Ein neuer Zwischenbericht zur ICE-Panne im Wienerwald-Tunnel westlich von Wien vor rund zehn Monaten legt schonungslos offen, was damals wirklich schiefgelaufen ist – und die Bilanz ist vernichtend!
Rund 400 Passagiere saßen stundenlang ohne Licht und ohne funktionierende Toiletten im dunklen Tunnel fest, weil sich eine Abfolge von Fehlentscheidungen und Kommunikationspannen jagte: Ein erster Rettungsversuch mit einem Ersatzzug scheiterte grandios – weil gleichzeitig der Strom im Tunnel abgedreht war und der Zug schlicht nicht fahren konnte. Allein diese Panne kostete zwei Stunden! Dazu kommt laut Eisenbahnbehörde eine erschreckende Ausbildungslücke beim Zugpersonal: "Es ist durchaus vorgekommen, dass seit der Grundausbildung keine praktische Übung mehr durchgeführt wurde", so Behördenvertreter Michael Luczensky – was die ÖBB zwar bestreiten, der Bericht aber anders sieht.
Besonders brisant
Obwohl 400 Fahrgäste betroffen waren – manche irrten sogar auf eigene Faust durch den dunklen Tunnel und mussten gesucht werden – befragte die Behörde keinen einzigen Passagier! Die meiste Zeit mussten sie übrigens ohne Licht und ohne funktionierende Toiletten im Zug ausharren. Die Aussage, die Reisenden seien ruhig und kooperativ gewesen, stammt also ausschließlich von den ÖBB-Mitarbeitern selbst. Vida-Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit warnt nun unmissverständlich: "Wir möchten nicht in die Situation kommen, dass es tragische Unfälle braucht, um Maßnahmen zu setzen!" Das kuriose Ende der ganzen Geschichte: Abschleppen musste man den Pannenzug am Ende gar nicht – nach der stundenlangen Odyssee sprang er plötzlich ganz von selbst wieder an.