Auf der Flucht

Postraub-Bande geschnappt - einer noch flüchtig

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Postraub-Bande geschnappt. Ein Mitttäter ist noch auf der Flucht.

Die Polizei hofft, mit der Zerschlagung einer professionellen Räuberbande dem explosionsartigen Anstieg von Überfällen auf Wiener Postämter ein Ende gesetzt zu haben. Vier Überfälle seien der mehrköpfigen Gang "eindeutig nachgewiesen", insgesamt wird den Verdächtigen aber ein ganzes Dutzend einschlägiger Straftaten zugeschrieben, sagten Ermittler am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Seit Jahresbeginn sind in Wien schon 21 Überfälle auf Postämter und Banken begangen worden, sechs Fälle gelten bisher als geklärt. Im Vergleichszeitraum 2011 hatte es nur zwölf Überfälle (davon sieben geklärt) gegeben, im ganzen vergangenen Jahr waren es 47 Überfälle. "Wir nehmen schon an, dass es jetzt wieder eine Zeitlang ruhiger wird", sagte Michael Braunsperger von der Kriminalpolizeilichen Abteilung über den jüngsten Ermittlungserfolg.

Drei Verdächtige, darunter der in Wien lebende 23-jährige Drahtzieher, sind in Haft, nach einem namentlich bekannten Komplizen wird gefahndet, so Michael Mimra vom Landeskriminalamt Wien. Der Gesuchte (29) wird in Serbien vermutet, wo laut Polizei alle Bandenmitglieder ihre Wurzeln haben, und soll mit dem Großteil der Beute untergetaucht sein. Nach ihm wird international gefahndet. Sachdienliche Hinweise werden an das Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer 01-31310/33800 (Journaldienst) erbeten.

Insgesamt dürften der Organisation sechs bis sieben Männer angehört haben, die abwechselnd bei den Überfällen dabei waren. Nie in den Postämtern in Erscheinung getreten ist nur der Bandenchef: Der 23-Jährige habe organisiert sowie Waffen und Sturmhauben zur Verfügung gestellt, aber selbst keine Überfälle begangen, weil er bereits einschlägig vorbestraft sei, berichtete Robert Klug, oberster Raubermittler im Landeskriminalamt. Bei den festgenommenen Komplizen handelt es sich um einen 42-jährigen in Österreich ansässigen, verheirateten, arbeitslosen Familienvater sowie um einen 29-Jährigen, der für Überfälle aus Serbien ein- und anschließend wieder ausgereist sei.

Als geklärt wurden folgende Postamtsüberfälle präsentiert: 19. März und 25. April 2012 (Gymnasiumstraße 26 in Währing), 18. April 2012 (Kuefsteingasse 37 in Penzing) und 16. Mai (Baumgartenstraße 37 in Penzing). Beim Postamt Gymnasiumstraße hatten die beiden Täter einen nach dem ersten Überfall dort postierten Security-Mitarbeiter mit Pfefferspray überwältigt.

Die Ermittler unter der Leitung von Franz Kampner sind überzeugt, diese vier Straftaten mit Hilfe von DNA-Spuren und Rufdatenrückerfassung nachweisen zu können. Außerdem liegt von einem Verdächtigen ein Geständnis vor. Der Drahtzieher hingegen schweige, so Klug. "Wir ermitteln noch in mindestens acht weiteren Fällen", sagte Mimra.

Entscheidend für die Klärung der Raubserie war, dass zwei Verdächtige beim Ausspionieren eines Tatorts beobachtet und von der Sektorstreife des Bezirks Landstraße kontrolliert worden waren. Nach dem Überfall in Penzing am 16. Mai wurden daraufhin die drei Räuber auf der Flucht observiert. Weil das Trio nur geringe Beute gemacht hatte und quer durch Wien fuhr, gingen die Kriminalisten davon aus, dass ein weiterer Überfall bevorstehe. In der Nähe einer Bank in der Leopoldstadt klickten die Handschellen - etwa zwei Stunden nach dem Raub in der Baumgartenstraße. Im Fahrzeug fand sich die Waffe - eine Gaspistole mit Patronen -, die schwarze Sturmhaube sowie Einweghandschuhe, die bei den Überfällen verwendet worden waren.

Die Österreichische Post hat wegen der stark gestiegenen Anzahl an Überfällen jüngst die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal erhöht. Die Videoüberwachung soll ausgebaut und vermehrt Sicherheitspersonal eingesetzt werden, außerdem wurden die Bargeldsummen in den Ämtern reduziert, hatte Postchef Georg Pölzl vergangene Woche betont. Die meisten Überfälle auf Wiener Postämter und Banken, nämlich 77, hatte es im Jahr 2007 gegeben. Die wenigsten - 24 Überfälle - wurden 1999 begangen.

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