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Tod am Fußballplatz

Michael starb an einem Aorta-Riss

FC Mölltal gegen SV Greifenburg – so dramatisch kann Fußball sein: Ein Amateurmatch in Kärnten endete am Samstag mit einem einem toten Spieler.

Es war gegen Ende der zweiten Halbzeit am Fußballplatz in Obervellach. Es stand 4:3 für die Gäste. Obwohl es in der Meisterschaft zumindest für die Heimmannschaft um nicht viel ging (die Greifenburger kämpfen gegen den Abstieg), so war es für die Mölltaler doch eine Frage der Ehre, mit einem Remis in die Kabine und in die Winterpause zu gehen.

86. Minute
Der Mittelfeldspieler und Spielmacher des FC Mölltal, Michael Novak, sah die Chance für den Ausgleich – ein Lochpass in den gegnerischen Sechzehner. Wie ein Stürmer rannte der 21-Jährige dem Ball hinterher. Wie die Sprecher beider Mannschaften gegenüber ÖSTERREICH bestätigten, war Goalie ­Kevin L., ein 17-Jähriger Jungstar der Greifenburger, schneller zum Ball hin geschlittert. Während Novak noch am Gras weiterrutschte, hielt der Tormann das Leder bereits fest umklammert.

Genau in dieser Situation passierte das Unbegreifliche: Michael Novak, der an diesem Nachmittag übrigens vor den Augen seiner Eltern spielte, schaffte es nicht mehr, über den am Boden liegenden Goalie Kevin zu springen. Ganz im Gegenteil: Mit vollem Karacho donnerte der 21-Jährige aus Mallnitz gegen die Stoppelschuhe seines Gegenspielers.

Rettungseinsatz. Nach dem Pfiff des Schiedsrichters wurde es auf dem Platz wie auch unter den Zuschauern still: Michael stand nicht mehr auf. Das unterbrochene Match wurde ganz abgebrochen. Die anwesenden Sanitäter und zwei Gemeindeärzte kümmerten sich um den Regungslosen, zwei Rettungshubschrauber (RK 1 aus Fresach und der ÖAMTC-Helikopter Christophorus 7) wurden zu Hilfe gerufen. Fast 50 Minuten kämpften die Helfer um das Leben des jungen Mittelfeldspielers. Auch während des Fluges ins LKH Klagenfurt wurde Michael Novak ständig reanimiert. Doch vergeblich. Kaum im Spital, verstarb der Bursche Samstag am frühen Abend.

Abdrücke
Ein beteiligter Mediziner erklärt gegenüber ÖSTERREICH, woran der Sohn eines Kommunalpolitikers aus Mallnitz genau gestorben war: „Der Aufprall auf den Stollen des Goalies war derart heftig, dass man die Abdrücke noch deutlich auf der Brust des Verletzten sah. Erst die Obduktion wird Genaueres feststellen können, aber so wie es vor Ort aussah, dürfte der Fußballer einen Aorta-Riss im Brustraum erlitten haben. Er verblutete innerlich in den Bauchraum.“

Reaktionen
Michaels Novaks Trainer ist fassungslos: „Wie kann’s so etwas geben? So ein Zweikampf passiert doch in jedem Fußballspiel.“ Der Obmann vom SV Greifenburg, Gerald Waltl: „Eigentlich war es ein Stürmerfoul. Aber das ist jetzt nebensächlich. Unser ganzes Mitgefühl gilt jetzt der Familie vom Michi. Unserem Kevin geht’s aber auch gar nicht gut.“ Der Goalie wird vom Kriseninterventionsteam psychologisch betreut, außerdem erlitt der 17-Jährige offenbar selbst schwere Kreuzband- und Knieverletzungen.

Ermittlungen
Der Klagenfurter Staatsanwalt Helmut Jamnig bestätigt, dass ein ­Ermittlungsverfahren aufgenommen wurde: „Ein Gutachter wird beurteilen, ob die Todesursache im Rahmen ­eines normalen Sportunfalls zu suchen ist oder ob fahrlässige Tötung durch den Goalie vorliegt.“

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