Speichelanalyse

NÖ Unternehmen arbeitet mit deutschem Bundesligisten BVB zusammen

Die 2021 gegründete Biotech-Firma Biolyz aus Tulln hat einen Vertrag mit dem deutschen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund geschlossen. Mit Speicheltests will das Start-up Verletzungen vorbeugen und die Leistung von Profisportlern optimieren. 

Vom Technologiepark Tulln in die Champions League: Das niederösterreichische Startup Biolyz hat sich mit seiner innovativen Speicheltest-Technologie einen Platz in der Spitze des europäischen Fußballs gesichert.

Mit Speichelproben die Gesundheit steuern

Das Unternehmen unterzeichnete kürzlich einen dreijährigen Vertrag mit Borussia Dortmund (BVB), einem der prominentesten Fußballklubs Europas. Sein Heimstadion fasst laut Klubangaben mehr als 81.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, mit mehr als 230.000 Mitgliedern zählt der BVB laut Bundesliga zu den größten Clubs der Welt. 2024 stand der Verein zudem im Finale der UEFA Champions League. Im Hintergrund arbeitet der BVB seit vergangenem Jahr mit einer Technologie aus Niederösterreich. Das Start-up aus Tulln analysiert Speichelproben von Profisportlern und will damit Training, Belastung und Gesundheit besser steuern. Die Wissenschaft sieht darin Potenzial, weist aber auch auf Grenzen und sensible Fragen rund um Gesundheitsdaten hin. 

Die Speichelproben im Labor von Biolyz. 

Die Speichelproben im Labor von Biolyz. 

© Biolyz

Keine Blutproben mehr

„Wir machen Data-Science-gestützte Analysen von Biomarkern zur Performanceoptimierung im Profisport“, erklärt Marlon Millard, Gründer und Geschäftsführer von Biolyz. Statt Blut wird Speichel der Sportler analysiert, um daraus Gesundheitsparameter zu extrahieren. „Wir geben den Sportlern Empfehlungen, damit sie sich weniger verletzen und ihre Performance optimieren können.“ Biomarker sind messbare Werte aus dem Körper, die Hinweise auf Prozesse wie Stoffwechsel, Stressreaktionen oder Entzündungen geben können. Im Sport werden dafür häufig Blutwerte herangezogen. Speichel ist zwar einfacher zu bekommen, aber als Probe auch anfälliger für Einflüsse wie Essen, Trinken oder Mundhygiene. Die Technologie ermögliche es, über 100 Biomarker täglich zu messen. Das sei ein Novum in der Sportwissenschaft, sagt Millard: „Durch dieses hochfrequente Testen schaffen wir es, für eine ganz große Palette von Biomarkern individuelle Referenzwerte zu erstellen.“ Philipp Zimmer, Leiter des Arbeitsbereichs Sportmedizin an der TU Dortmund, der das Projekt wissenschaftlich begleitet, spricht von „personalisierter Medizin“.

Marlon Millard, Gründer und Geschäftsführer von Biolyz. 

Marlon Millard, Gründer und Geschäftsführer von Biolyz. 

© Biolyz

Inzwischen 20 Angestellten

Die Entscheidung, den Firmensitz in Tulln zu etablieren, fiel Millard nicht schwer: „Hier im Technologiepark hat sich das recht gut ergeben, vor allem wegen der Laborflächen, was in Österreich relativ schwierig ist.“ Mittlerweile beschäftigt das Start-up etwa 20 Mitarbeiter, 15 davon in Österreich. Nach einer einjährigen Testphase konnte das Tullner Unternehmen den deutschen Spitzenclub von seiner Technologie überzeugen. „Die Testungen haben uns gerade in der intensiven Rückrunde geholfen, die körperlichen Reaktionen auf die Beanspruchung unserer Spieler besser zu verstehen“, wird Markus Braun, Teamarzt von Borussia Dortmund, in einem Artikel der „New York Times“ zitiert. Auch Sportdirektor Sebastian Kehl lobt in einem „Kicker“-Artikel die Zusammenarbeit mit dem Tullner Start-up: „Im Zusammenspiel mit unserer medizinischen Abteilung, der Athletik und den Sportwissenschaften hat auch Biolyz einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass wir die Steuerung unserer Spieler nachhaltig verbessern konnten und heute mit sehr viel weniger Verletzten dastehen.“

Großes Interesse

Für die Zukunft hat das Tullner Start-up große Pläne. „Wir sind in der deutschen Bundesliga sehr umtriebig und haben Gespräche mit gefühlt der halben Liga", verrät Gründer Millard. Der nächste Schritt soll das Unternehmen in die englische Premier League führen. Auch eine Ausweitung auf andere Sportarten ist geplant. Langfristig sieht Millard noch größeres Potenzial: „Wir möchten einer möglichst breiten Masse anbieten, dass sie diese Technologie nutzen kann. Langfristig will die Company auch in den medizinischen Bereich gehen." Zimmer sieht in der Technologie ebenfalls Chancen über den Spitzensport hinaus: „Für mich ist der Leistungsfußball im Moment eigentlich eine Art Inkubator. Hier kann man Erkenntnisse gewinnen, die man früher oder später mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit auch auf klinische Populationen übertragen kann."

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