sebastian

Beerdigung

Ganz Braunau trauert um Sebastian (16)

Beerdigung in Braunau - Seine Mutter ist 
aus Japan angereist. 

Im Trauergottesdienst für einen 16-jährigen Braunauer, der von einem 17-jährigen Mitschüler erstochen worden sein soll, fand Pfarrer Stefan Hofer am Freitag sehr persönliche Worte: "Sebastian bleibt in unserem Herzen", erklärte er in der Stadtpfarrkiche. Die Messe wurde von Freunden und Mitschülern aus der 7B mitgestaltet, sie lasen Fürbitten und letzte Abschiedsworte vor und sangen für ihren Freund. Bei der Beisetzung wurde der Sarg samt einer Trauerbox mit Nachrichten ins Grab hinabgelassen, weiße Tauben flogen davon.

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Vereinzelt fielen Schneeflocken vom nebelverhangenen Himmel, als an dem kalten Vormittag der Gottesdienst begann. "Braunau ist um einen wertvollen Menschen ärmer geworden", sagte Pfarrer Hofer, der Sebastian als "immer zurückhaltend, sehr höflich und freundlich, zuverlässig und zuvorkommend" beschrieb. Er sei früher ein begeisterter und erfolgreicher Schwimmer und immer ein fleißiger und guter Schüler gewesen. Zuletzt habe der Bursch den L17-Führerschein machen und das Gymnasium abschließen wollen, berichtete der Geistliche.

"Er hat mit seiner sonnigen Ausstrahlung die Klasse erhellt", so zwei Mitschülerinnen. Eines der Mädchen konnte beim Vorlesen des Textes schließlich wie viele Besucher in der Kirche seine Tränen nicht mehr unterdrücken. Man solle sich nicht in Trauer und Schmerz vergraben, sondern sich seinen Mitmenschen zuwenden, betonte Hofer. Schulleiter Florian Kotanko warnte davor, Barrieren von Ängsten aufzubauen. "In den Tränen der Trauer verbirgt sich das Lächeln der Erinnerung."

Unter Schock
Seine Mutter, die seit der Trennung von Sebastians Vater Robert wieder in ihrer Heimat Japan lebt, ist nach der Schreckensnachricht sofort nach OÖ gereist. Auch der ältere Bruder Philipp und die Stiefschwester stehen nach dem ungeklärten Mordfall unter Schock.

Sebastian D. wurde von seinem besten Freund und Banknachbarn getötet. Die beiden hatten am Sonntag gemeinsam gelernt. Ein Streit dürfte eskaliert sein, Ivan D. (17) zückte ein Küchenmesser seiner Großmutter und stach 20 Mal auf Sebastian D. ein. Dann versuchte er, sich selbst das Leben zu nehmen. Die Frage nach dem Warum kann oder will der 17-Jährige bislang nicht beantworten. „Er kann sich an nichts erinnern“, so sein Anwalt Franz Essl aus Salzburg. Ivan litt seit längerem unter Depressionen. Ein möglicher Grund für die Bluttat könnte ein psychotischer Schub gewesen sein.

Lesen Sie auf Seite 2: Das sagt der Anwalt...

 

Anwalt: "Ivan ist ein kranker Junge"

Rechtsanwalt Franz Essl ist überzeugt: Der Grund für die Bluttat ist eine psychische Erkrankung.

"Er schaut einen mit großen, weiten Augen an und kann selbst nicht fassen, was man ihm vorwirft“, berichtet Rechtsanwalt Franz Essl von seinem ersten Treffen mit Ivan D. Der Salzburger wurde von Ivans Eltern mit dem Fall beauftragt und besuchte gestern den 17-Jährigen im Spital in Schärding, wo der Bursche in einer Spezialabteilung für Untersuchungshäftlinge untergebracht ist. Hier ist er nach seiner Selbstverletzung an Bauch und Arm in medizinischer Behandlung.

„Ivan ist ein sehr depressiver junger Mann“, so Essl. Der Anwalt ist überzeugt, dass der Schüler psychisch krank ist. Ivan sei blass, erschöpft und gezeichnet von starken Medikamenten. „Er kann sich an nichts erinnern und ist über sich selbst schockiert.“

Diese Aussage machte Ivan D. bereits auch zwei Mal gegenüber den Ermittlern und der Haftrichterin. Die Polizei und Staatsanwaltschaft sucht indes nach wie vor nach einem Motiv. Ende kommender Woche werden sämtliche Testergebnisse der Blutanalyse durch die Gerichtsmedizin bis hin zur technischen Auswertung seines Handys und PCs erwartet. Indes wurde ein Gutachter beauftragt, Zurechnungsfähigkeit und Hinweise einer Geisteskrankheit zu überprüfen.



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