Rücktritt vor dem Antritt

Wiener Festwochen: Langhoff kommt nicht

Shermin Langhoff
© DPA/Matthias Balk
Theatermacherin wird nicht mit Markus Hinterhäuser Festwochen 2014 leiten.
OE24 auf Google bevorzugen

Es ist ein Rücktritt noch vor dem Antritt: Vor einem Jahr war Shermin Langhoff gemeinsam mit dem künftigen Intendanten Markus Hinterhäuser als "Dream-Team" und neues Leitungsduo der Wiener Festwochen ab 2014 vorgestellt worden. Nun wird die Chefin des Berliner Off-Theaters Ballhaus Naunynstraße nicht stellvertretende Intendantin und Chefkuratorin in Wien, sondern bleibt in der deutschen Hauptstadt. Offenbar wird sie morgen als neue Intendantin des Maxim Gorki Theaters vorgestellt.

Interkulturelles Theater
Die im türkischen Bursa geborene 42-jährige Theatermacherin hat mit ihrer Arbeit mit der zweiten und dritten Migrantengeneration in den vergangenen Jahren dem deutschsprachigen Theaterbetrieb wie kaum jemand sonst eine Dynamik verliehen, die viele Häuser aus einer langjährigen Lethargie riss. Langhoff fördere bisher unbekannte Regisseure, Schauspieler und Dramaturgen, lobte die Jury des hoch dotierten Kairos-Preises, den sie im Vorjahr erhielt. "Selbstbewusst, bestimmt und humorvoll" bereichere sie den Theaterbetrieb mit herausragenden Stücken von Regisseuren und Autoren, die auf anderen Bühnen (noch) nicht gezeigt werden. Mit Sensibilität und Gespür entdecke sie junge Talente, die sie nachhaltig fördere und begleite.

Langhoff thematisiert im Theater die Fragen des Miteinanders verschiedenster Kulturen und den Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit den Minderheiten - "das ist vom Theater lange verschlafen worden" und "wurde offenbar gebraucht, denn wir hatten schon zu Beginn über 90 Prozent Auslastung", sagte Langhoff im APA-Gespräch. Das Ballhaus Naunynstraße leitet sie seit der Eröffnung 2008.

Engagiert
Sie war mit neun Jahren als Kind nach Deutschland gekommen, wuchs in Nürnberg auf und absolvierte zunächst eine Lehre als Verlagskauffrau. Mit der Organisation von Ausstellungen und Lesungen begann ihre "inter- und transkulturelle Praxis", wie sie es nennt. Auf eine Zeit als Redakteurin und beim Film, wo sie begann, deutsch-türkische Netzwerke zu entwickeln, folgte 2004 ein Engagement als Kuratorin ans Berliner Hebbel am Ufer (HAU). Dort machte sie Migration zum Thema ihrer Arbeit und arbeitete dabei u.a. mit Feridun Zaimoglu, Nurkan Erpulat und Fatih Akin.

Als Vorbild für gelungene Integration will die Ehefrau des Regisseurs Lukas Langhoff selbst nicht gesehen werden. Zumindest nicht nur. Ihr Anspruch sei, mit ihrer Arbeit zu zeigen, dass es nicht nur um Herkunft gehe, dass Theater nicht von Konzepten, sondern von Menschen gemacht werde. Als Meilenstein ihrer "postmigrantischen Bühne" gilt das Stück "Verrücktes Blut" von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, das die Spannungen zwischen einer Schulklasse mit Migrationshintergrund und ihrer Lehrerin zeigt, an das Berliner Theatertreffen eingeladen wurde und derzeit auch in der Wiener Garage X zu sehen ist.

Langhoffs steiler Aufstieg
Langhoff, deren eigene Inszenierungen sämtliche Klischees bedienen und sie zugleich entkräften, hat das Ballhaus Naunynstraße innerhalb kürzester Zeit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntgemacht, hier sitzen Kulturschaffende und Kiez-Bewohner Seite an Seite im Publikum. 30 Prozent der Zuschauer kommen aus dem "Multikulti"-Bezirk Kreuzberg, wo die Leiterin selbst mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Ihr Engagement in Wien, wo sie von der rot-grünen Stadtregierung als Idealbesetzung begrüßt worden war, hat sie heute "aus persönlichen, familiären Gründen" zurücklegt. Dem Wunsch sei man "mit großem Bedauern" nachgekommen, hieß es seitens der Wiener Festwochen.

Die Kultur-Highlights des Jahres 2012


1 / 223

Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi

Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin BrancusiVon Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi reichen die Pläne, die der neue Leiter der Kunsthalle Wien, Nicolaus Schafhausen am 10. Jänner bekannt gegeben hat. Ein reduziertes, eher divers wirkendes Programm, das mit dem in den Presseunterlagen formulierten "prägnanten Profil" ("Thematische Gruppenausstellungen, Einzelpräsentationen internationaler KünstlerInnen, Retrospektiven bekannter VertreterInnen der Gegenwartskunst sowie Ausstellungen bislang noch weniger bekannter KünstlerInnen") noch nicht viel zu tun hat. In-Künstler findet man im Gegensatz zu früher nicht. Schafhausen: "Es geht selbstverständlich nicht um die Replizierung von Trends, sondern um die Kenntnis der Diskurslage."

© Stephan Wyckoff

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus Erl

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus ErlBot der Eröffnungsfestakt am 26. Dezember noch eine wilde Mischung aus Donizetti und Bartok, so hatte das neue Festspielhaus in Erl seine wahre Feuertaufe mit Mozarts "Le Nozze di Figaro" zu bestehen. Gustav Kuhn startete das Opernprogramm der ersten Winterfestspiele im kleinen Tiroler Dorf in seiner bewährten Doppelfunktion als Regisseur und Dirigent mit einer schnörkellosen Da Ponte-Produktion. Dabei strich der Maestro die Stärken dieses architektonischen und vor allem akustisch gelungenen neuen Festspielhauses heraus. Allgemeine Jubelsalven für Kuhn und seine vorwiegend jungen Sänger nach einem langen Mozart-Abend.

© tirolerfestspiele.at

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg Kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt der Berg zum Propheten: Nach der dissensbedingten Absage von Dirigent Franz Welser-Möst, der 2013 bei den Salzburger Festspielen mit Sven-Eric Bechtolf die "Cosi fan tutte" hätte inszenieren sollen, feierte am Mittwochabend (19. Dezember) die "Ariadne auf Naxos" der heurigen Festspiele in der Wiener Staatsoper ihre umjubelte Premiere - mit Welser-Möst am Pult und Sven-Eric Bechtolf als Regisseur. Vornehmlich auf sängerischer Ebene bot der begeistert aufgenommene Abend einige echte Entdeckungen.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden