Intrigen im und um Burgenland-Schloss

Esterhazy-Krimi: Alle gegen 'Fürst' Ottrubay

Das ganze Land rätselt über die wahren Hintergründe der vermeintlichen Entführung.

Es ist der Krimi des Jahres. Bei dieser spannenden Familien-Saga geht es um Milliarden, um Adelstitel und um Liebe.

Die Vorgeschichte: Am Dienstag wird Magdolna Ottrubay (88) unsanft in Eisenstadt in eine Limousine „gezerrt“. Am Abend, nach einer groß angelegten Fahndung, spaziert sie mit ihrer Tochter Elisabeth András-Ottrubay in Tirol zur Polizei: Es war keine Entführung. Sie seien lediglich am Weg in ihre Heimat in der Schweiz, sagen sie (siehe unten). Seit dem Herbst 2018 wohnte Magdolna allerdings im Burgenland.

"Alles getan, um unsere 
Familie rauszudrängen"

Ihr Sohn Stefan Ottrubay verwaltet dort das Milliarden-Imperium der Esterházy-Dynastie, in die seine verstorbene, bürgerliche Tante eingeheiratet hatte. Deshalb gibt es seit vielen Jahren Streit zwischen den Esterházys und Ottrubay. „Er hat alles getan, um unsere Familie aus allem rauszudrängen“, sagt Endre Graf Esterházy zu ÖSTERREICH. Die „echten“ Esterhazys erhalten aus drei Stiftungen nur eine Apanage.

ÖSTERREICH sprach mit Familienmitgliedern und zahlreichen Insidern (kaum einer will namentlich genannt werden) zu der Causa: Drei Theorien stecken hinter dem „Kidnapping“:

  • Es geht um viel Geld. Brisant, was auch nichtadelige Insider jetzt berichten: Ottrubay versuchte, seine Mutter im Burgenland zu halten, um die Kontrolle auch über ihr Vermögen – ein Haus in der Schweiz (s. Interview) zu erlangen. Nicht einmal ihre Töchter konnten sie angeblich besuchen.
  • Entführung war Befreiung. Stefan Ottrubays Schwester Elisabeth soll Magdolna – ob erzwungen oder nicht – aus dieser Situation „befreit“ haben. Fakt ist: Magdolna lebte versteckt in Eisenstadt. Kaum jemand bekam sie je zu Gesicht.
  • Rosenkrieg. Ottrubays Nerven sollen auch aus privaten Gründen blank liegen: Angeblich kriselt es in der Ehe Ottrubays. Bei einer Scheidung könnte es die teuerste in Österreich werden. Und Ottrubay viel Geld – und sogar Macht – verlieren.

Esterhazys gehören 10 % des Burgenlands

Die Adelsfamilie Esterházy kann bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Ihr Vermögen wird auf mehr als 1,4 Milliarden Euro geschätzt. Dazu gehören Attraktionen wie das Schloss Esterházy. 
Einen Großteil der Einnahmen erzielen sie mit Landwirtshaft.

© Roland Schuller

"Schlechtes Verhältnis zu Schwester wegen Erbe"

Endre Graf Esterházy ist der Neffe der verstorbenen Fürstin Melinda Esterházy.

ÖSTERREICH: Viele vermuten, es geht auch bei dieser „Entführung“ um Geld?

Endre Graf Esterházy: Ich frage, warum konnte Frau Ottrubay nicht einfach ihre Sachen packen und zurück nach Luzern fahren? Sie konnte nicht einmal ihre persönlichen Sachen mitnehmen – das ist tragisch. Es muss wohl eine große Energie dahintergestanden haben, dieses Ding zu machen. Ich weiß aber, dass es seit der Erbaufteilung ein schlechtes Verhältnis zwischen Stefan Ottrubay und seinen Schwestern gab.

ÖSTERREICH: Für mich ist es ein Rätsel: Warum holte Herr Ottrubay seine Mutter überhaupt im Vorjahr zu sich nach Eisenstadt?

Graf Esterházy: Sie war als Schwägerin des letzten Fürsten Esterházy nicht unvermögend und sie hat ein großes Haus gehabt. Es hat sicherlich irgendwo einen Sinn gehabt.

ÖSTERREICH: Motiv war 
also Geld?

Graf Esterházy: Einen Grund muss es ja geben, wenn eine 88-jährige Mutter, die wohl versorgt in ihrem Haus in Luzern lebt, dort eine Pflegschaft hat und zwei Töchter in der Nähe wohnen, ins Burgenland zum Sohn übersiedelt.

Nach der "Entführung": Es gibt keine Konsequenzen für Tochter und Mutter

Die Ermittler wird der Fall der vermeintlichen Entführung noch weiter beschäftigen. Die Hauptakteure, also Mutter Magdolna Ottrubay und ihre Tochter Elisabeth András-Ottrubay, dürfen jedoch Österreich verlassen. „Es gibt keine Zwangsmaßnahmen“, wie es Staatsanwalt-Sprecher Roland Koch nennt.

Schweiz. Das heißt, der Plan kann weiter ausgeführt werden, die Mutter ist wahrscheinlich schon längst zurück in der Schweiz.

Die Behörden werden in etwa ein bis zwei Wochen den Fall abschließen. Bis dahin werden noch weitere Involvierte befragt.

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