Rotlicht-
König als Comedian

Prozess

Rotlicht-
König als Comedian

Angeklagter Richard St.: „Ich habe für Ethik am Gürtel gesorgt“.

Es ist der Stoff, aus dem Drehbücher entstehen. Der Angeklagte Richard St. regierte 13 Jahre lang das Wiener Rotlichtmilieu am Gürtel. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm eine Liste an Delikten vor: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, schwere Nötigung, schwere Körperverletzung, betrügerische Krida, Freiheitsentziehung.

Vor Gericht versuchte sich Richard St. in der Schönfärberei – und das mit pointenreichen Sagern über seine „ethischen Ansprüche“: Sein Verdienst wäre es, dass der Gürtel 13 Jahre lang frei von Bandenkriegen, Drogen und Waffen war. Wer dem „Nokia-Club“ 300 bis 700 Euro im Monat zahlte, stand unter Richard St.s Schutz. Dafür holte er acht Profis aus dem Ausland. Sie kassierten im Monat 2.500 Euro. „Es gab eine Prämie von 500 Euro, wenn nichts passierte.“

Best-of: Hier die skurrilsten Passagen aus dem Prozess:

  • Über Zuhälter, die Prostituierte geschlagen haben: „Der Versace (Anmerk. d. Red.: Pseudonym des Zuhälters) hat einen Tritt in den Hintern bekommen und wurde vor seinen Mädchen bespuckt. Damit alle sehen, was er für ein Mensch ist.“
  • Über Zuhälter „Versace“: „Ich habe ihm den Handschlag verweigert, weil ich ihn als nicht seriös eingeschätzt habe. Das war ein Angeber-Strizzi, der is’ mit einem halben Kilo Gold umadum­g’rennt, das war so ein Typ, wie wir ihn nicht wollten.“
  • Über Moral in der Rotlichtszene: „Ich habe am Gürtel 13 Jahre lang für absolute Ethik gesorgt, jetzt will man aus mir ein Monster machen. In dieser Zeit gab keinen Schwerverletzten. Es wurden 700 Razzien durchgeführt und keine Drogen oder Waffen gefunden. Das spricht für mich. Mein Gebot war immer: keine Waffen, keine Drogen. Dann wurde ein Lokal von uns beschützt. Durch meinen Idealismus habe ich mir auch viel Geschäft kaputtgemacht.“
  • Über den Buttersäureanschlag als Racheakt: „Der Anschlag ist eine Schande für uns. Es zeigt, dass wir Dilettanten waren, was Verbrechen anbelangt.“
  • Über Erpressungen und Gewaltandrohungen: „Das sind alles Science-Fiction-Geschichten. Ein gutes Gewissen ist das beste Mittel gegen Angst.“
  • Über seine Wandlung: „Früher war ich kein Stoiker. Das wurde ich dank der Frau Staatsanwalt.“

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