Nach Eskalationen: Zittern vor großem Krampuslauf?

Klagenfurt

Nach Eskalationen: Zittern vor großem Krampuslauf?

Verletzte bei Krampusläufen in Kärnten haben in den vergangenen Wochen österreichweit für Aufsehen gesorgt. Am kommenden Samstag findet in Klagenfurt der größte Umzug im Land statt. Wie bei allen größeren Läufen wird das Publikum mit Gittern von den Teilnehmern getrennt werden. "Wir sind verstärkt mit den Veranstaltern in Kontakt", hieß es seitens der Polizei.

Behördensprecher Rainer Dionisio zur APA: "Wichtig ist die Sensibilisierung. Wir machen die Regeln klar, eine Körperverletzung ist eine Körperverletzung." Nach den verschiedenen Vorfällen will die Polizei mehr Präsenz zeigen, so Dionisio. Einsatzleiter Markus Tilli: "Heuer kommt diese Anti-Terror-Komponente hinzu. Deshalb haben wir von ungefähr 30 Beamten im Vorjahr auf 40 aufgestockt." Es seien auch sprengstoffkundige Organe an Ort und Stelle. "Sollte ein verdächtiges Gepäckstück gefunden werden, können wir das sofort untersuchen und müssen nicht auf Spezialisten warten."

Rutenkontrollen

Laut Wolfgang Lattacher vom Brauchtumsverband werden die Ruten im Vorfeld kontrolliert. "Die Ruten sollen buschig sein, das tut nicht so weh." Denn geschlagen und verletzt werden dürfe beim Krampuslauf nicht. Auch auf den Konsum von Alkohol sollen die Teilnehmer des Umzugs verzichten. Erwartet werden rund 1.000 Krampusse mit ihren unterschiedlichen Gruppen, außerdem 40.000 bis 50.000 Zuschauer. Die Strecke ist 1,7 Kilometer lang. Der Klagenfurter Umzug findet heuer zum 26. Mal statt.

Für den Psychologen Kurt Kurnig mache es den Reiz der Krampusläufe für die Zuschauer aus, dass sie dort das Böse erleben und konsumieren können - in einer sehr organisierten Form. "Die Menschen haben eine gewisse Lust an der Angst, das hat man auch beim Hochschaubahnfahren. Manche fahren 150 mit dem Motorrad, manche gehen auf einen Krampuslauf." Dass es dabei zu Gewalt komme, sei sehr selten. "Gewalt ist ein Randphänomen, das hat man aber überall. Gewalt gibt es auch am Fußballplatz." Wenn einzelne Vorfälle medial aufgegriffen werden, entstehe der Eindruck, dass bei den Läufen alle alkoholisierte Gewalttäter seien, eine grobe Verzerrung und Verallgemeinerung, meint Kurnig.

"Ich glaube, es ist ein bisschen ein Hype momentan bei diesen Geschichten", betonte Volkskultur-Experte Heimo Schinnerl. "Es ist halt heute so, dass - auch im privaten Bereich - sofort angezeigt wird." Beim "Klaubaufgehen" in Osttirol gehe es teilweise wirklich brutal zu, meinte Schinnerl. "Da wissen auch die Zuschauer, dass man mit blauen Flecken nach Hause geht."

Provokationen von beiden Seiten

Von der Tradition her gehören die Perchten laut Schinnerl eigentlich in den Jänner. "Mit der Zweiteilung Schön- und Schirchperchten verkörpern sie Winter und Frühjahr. In einem Kampf siegen dann die schönen Perchten, es geht darum, die Winterdämonen zu vertreiben." Hier gebe es aktuell eine Transformation und eine Vermischung mit dem Krampus aus der Vorweihnachtszeit. Zudem würden immer mehr Masken aus der "Hollywood-Welt" - von Aliens bis "Herr der Ringe" - Eingang ins Brauchtum finden.

Die Perchten- und Krampusgruppen stünden in Konkurrenz zueinander und wollten sich präsentieren, so Schinnerl. "Deshalb häuft sich das jetzt, dass vielerorts diese Läufe stattfinden." Zu Provokationen komme es seiner Einschätzung nach von beiden Seiten, also auch von Zuschauern. Teilweise handle es sich aber auch einfach um Unfälle, weil Perchten durch die Masken eben ein eingeschränktes Sichtfeld hätten. Intern seien die Gruppen selbst darauf bedacht, dass bei Auftritten kein Alkohol getrunken wird, auch Verhaltensregeln gebe es. "Viele haben eigene Securities dabei, die aufpassen, dass keine Übergriffe von Besuchern stattfinden." Insgesamt verlaufen die Umzüge in geordneten Bahnen, findet Schinnerl.

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