Hinter dem Rücktritt von Weißmann könnte auch Intrigen stecken ...
„Im Herbst wird es den ORF in der jetzigen Form nicht mehr geben“, zeichnet ein ORF-Mitarbeiter ein düsteres Bild. „Jetzt werden sämtliche Rechnungen beglichen werden und noch mehrere andere neben Roland Weißmann fallen“, behauptet ein weiterer ORF-Insider.
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Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin – er selbst bestreitet die Vorwürfe – dürfte tatsächlich die Büchse der Pandora geöffnet sein. In den derzeitigen Hauptrollen: Der Anwalt von Weißmann Oliver Scherbaum – der via Aussendungen kommuniziert – und ORF-Stiftungsratschef Heinz Lederer, der via TV-Interviews seine Sicht erklärte: Weißmann sei „freiwillig“ zurückgetreten. „Stimmt nicht“, kontert Scherbaum. Sicher scheint derzeit nur, dass der 58-jährige Ex-ORF-Chef derzeit beurlaubt ist und seinen bisherigen Arbeitgeber klagen will.
So viel zum offiziellen Teil.
Chronik einer Intrige: Zwei ORF-Chefs im Duell
Im Hintergrund dürfte sich seit etlichen Monaten ein anderes Drama am Küniglberg abgespielt haben. In den Hauptrollen in diesem Fall: Weißmann und ein weiterer langjähriger Spitzenmanager des ORF. Letzterer sei „monatelang im ORF gemobbt“ worden, erzählen ihm Wohlgesonnene. Fakt ist jedenfalls, dass der ORF-Pensionsvertrag des Managers von der Geschäftsführung „kontrolliert“ und als unangemessen angesehen worden sei. Zu einem anderem Urteil sei der Anwalt des Spitzenmanagers gekommen. Und jetzt wird es – sicher rein zufällig - spannend. Der Anwalt des Weißmann-Gegenspielers – im ersten Wiener Gemeindebezirk – ist just auch jener Rechtsvertreter, der die Frau vertritt, die Weißmann beschuldigt. Diese arbeitet wiederum auch in der Abteilung des Spitzenmanagers.
Das sagt zwar nichts über die Vorwürfe an sich aus, aber es wirft zumindest neue Fragen auf. Dieser Anwalt hatte schließlich – von Timing und Art extrem schlau – vergangenen Mittwoch Lederer und seinem Stellvertreter Gregor Schütze (also die rot-schwarze Stiftungsratsführung des ORF) Nachrichten, Fotos und Tonbandaufnahmen aus 2022 vorgelegt und im Namen seiner Mandantin den Rücktritt Weißmanns gefordert.
Weißmann bestreitet alle Vorwürfe.
ORF-Mitarbeiter fordern Aufklärung
„Immer mehr im ORF wollen jetzt wissen, was da wirklich im Hintergrund gelaufen“ sei, berichten ORF-Journalisten. Auch jene, die den Rücktritt von Weißmann für richtig befinden, wollen „lückenlose Aufklärung, da die Vorgangsweise seltsam wirkt“. Am Donnerstag tagt der ORF-Stiftungsrat. Der blaue Stiftungsrat Peter Westenthaler kündigt in oe24 an, dass er dort „sämtliche offenen Fragen ansprechen“ werde. Bei ihm würden sich im „Stundentakt ORFler melden, die wieder andere beschuldigen“. Na dann.