Weiter Urteile

Bandenkrieg in Wien - auch Freund von Swift-Terrorist war dabei!

Der zweite Prozesstag startete mit Einvernahme des ehemals Terror-Verdächtigen Luca K., einem Kumpel von Taylor Swift-Attentäter Beran A. Der 18-jährige verurteilte Islamist, der im Gefängnis Vater geworden ist, filmte die gewalttätigen Szenen. Als einzige bekam er bisher eine unbedingte Strafe.

Wien. Fortgesetzt wurde am Freitag am Straflandesgericht der Prozess um die "Schlacht" im Zuge eines Bandenkrieges zwischen Syrern der Gruppierung "505" und jungen gewaltbereiten Tschetschenen in Wien, bei dem am 7. Juli 2024 am Bahnhof Meidling fünf Personen teils schwer verletzt wurden. Nachdem von 24 Angeklagten mit Kaukasuswurzeln acht erstinstanzlich Strafen auf Bewährung ausgefasst hatten, wurde nun gegen acht weitere (diesmal tatsächlich aktiv am Geschehen beteiligte) Burschen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren verhandelt. Der Rest ist kommenden Dienstag an der Reihe.

Bandenkrieg Prozess

Großer Andrang zu der Verhandlung am Grauen Haus auch am zweiten Prozesstag.

© Fuhrich

Unter denen, die am zweiten Verhandlungstag vor dem Kadi standen, war Luca K. Der inzwischen 18-Jährige befindet sich seit 7. August 2024 in Haft - er wurde im Zusammenhang mit einem mutmaßlich verhinderten Terror-Anschlag auf ein Taylor Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion festgenommen und galt zunächst als Komplize von Beran A. (20), gegen den die Staatsanwaltschaft Wien im Zusammenhang mit den Anschlagsplänen ermittelt. Eine Beteiligung des Jüngeren an diesen ließ sich nicht nachweisen, Luca K. wurde allerdings im vergangenen Juli in Wiener Neustadt wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Er hatte Propagandamaterial der radikalislamischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) verbreitet und dem Wien-Attentäter gehuldigt, der am 2. November 2020 in der Wiener Innenstadt vier Menschen getötet hatte.

Am Freitag erhielt Luca K. eine erhielt eine Zusatzstrafe von sechs Monaten unbedingt. Bei der nunmehrigen Verurteilung wurde auf die zweijährige Freiheitsstrafe Bedacht genommen, sodass Luca K. insgesamt zweieinhalb Jahre verbüßen muss. Er war damit einverstanden. Der Staatsanwalt gab allerdings keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

Von den fünf weiteren ebenfalls nicht rechtskräftig Verurteilten erhielten drei 20-Jährige jeweils zwei Jahre bedingt. Ein 18-Jähriger bekam sechs Monate bedingt. 

Luca K. sieht sich nur als "Kameramann"

Luca K. war im Grauen Haus umfassend geständig, sich in erster Linie als "Kameramann" am teilweise mit Waffen ausgetragenen, ethnisch motivierten Konflikt zwischen gebürtigen Tschetschenen auf der einen und den Arabern auf der anderen Seite beteiligt zu haben. Er habe einen Tatbeitrag zur Massen-Randale und zur absichtlichen schweren Körperverletzung geleistet, räumte er fesch aufgemaschelt mit weißem Hemd ein.

Er habe über Instagram von einer "Konferenz" erfahren, zu der der Hauptangeklagte Abu Bakar D. (25) aufgerufen hatte, um das weitere Vorgehen gegen verfeindete Syrer zu erörtern. Dort habe Abu Bakar D. vor zehn bis 15 jungen Tschetschenen "referiert" und beschlossen, dass am selben Abend Syrer in Meidling angegriffen werden sollten. "Er war der Anführer", betonte Luca K. Er sei mit nach Meidling gefahren und habe "geahnt, dass es zu einer Schlägerei kommen wird".

Bis zu 35 junge Männer machten Jagd auf Opfer

bahnhof meidling
© Viyana manset haber

30 bis 35 junge Männer hätten sich am Schedfikaplatz versammelt, Abu Bakar D. habe diese in Gruppen eingeteilt und dann sei man mit Fäusten, Schlagringen, Messern und einem Hammer gegen vermeintliche Syrer vorgegangen. In Wahrheit handelte es sich allerdings um Afghanen, auf die regelrecht Jagd gemacht wurde und die in Bahnhofsnähe brutal zusammengeschlagen wurden. Ein Opfer wurde schwer verletzt, der Betroffene erlitt einen Schädelbruch. Ein weiterer Mann trug eine Stichverletzung nahe am Herzen davon, mit der laut einem gerichtsmedizinischen Gutachten aber keine Lebensgefahr verbunden war.

Vorangegangen war ein mehrmonatiger "Bandenkrieg" zwischen jungen Tschetschenen und Syrern, der die Wiener Polizei 2024 intensiv beschäftigte. Die Tschetschenen unterstellten Syrern Übergriffe auf Landsleute, seit dem Frühjahr 2024 war es mehrfach zu schweren Ausschreitungen mit Schwerverletzten auf beiden Seiten gekommen. Es wurden Telegram-Accounts eingerichtet, die sich gegen sogenannte "505er" bzw. "515er" richteten, was sich auf Postleitzahlen in bestimmten Gebieten Syriens bezog. In den Kanälen "Aktion T5" und "Aktion T5 Chat" wurde Stimmung gegen die Syrer gemacht und es wurden Gewaltaufrufe lanciert.

Schlüsselfigur war Abu Bakar D., der sich auf seinem Instagram-Account "stellvertreter_1" nannte und laut Anklage als Repräsentant der tschetschenischen Community in Wien gerierte. Gegen den Hauptangeklagten wird am kommenden Dienstag verhandelt.

"Habe mit alldem jetzt abgeschlossen"

"Ich wollte einfach sehen, was passiert", versuchte Luca K. zu erklären, warum er dem Aufruf von Abu Bakar D. gefolgt war. Er selber sei dann zwar nicht gewalttätig geworden, "aber ich war so naiv und habe das erste Opfer gefilmt, wie es am Boden lag". In weiterer Folge habe er mit seinem Handy auch weitere Verletzte gefilmt und das Geschehen dokumentiert.

Mit all dem und auch dem IS habe er mittlerweile abgeschlossen, versicherte Luca K. dem Gericht. Er sei im Gefängnis Vater einer Tochter geworden und wolle nach seiner Enthaftung "eine Lehre abschließen, den Führerschein machen und mich um meine Familie kümmern. Ich will ein ruhiges Leben. Ich habe eingesehen, dass das alles ein Fehler war".

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten