Der Türke, der überdies wegen Betrugsdelikten an weiteren älteren Frauen angeklagt ist - denen er die Liebe vorgaukelte - streitet ab, Friederika S. in einem Seniorenheim in Döbling mit dem Polster getötet zu haben. Sie sei vielmehr an ihren drei Ringen erstickt.
Wien. Im Fall jener am 20. Jänner in einer Seniorenresidenz im 19. Bezirk tot aufgefundenen 87-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes gegen den Verdächtigen Yilmaz C. erhoben. Das bestätigte seine Anwältin, Astrid Wagner, am Dienstagnachmittag. Mitarbeiter des Heimes hatten die Leiche der Frau damals in ihrem Bett entdeckt. Der Ende Jänner festgenommene 61-jährige vorbestrafte Ex-Knacki - der als Real Life-Love Scammer etwa vor zehn Jahren ebendort eine Bewohnerin um 180.000 Euro abgezockt hat, bis diese sogar den Heimplatz verlor - befindet sich seither in Untersuchungshaft.
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Der spielsüchtige Türke, gegen den ein aufrechter, fremdenrechtlicher Festnahmeauftrag mit Ausreiseverpflichtung besteht, zeigt sich auch weiterhin nicht zum Vorwurf des Mordes gegen ihn geständig. Er hatte bereits damals in seiner Einvernahme betont, dass er sich den Tod der Frau nicht erklären könne. "Er hat die Frau nur um Geld angebettelt, aber er hat sie nicht getötet", sagt Wagner. Zuletzt gab er aber zumindest zu, am fraglichen Tag im Zeitraum viertel nach vier bis knapp vor halb sieben in dem Heim im Zimmer von Friederika S. gewesen zu sein, deren Herzschrittmacher um Punkt 18.25 plötzlich stehenblieb.
Yilmaz C. leugnet weiterhin, die auf einen Rollator angewiesene Pensionistin getötet zu haben. Laut Angeklagtem habe er ihr nur aufs Zimmer helfen wollen, wo er dann zufällig sah, dass Bargeld und Schmuck im Nachtkästchen lagen. Als er sie dann fragte, ob er auch ihre drei Ringe haben könne, habe sie die Schmuckstücke geschluckt, um sie nicht herzugeben und sei daran erstickt. Panisch sei er dann geflüchtet.
Verdächtigem droht lebenslang und Einweisung
Der 61-Jährige, für den die Unschuldsvermutung gilt, war von den Ermittlern des Landeskriminalamts ausgeforscht worden. Wie sich herausstellte, war er am 19. Jänner mit einem Blumenstrauß in der Hand in der Seniorenresidenz gesehen worden. Auch Videoaufzeichnungen hatten den Verdacht gegen ihn erhärtet.
Der 61-Jährige ist massiv vorbestraft. Zuletzt war er Anfang Juni 2020 wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil der notorische Heiratsschwindler der Seniorenheim-Bewohnerin Helene T. mit falschen Versprechungen 180.000 Euro herausgelockt hatte. Einer weitere Bekannten hatte er 50.000 Euro abgezockt. Nach seiner Enthaftung dürfte der Mann dem Glücksspiel nachgegangen sein. Und wieder Frauen als "Bargeldautomaten" missbraucht haben. Er soll erhebliche Spielschulden aufweisen.
Laut Gutachter ist Yilmaz C. für die Tat voll zurechnungsfähig, dem aber aufgrund einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und weil weiter mit schweren Delikten zu rechnen ist, neben lebenslanger Haft auch die Einweisung auf die Forensik droht.