Die Bande ging brutal gegen Wohnungslose, Suchtkranke und vermeintlich Pädophile vor.
Wien. Am Wiener Landesgericht hat am Mittwoch ein Prozess gegen acht Burschen im Alter von 14 bis 19 begonnen, die zwischen Ende Juni und Ende August 2025 in einer Vielzahl von Fällen mit äußerster Gewalt und getragen von Sadismus und völliger Empathielosigkeit gegen Wohnungslose, Suchtkranke und vermeintliche Pädophile vorgegangen waren. Selbst gleichaltrige ehemalige Freunde wurden teilweise spitalsreif geschlagen und getreten.
Den jungen Angeklagten wurde am Mittwoch der Prozess gemacht.
Neben den acht Burschen sitzt auch die 15 Jahre alte Freundin des Hauptangeklagten - ein 16 Jahre alter gebürtiger Rumäne - auf der Anklagebank. Die Wienerin diente als Lockvogel, indem sie sich auf Snapchat als jüngeres Mädchen ausgab und vermeintlich Pädophile zu einem Treffen bewog, bei dem die Opfer dann von einigen Angeklagten erwartet und brutal zusammengeschlagen wurden. Die Misshandlungen wurden gefilmt und über soziale Medien verbreitet.
Staatsanwältin ortete "Selbstjustiz"
Drei Fälle von so genanntem Pedohunting waren von der Anklage umfasst. Zwei Betroffenen wurde nicht nur Gewalt angetan, ihnen wurden auch ihre Wertsachen abgenommen, was die Staatsanwältin jeweils als schweren Raub qualifiziert. Es gebe "überhaupt keinen Anhaltspunkt", dass es sich bei den drei Opfern um junge Männer mit einer pädophilen Störung gehandelt habe, betonte die Staatsanwältin. Die Angeklagten hätten ihren Opfern einen "unmoralischen bzw. unredlichen Lebenswandel" unterstellt. Es sei ihnen darum gegangen, diese "in Form von Selbstjustiz" zu bestrafen. Allen acht Burschen sei ungeachtet ihrer bisherigen Unbescholtenheit - lediglich der Älteste weist eine Vorstrafe auf - "ein enormes Aggressionspotenzial" eigen.
Den jungen Angeklagten wurde am Mittwoch der Prozess gemacht.
Kennen gelernt hatten sich die Beschuldigten, die allesamt noch bei ihren Eltern wohnten und die Schule - wenn auch selten - besuchten, in Parks und über Freunde. "Aufgrund von Perspektivlosigkeit und Langeweile" wurden sie zu Gewalttätern, führte die Staatsanwältin aus, wobei der Hauptangeklagte im inkriminierten Tatzeitraum beinahe täglich gegen meist wehrlose Opfer vorging, die er am Westbahnhof oder anderen Orten, die von Wohnungslosen und Suchtkranken frequentiert werden, antraf.
Clips gingen im Internet viral
In unterschiedlicher Zusammensetzung begleiteten ihn die anderen Angeklagten, wobei zumindest einer stets filmte. Diese - meistens aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommenen - Clips landeten dann auf diversen Plattformen und fanden rasch Verbreitung. Der 16-jährige Rumäne brüstete sich auch mit seinen Taten. Seit Ende August sitzen er und drei weitere Angeklagte wegen Tatbegehungsgefahr in U-Haft. Etliche Opfer konnten gar nicht ausgeforscht werden, da Suchtkranke und Wohnungslose den Weg zur Polizei scheuen.
Die Anklage legt den insgesamt neun Beschuldigten "das halbe Strafgesetzbuch" zur Last, wie die Staatsanwältin sagte. Neben Fällen von schwerer Körperverletzung, etlichen absichtlich schweren Körperverletzungen wird einem 16-Jährigen sogar versuchter Mord angekreidet, weil er ein Opfer mittels eines Armstreckhebels derart heftig würgte, dass der Betroffene das Bewusstsein verlor und reglos wegsackte.
Die Verhandlung ist vorerst auf zwei Tage anberaumt. Am 2. April wird weiterverhandelt. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.