Gutachten: Kein Gift-Mord im Waldviertel

Krems

Gutachten: Kein Gift-Mord im Waldviertel

Unklar, weshalb der Herzkranke vor Tod seine Medikamente nicht einnahm.

Der Verdacht, ein 85-jähriger Mann könnte Mitte August 2013 in Hadersdorf am Kamp (Bezirk Krems-Land) einem Giftmord zum Opfer gefallen sein, hat sich nicht bewahrheitet. "Es konnte kein Fremdverschulden festgestellt werden", gab Franz Hütter, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Krems, die den verdächtigen Todesfall im Waldviertel untersucht hatte, am Montagnachmittag bekannt.

Der Gerichtsmediziner Christian Reiter sei in einer umfangreichen Expertise zum Schluss gekommen, dass der Mann eines natürlichen Todes starb, erklärte Hütter gegenüber der APA. Todesursächlich war laut Sachverständigem eine Lungenfettembolie als Folge eines Sturzes, bei dem sich der betagte Mann mehrere Rippen brach. Eine seit längerem bestehende schwere Herzerkrankung des Pensionisten löste in weiterer Folge den für das Ableben kausalen Prozess aus. Die Anklagebehörde wird daher das anhängige Verfahren einstellen, kündigte Hütter an.

Gerichtsmediziner: Pensionist starb eines natürlichen Todes
Eine mittlerweile 42 Jahre alte Iranerin, die der Pensionist vier Monate vor seinem Tod als Alleinerbin bestimmt hatte, war unter Verdacht geraten, weil die Familie des Verstorbenen bis zu dessen Ableben nichts von ihr wusste und dieser ihr mehrere Sparbücher und weitere Vermögenswerte von insgesamt 200.000 Euro hinterlassen hatte.

In dem Testament, das der pensionierte Polizist zulasten seiner Nichten abgeändert hatte, bezeichnete er die 42-Jährige explizit als seine Lebensgefährtin. Nach Angaben von Nachbarn soll die Frau den Pensionisten allerdings nur alle zwei bis drei Wochen aufgesucht haben. Außerdem ist sie dem Vernehmen nach in Wien verheiratet.

Mann nahm seine Herzmedikamente nicht
Obwohl in der Causa kein sicheres Fremdverschulden nachweisbar ist, bleiben doch Fragezeichen bestehen. Der 85-Jährige hatte von seiner Hausärztin Herz- und Blutdruck senkende Medikamente verschrieben bekommen, die er an und für sich verlässlich einnahm. Bei der Obduktion der Leiche und den folgenden toxikologischen Untersuchungen konnten allerdings keinerlei Spuren der Medikamente nachgewiesen werden. Ob der Mann auf die Einnahme vergessen oder die Medikamente abgesetzt hatte, wird sich nicht mehr klären lassen. Fest steht, dass die 42-jährige Frau Pharmazie studiert und der Verzicht auf die Medikamente bei dem betagten Mann Schwindelanfälle ausgelöst haben könnte, die eventuell zum letztlich tödlichen Sturz führten.

Der Mann war nach Angaben einer Angehörigen einige Wochen vor seinem Tod erstmals in seiner Wohnung zu Sturz gekommen. Drei Tage vor seinem Tod hatte er sich in der Apotheke noch Medikamente besorgt, diese aber offenbar nicht angerührt. Bei Auffinden der Leiche am 18. August lagen diese noch in einem Sackerl verpackt in der Wohnung.

 



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