Deep Purple: 'Im Rock ’n’ Roll gibt es keine Pension!'

Interview zur neuen CD "Turning to Crime"

Deep Purple: 'Im Rock ’n’ Roll gibt es keine Pension!'

"Highway Star", "Perfect Strangers" und natürlich "Smoke On The Water" - seit 1968 geben Deep Purple im Hardrock den Ton vor. Auch als "lauteste Band der Welt". Jetzt kommt die neue CD "Turning to Crime"; die Konzerte auf der Burg Clam und am Lovely Days und das große ÖSTERREICH-Interview.  

Roger Glover von Deep Purple über die neue Hit-CD "Turning to Crime" , legendäre Songs, seine kurze Zeit im Knast und ein Kickerl mit Hans Krankl. 

Am Freitag kommt die neue CD „Turning to Crime“. Warum wenden sich Deep Purple jetzt dem Verbrechen zu?
Roger Glover:
Wir haben einigen Musikern die Songs gestohlen, sie dann etwas durcheinander gewirbelt und jetzt geben wir sie wieder zurück. Das ist aber kein Verbrechen (lacht).

Damit betreten Sie Neuland: erstmals eine CD nur mit Coverversionen …
Glover:
Wir haben davor natürlich schon viele Coverversionen gemacht. „Hush“ z. B. Aber das ist unser erstes Album ohne eigene Songs. Wir wollten die Songs aber nicht bloß nachspielen, sondern sie uns zu eigen machen. In den Zeiten von Reisebeschränkungen und Lockdowns war das auch das Einfachste. Für neue Songs muss man gemeinsam im Studio stehen. Coverversionen kann man quer über die Welt verstreut aufnehmen.

Sie covern große Namen wie Bob Dylan oder Cream, aber eher unbekannte Songs. Warum das?
Glover:
Wir wollten jetzt nicht die aufgelegten Klassiker nehmen, weil das ja jeder macht, sondern uns beweisen. Es gab eine Liste von 50 Songs. Dann wurde abgestimmt.

Gelebte Demokratie?
Glover:
Ja, alles fair und friedvoll. Es gab keine Kämpfe oder Schlägereien.

Gekämpft haben Purple untereinander ja ohnedies bereits genug …
Glover:
Das kann man wohl laut sagen (lacht). Diesen Ruf werden wir wohl nicht mehr los.

Für das Video zum neuen Hit „Oh Well“ gehen Sie sogar in den Knast ...
Glover:
Videos waren uns immer egal. Live-Videos sind o. k. Aber, dass man sich als Gladiatoren verkleidet oder durch die Wüste stapft, wäre nur lächerlich.

Wurden Sie selbst eigentlich schon mal verhaftet?
Glover:
Oh doch! Als ich 16 war. Wegen Störung des öffentlichen Friedens. Da habe ich 3, 4 Stunden in einer Zelle verbracht. Bis mich mein Vater abholte. Mit einer Ohr¬feige. Ich wünschte, ich hätte bessere Storys zu erzählen.

So wie Ihr Ex-Band- Kollege Ritchie Blackmore, der ja 1977 in Wien mehrere Tage im Gefängnis saß, nachdem er einem Fan ins Gesicht trat.
Glover
: Ja, das war heftig. ¬Eine lebensverändernde Si¬tuation, dabei wollte er nur jemanden beschützen.

Haben Sie und Blackmore eigentlich noch Kontakt?
Glover:
Nur über unsere Anwälte und Buchhalter. Ich habe mit ihm schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesprochen. Aber er will das so. Er hat 1993 mitten unter der Tour die Band verlassen und auch jegliche Freundschaft beendet. Das muss man respektieren.

Viele sagen, dass Deep Purple seit seinem Ausstieg noch besser wurden ...
Glover:
Man kann mit der Vergangenheit nicht konkurrieren. Das wäre sinnlos. Ja, wir haben eine bewegte Geschichte und die hat uns auch geprägt, aber man darf sich dadurch nicht den Weg vorgeben lassen. Und vor allem auch nicht auf die Öffentlichkeit hören. Wir machen das, was wir wollen, und das ganz ohne Angst um Reputation oder Verkäufe.

Aber ohne „Smoke On The Water“ geht es wohl nicht?
Glover:
Natürlich nicht, aber das macht ja auch nichts. Wir sind eine Live-Band, also können wir das immer so spielen, wie wir gerade wollen. Der Song mag zwar derselbe sein, aber er klingt anders. Und somit noch immer spannend.

Sie werden also nicht müde, das zu spielen?
Glover:
Überhaupt nicht! Das ist immer ein Highlight. Weil die Fans darauf warten. Und weil schon beim ersten Riff abgerockt wird. Ein magischer Live-Song.

Warum sind Deep Purple noch immer so populär?
Glover:
Keine Ahnung! Man könnte das natürlich analysieren, aber es wird keine Antwort darauf geben. Wir sind eine echte und ehrliche Band. Wir spielen den Leuten nichts vor. Außer Musik. Wir sind selbst überrascht, dass es noch immer so gut läuft. Wir haben uns auch damit abgefunden, dass wir keine Chart-Band sind.

Ihre letzte CD „Whoosh!“ ging im Vorjahr aber wieder auf Platz eins …
Glover:
Ein kleines Wunder. Nach dieser langen Karriere freut man sich darüber umso mehr. Viele Leute fragen sich ja sicher: Leben diese Alt-Rocker überhaupt noch (lacht)?

Sie sind seit 52 Jahren dabei. Fühlt es sich so lange an?
Glover:
Ja, jede Sekunde (lacht). Ich bin stets aufs Neue überrascht, dass ich noch immer in einer Band sein darf.

Denkt man ans Aufhören?
Glover:
Ich habe ja schon mit 19 aufgehört. Damals, als ich mit der Musik angefangen ¬habe. Ich hatte nie einen „gescheiten“ Job. Also kann ich auch nicht in Rente gehen. Pension ist ja ein Wort, das es im Rock  ’n’ Roll gar nicht gibt.

Im Juli gibt’s wieder zwei Österreich-Konzerte. Am 8. Juli auf der Burg Clam und am 9. Juli bei Loveley Days in Eisenstadt Was darf man da erwarten?
Glover:
Die Setlist wird schwierig. Weil es ja auch zur letzten CD wegen Corona keine Konzerte gab. Wir können aber keine 16 Stunden spielen. In unserem Alter sind zwei Stunden schon mehr als genug. Für alles im Leben (lacht).

Bei Lovely Days in Eisenstadt ist auch Hans Krankl dabei. Da wird den Fußball-Fans von Deep Purple wohl das Herz aufgehen ...
Glover:
Cool. Das wussten wir gar nicht.

Vielleicht gibt’s ja ein Backstage-Kickerl?
Glover:
Nein, danke. In meinem Alter sollte ich wirklich keinem Ball mehr nachlaufen.

Was wurde aus „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“?
Glover:
Das ist doch alles ¬lange vorbei: Jetzt gibt’s nur mehr Socks, Drugs and Rock ’n’ Roll!
  

 

© zeidler
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 ÖSTERREICH-Redakteur Thomas Zeidler mit Roger Glover