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Neuer Wirbel

Luftwaffe als "Escortservice"?

Nach der Affäre um die Schüsse gegen ein Foto von Ex-Finanzminister Grasser bei einer Bundesheer-Party im Jahr 2003 steht Innenminister Günther Platter nun erneut im Zentrum der Kritik.

Die Jagdbomber des Typs Saab 105-OE des Österreichischen Bundesheeres sind zwar alt (seit 1970 in Dienst), aber relativ schnell (970 Stundenkilometer) und fliegen weit (2.270 Kilometer). Diese Vorzüge ließen offenbar auch die Terminplanung des ehemaligen Verteidigungsministers Günther Platter auf den Plan treten.

Zehn Flüge
Mindestens zehnmal, so sagen zwei voneinander unabhängige Zeugen gegenüber ÖSTERREICH, soll der Verteidigungsminister das Fluggerät verwendet haben, um damit vom Fliegerhorst Langenlebarn aus Richtung seiner Tiroler Heimat nach Innsbruck zu entschweben. Private Flüge für den Minister?

Platter dementiert
Platter dementiert das heftig. Im Gespräch mit ÖSTERREICH sagt er, die Flüge habe es zwar gegeben, allerdings seien sie „keinesfalls privat gewesen, sondern rein dienstlich“ (siehe Interview). Benutzt habe er die viersitzige VIP-Version der Saab nur dann, wenn „dringende Termine“ wahrzunehmen waren. Als Beispiel dafür nennt Platter dann „eine Rede vor einem Ausschuss des Bundesrates“ in Vorarlberg.

Eine Flugstunde mit dem Militärvogel kostet nach jüngsten Informationen des Bundesheeres 5.800 Euro. Allein an Treibstoff verbrennt der Jet pro Stunde 1.100 Euro.

Teure Reisen
Im Vergleich dazu kostet die teuerste Bordkarte der Austrian Airlines von Wien nach Altenrhein in Vorarlberg 402,29 Euro, von Wien nach Innsbruck 272 Euro – wobei Innsbruck sieben mal täglich, Altenrhein dreimal täglich angeflogen wird (Stand Samstag 14 Uhr).

Die Grünen, namentlich der Abgeordnete Werner Kogler, finden deshalb die Flüge Platters nicht so normal wie Platter selbst: „Es gibt da offenbar einen dringenden Aufklärungs-Bedarf“, so Kogler. Die Grünen werden deshalb spätestens kommenden Dienstag eine parlamentarische Anfrage an Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) richten. Darin wird gefragt, wie oft Platter tatsächlich geflogen ist und was der genaue Zweck der Reisen war.

Escortservice
Kogler: „Hier liegt offensichtlich eine Verwechslung der Luftwaffe mit einem Escortservice vor.“ Platter sieht der Anfrage „sehr gelassen entgegen“. Der Transport mit Militärfluggerät sei eine „für alle Führungspersonen der Republik übliche Angelegenheit“.

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