In Gresten fehlt seit einem Jahrzehnt schon eine zweite Kassenstelle, eine Entlastung für den einzigen Arzt im Ort ist nicht in Sicht. Der Fall zeigt exemplarisch, wie angespannt die Lage im Gesundheitssystem hierzulande ist.
In Gresten (Bezirk Scheibbs) sind prinzipiell zwei Kassenärzte vorgesehen. Doch eine Stelle ist seit mehr als zehn Jahren nicht besetzt - so lange wie nirgendwo sonst in Österreich. Für den einzigen Arzt im Ort stellt dieser Umstand eine Dauerbelastung dar. Die Folge: volle Wartezimmer, wenige Pausen und kaum Spielraum für längere Auszeiten. Selbst kurze Arztgespräche müssen streng getaktet werden, um den Andrang überhaupt bewältigen zu können. Ein Urlaub ist so gut wie unmöglich.
Das eigentliche Problem reicht aber weit über die Gemeindegrenze hinaus. In Niederösterreich sind aktuell rund 15 Prozent aller Kassenstellen für Allgemeinmediziner unbesetzt - eine alarmierende Zahl.
Für Abhilfe sollen Primärversorgungszentren sorgen. In diesen Einrichtungen arbeiten mehrere Ärzte gemeinsam und teilen sich die Betreuung der Patienten. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) plant, rund 500 Millionen Euro in den Ausbau zu investieren. Damit soll gewährleistet werden, dass mehr Mediziner ins Kassensystem geholt werden, um die Versorgung langfristig zu stabilisieren.