum ihn Natascha Kampusch unbedingt treffen wollte. Plus: Alles über seine Tour.

Heute und morgen abend bejubelt Österreich in der Wiener Stadthalle seine liebste Austro-Pop-Legende. Wolfgang Ambros (54) ist höchst motiviert auf seiner Steh grod 2006 -Tour, die ihn erstmals durch kleine, bestuhlte Hallen führt. "Eine riskante Entscheidung", wie Ambros weiß. Als Überraschungsgast für den Stadthallen-Gig heute abend hat sich A3-Kamerad Georg Danzer angesagt, der seine eigene Tournee krankheitsbedingt verschieben musste.

Treffen mit Natascha Kampusch
Aus dem vor neugierigen Blicken geschützten Backstagebereich konnte ein weiterer prominenter Gast sein erstes Pop-Konzert erleben: Natascha Kampusch ist Ambros größter Fan und lernte den Austro-Barden bei einem geheimen Treffen bereits kennen. Im ÖSTERREICH-Interview spricht Wolfgang Ambros über die ungewöhnliche Begegnung und sein neues Tour-Konzept.

ÖSTERREICH: Vor drei Wochen haben Sie Natascha Kampusch in einem geheimen Treffen kennen gelernt. Wie kam es dazu?
Wolfgang Ambros: Natascha hatte relativ bald nach ihrer Befreiung den Wunsch geäußert mich zu treffen. Ich habe mich natürlich gefreut. Sie hat während ihrer Gefangenschaft sehr viel von mir gehört und sich mit meinen Liedern auseinandergesetzt. Teilweise hat sie Texte auf ihre Situation bezogen umgeschrieben. Das hat ihr unter anderem geholfen zu überleben. Leider sind Nataschas Unterlagen noch bei der Polizei unter Verschluss.

ÖSTERREICH: Waren Sie überrascht, als Sie Ihren Anruf erhielten?
Ambros: Nur ein bisschen, denn mich rufen ständig Menschen mit verschiedensten Wünschen an.

ÖSTERREICH: Welchen Eindruck haben Sie von Natascha Kampusch?
Ambros: Sie ist ein sehr liebes Mädel. Bei unserem Treffen war sie verständlicherweise noch etwas verwirrt. Aber bei weitem nicht so verwirrt, wie man es nach einem Erlebnis wie dem ihren vermuten würde.

ÖSTERREICH: Worüber haben Sie mit ihr gesprochen?
Ambros: Vor allem über den Umgang mit Medien. Da konnte ich ihr schon einige Tipps geben.

ÖSTERREICH: Welchen Rat haben Sie ihr gegeben?
Ambros: Ich habe ihr zur Vorsicht geraten. Und zur Zurückhaltung.

ÖSTERREICH: Hat Natascha Kampusch schon Ihr neues Album schon gehört?
Ambros: Ja. Na sicher.

ÖSTERREICH: Und, wie ist ihr Urteil?
Ambros: Es gefällt ihr gut. Aber das Mädchen ist erst 18 Jahre alt. Ich glaube, sie kann noch nicht soviel mit dieser speziellen Art von Musik anfangen. Das muss sie erst für sich entdecken.

ÖSTERREICH: Themenwechsel: Mit Freitag touren Sie mit neuem Konzept durch Österreich. Ihr Resümee?
Ambros: Bestens. Meine Entscheidung ein weniger rockiges Programm zu spielen war riskant, aber das Publikum nimmt es sehr gut auf.

ÖSTERREICH: Niemand vermisst den rockigen Wolfgang Ambros?
Ambros: Es war hoch an der Zeit, dass ich mich meinen heutigen Lebensumständen stelle. Ich habe keine Lust mehr, auf der Bühne stundenlang herum zu hüpfen wie früher.

ÖSTERREICH: In der Stadthalle spielen sie im kleinen Saal F. Eine bewusste Entscheidung?
Ambros: Mein Programm verträgt nicht mehr als 2.500 Zuschauer. Das war so konzipiert.

ÖSTERREICH: Wie fit muss Wolfgang Ambros für eine Tour sein?
Ambros: Während der Proben war ich fast täglich Mountain-Biken und Walken.

ÖSTERREICH: Wird nach den Konzerten noch richtig gefeiert?
Ambros: Weniger. Trinken tut überhaupt niemand mehr. Es fahren ja alle mit dem Auto. Wenn es möglich ist, fahre auch ich zum Schlafen in mein Haus im Wienerwald. Jedesmal feiern, das würde niemand auf Dauer aushalten.

ÖSTERREICH: Ihr Album Steh grod ging von Null auf Platz zwei der Album-Charts. Eine Genugtuung?
Ambros: Das mit der Hitparade ist mit Vorsicht zu genießen. Da wird manipuliert und getrickst, dass die Wände wackeln. Ich brauche niemanden mehr etwas beweisen. Solange ich die Produktionskosten einspiele, interessiert mich das nicht.

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