Das Weinviertel – Österreichs "Texas" – könnte bald für eine Energiewende der besonderen Art stehen: Rund 100 der mehr als 4.000 alten Erdöl-Bohrlöcher könnten künftig für Geothermie genutzt werden.
Die Idee dahinter ist simpel: Die Ölproduktion im Weinviertel sinkt stetig, viele Bohrlöcher werden bald stillgelegt. Statt sie einfach aufzugeben, könnten sie umfunktioniert werden – als Wärmetauscher, Wärmespeicher oder zur Stromerzeugung. Das tiefste davon, die Bohrung "Zistersdorf Übertief 2a", reicht sogar 8.566 Meter in die Erde – das ist Österreichrekord. Im Schnitt sind die rund 4.000 Bohrlöcher im Weinviertel 1.500 Meter tief.
Europaweite Untersuchung
Im Rahmen des EU-Projekts TRANSGEO, an dem die GeoSphere Austria maßgeblich beteiligt war, wurden in acht Testregionen in Deutschland, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Österreich über drei Jahre Machbarkeitsstudien durchgeführt. Geologin Monika Hölzel: „Je nach Standort und Tiefe variiert die Wärmeleistung." Mindestvoraussetzung ist ein Bohrloch-Durchmesser von sieben Zoll – knapp 18 Zentimeter.
Dünn besiedeltes östliches Weinviertel
Die teuren Bohrkosten, die im Millionenbereich liegen, fallen dann weg. Der Umbau würde zwischen 300.000 und 500.000 Euro kosten. Der Nachteil im dünn besiedelten östlichen Weinviertel: Die Distanz zu potenziellen Abnehmern darf wegen des Wärmeverlustes nicht zu groß sein.
Aus alten Ölbohrlöchern soll Heizwärme kommen
Politisches Interesse sei laut Hölzel jedenfalls vorhanden. Bleibt abzuwarten, ob sich auch – ähnlich wie bei der aktuellen Debatte um Windräder – Bürgerinitiativen gegen Geothermie aufstellen.