Dealer

Kuriose Szenen im Zug

Drogendealer beißt Polizisten & lässt Tochter zurück

In einem Zug im Burgenland wurde der 28-Jährige geschnappt, dann rastete er aus.

Polizisten und Assistenzsoldaten haben am vergangenen Montag in Loipersbach (Bezirk Mattersburg) einen Drogenkurier aus dem Zug geholt. Nach einem missglückten Fluchtversuch, bei dem er seine dreijährige Tochter im Stich ließ, wurden bei dem 28-Jährigen 300 Gramm Cannabiskraut gefunden. Er dürfte laut Polizei nach derzeitigem Ermittlungsstand regelmäßig mit Drogen nach Österreich gependelt sein.

Eine Routinekontrolle, die seit kurzem an der Grenze eingesetzte Polizisten durchführten, wurde dem Marokkaner zum Verhängnis. Weil er keinen Ausweis bei sich hatte, musste der Mann in Loipersbach den Zug von Sopron nach Wiener Neustadt verlassen. Nach dem Aussteigen lief der Mann davon, das dreijährige Mädchen, das er offenbar nur zur Ablenkung von seinen Schmuggelaktivitäten mithatte, blieb zurück.

Dealer biss Polizisten

Nach wenigen Hundert Metern war für den 28-Jährigen Endstation. Bei der Festnahme biss er einen Bundesheersoldaten trotz Handschuh, so dass dieser eine Wunde erlitt. Nach dem Drogenfund begann die Polizei zu ermitteln. "Wir haben dann festgestellt, dass er die Szene in Wiener Neustadt regelmäßig mit größeren Mengen Cannabis beliefert. Das war nicht die erste und es wäre nicht die letzte Fahrt gewesen", schilderte der Leiter der Suchtgiftgruppe im Landeskriminalamt Burgenland, Ernst Paul Schlaffer.

Ermittler fanden auch Bilder vom Haus in Sopron, wo der Festgenommene gewohnt hatte. Auf Fotos sei auch zu sehen, wie er Cannabis verpackt, erzählte Schlaffer. Ungarische Ermittler stellten in Sopron ein Kilogramm Cannabis sicher. Der 28-Jährige sei schon früher in Wiener Neustadt als Straßendealer tätig gewesen. Bis Mitte des Vorjahres war er wegen eines Drogendelikts in Haft und wäre danach abzuschieben gewesen. "Das war offenbar der Grund, warum er Österreich verlassen hat", so Schlaffer.

Cannabislieferungen

Nach derzeitigem Stand dürfte der Mann regelmäßig nach Österreich gependelt sein, um weitere Mittäter mit Cannabis zu beliefern. Im Nachbarland lebte der 28-Jährige bei seiner ungarischen Frau. Auch dort gebe es ein offenes Asylverfahren, wobei der Antrag auf Asyl schon mehrfach negativ beurteilt worden sei. "Die Berufungswege sind lang", meinte der Chefermittler.

Nun sitzt der Verdächtige in Eisenstadt in Haft. Die Dreijährige wurde der Fürsorge übergeben, die ihre Mutter verständigte. Seltsamerweise habe sich die Frau erst nach drei Tagen gemeldet. Inzwischen habe sie offenbar das Kind abgeholt, berichtete Schlaffer.

Die bei dem Festgenommenen gefundenen Drogen dürften zum Weiterverkauf für Subdealer vorbereitet gewesen sein, so Schlaffer. Die Cannabisblüten waren nämlich in Päckchen zu je 100 Gramm verpackt. Offenbar gebe es eine Drogenproduktion in Ungarn. Die Ermittlungen der Kollegen im Nachbarland seien im Anlaufen. Der Mann sei auch gefragt worden, was er sich dabei gedacht habe, als er das Kind einfach zurückließ, erzählte der Leiter der Suchtgiftgruppe: "Er hat gesagt: Was soll dem Kind schon bei der Polizei passieren?"
 



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