Effektiv

Notruf NÖ möchte digital vor ambulant vor stationär

Notruf NÖ zieht Bilanz über 2025: Durch die enge Vernetzung von Notruf, Gesundheitsberatung, Rettungsdienst, telemedizinischer Unterstützung sowie mobilen und psychosozialen Diensten werde eine gezielte, effiziente und qualitätsgesicherte Patientenversorgung rund um die Uhr sichergestellt.

Mit insgesamt 1.688.602 Kontakten im Jahr 2025 – davon rund 1,3 Millionen Telefonaten und knapp 383.000 Online-Kontakten über Chatservices, elektronische Transportanmeldungen und Schnittstellen – zeigt sich deutlich der Wandel hin zu einer zunehmend digitalen Gesundheitskommunikation. 

Moderne Technik und Resilienz als Grundlage

Josef Schmoll, Geschäftsführer von Notruf Niederösterreich, betont die Dimension der technischen Weiterentwicklung: „Eine moderne Gesundheitsleitstelle muss 24 Stunden am Tag stabil, sicher und leistungsfähig sein. Deshalb haben wir 2025 unsere gesamte IT- und Leitstelleninfrastruktur grundlegend erneuert: Die komplette Serverlandschaft wurde modernisiert und virtualisiert, Telefonie, Netzwerk und Funk an allen Dispositionsplätzen auf den neuesten Stand gebracht und sämtliche Arbeitsplatz- und Serversysteme aktualisiert. Das Ergebnis ist messbar: 1.688.602 Kontakte wurden 2025 bei Notruf Niederösterreich bearbeitet – davon rund 1,3 Millionen telefonisch und knapp 383.000 über digitale Kanäle wie Chatservices, elektronische Transportanmeldungen oder Schnittstellen zu anderen Leitstellen. Gleichzeitig haben wir unsere Blackout-Resilienz weiter erhöht: Redundante Kommunikationswege über Satellit, Pager und Funk sowie unsere mobile Leitstelle LeoMobil stellen sicher, dass wir auch bei großflächigen Ausfällen handlungsfähig bleiben. Allein im Jahr 2025 wurde LeoMobil zur Unterstützung des Rettungsdienstes bei 27 Großeinsätzen eingesetzt“, so Schmoll.

Gezielte Patientensteuerung 

Christian Fohringer, Geschäftsführer von Notruf Niederösterreich, sieht in der Patientensteuerung einen zentralen Hebel für die Zukunft des Gesundheitssystems: „Nicht jeder Anruf braucht ein Krankenhaus – aber jeder Mensch braucht die richtige Versorgung. Genau hier setzt unsere Arbeit an. Patientensteuerung beginnt heute bereits am Telefon. Mithilfe international anerkannter Triage-Algorithmen und qualitätsgesicherter Prozesse entscheiden wir frühzeitig, welche Versorgung notwendig ist.“ Ein zentrales Element sind die Leitstellenärzte, die seit 2025 rund um die Uhr im Einsatz sind. „Im Jahr 2025 wurden 4.180 Einsätze durch Leitstellenärzte begleitet – von der Unterstützung des Rettungsdienstes über telemedizinische Beratung bis hin zu Spezialprozessen wie telemedizinischen Todesfeststellungen. Diese 24/7-Ressource sorgt für hohe medizinische Qualität und schont gleichzeitig knappe Ressourcen.“ Besonders deutlich zeigt sich der Effekt bei den Acute Community Nurses (ACN): „2025 waren alle ACN-Standorte im Vollbetrieb. In Niederösterreich wurden knapp 13.000 ACN-Interventionen durchgeführt. Nur bei 4.953 Personen – also rund einem Drittel – war eine Hospitalisierung notwendig. Das bedeutet: Rund 20 Menschen pro Tag mussten nach einer ACN-Versorgung nicht ins Krankenhaus. Zwei Drittel konnten sicher zu Hause versorgt werden.“

Präklinisches Rückgrat 

Auch die Nachfrage nach Gesundheitsberatung steigt weiter: „Die Zahl der Gesundheitsberatungen stieg 2025 um sieben Prozent auf knapp 100.000 Kontakte. Ergänzt durch neue Rollen wie die Desk Nurse und das Projekt ‚Frequent User‘ gelingt es, insbesondere Menschen mit hohem Versorgungsbedarf systematisch und patientenzentriert zu betreuen“, so Fohringer. Landesrätin Eva Prischl (SPÖ) unterstreicht die Bedeutung für die Bevölkerung: „Notruf NÖ ist das Rückgrat der präklinischen Versorgung in unserem Bundesland. Rund um die Uhr steht der Bevölkerung eine stabile, qualitätsgesicherte Anlaufstelle zur Verfügung – unabhängig vom Wohnort. Eine moderne Gesundheitsleitstelle ist heute weit mehr als eine Notrufannahme. Sie ist ein zentraler Baustein für Patientensicherheit, gezielte Ressourcensteuerung und die Entlastung unserer Spitäler.“ Die Qualität basiert auch auf intensiver Aus- und Weiterbildung: „2025 wurden rund 15.000 Ausbildungsstunden für 153 Mitarbeitende aufgewendet, zusätzlich nahmen 523 Mitarbeitende an Fortbildungen im Ausmaß von rund 3.000 Stunden teil. Dadurch konnten etwa 20.000 Anrufe, bei denen ursprünglich der Rettungsnotruf gewählt wurde, in gezielte Gesundheitsberatungen überführt werden. Das verhindert unnötige Hospitalisierungen und entlastet das System spürbar.“

Notruf NÖ hebt Gesundheitspläne in gelebte Versorgung 

Landesrat und NÖGUS Vorsitzender Martin Antauer (FPÖ) verweist auf den strategischen Rahmen: „Der demografische Wandel, wachsende Ballungsräume und ein massiver Personalmangel machen klar: Weiter wie bisher geht nicht. Mit dem Gesundheitsplan 2040+ und dem Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030 haben wir den Rahmen geschaffen. Organisationen wie Notruf NÖ füllen diese Pläne mit Leben.“ Besonders die Bündelung zentraler Leistungen sei entscheidend: „Notruf NÖ vereint heute unter einem Dach den Notruf, die Rettungsdisposition, die Gesundheitsberatung 1450, den Ärztedienst 141, die Acute Community Nurses und das AKUTteam NÖ. Diese Struktur setzt den Grundsatz‚ digital vor ambulant vor stationär‘ konsequent um und sorgt dafür, dass Patienten ohne Umwege die richtige Hilfe erhalten.“

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