Frau (78) getötet: Nachbarn unter Schock

"Alles voller Polizeiautos"

Frau (78) getötet: Nachbarn unter Schock

Der Tatort der neuerlichen Bluttat befindet sich in einem idyllischen Landwirtschafts- und Wandergebiet.

Die südwestlich von Graz gelegene Mantscha und der gleichnamige Ort sind ein beliebtes Wandergebiet - Buschenschenken und Ausflugsgasthäuser gibt es hier, Wanderwege führen vom Grazer Stadtrand und von Seiersberg-Pirka über Hügel und durch Wälder. An diesem eiskalten Montag jedoch ist die Gegend ein Tatort - eine Frau (78) wurde tot in ihrem Bett gefunden, Ehemann und Enkel wurden festgenommen.

Das landwirtschaftlich geprägte Gebiet mit vielen Obstbäumen, Waldstücken und Gehöften wirkt im Sommer sehr idyllisch, nun aber unwirtlich - minus sieben Grad Celsius herrschen hier über der dicken Schneedecke. Der Himmel ist bedeckt. Von der Mantschastraße im nördlichen Ortsteil führt ein kleiner Zufahrtsweg zum einstöckigen Einfamilienhaus des älteren Ehepaares, in dessen Räumen sich am Montag in der Früh offenbar eine Tragödie abgespielt hat. Das Haus ist gepflegt, jahreszeitlich geschmückt und verschneit, unter dem Flugdach steht der Pkw des Ehepaares, davor ein Wagen der Spurensicherung der Kriminalisten aus Graz. Die Vorhänge sind zugezogen, drinnen arbeiten die Spurensicherer

"Alles voller Polizeiautos"

Ein Nachbar mit dicker Jacke und Haube fährt die Gasse entlang und steigt aus: "Es war alles voller Polizeiautos, als ich gekommen bin", sagt er zu den wartenden Journalisten. Etwas später habe er gesehen, wie der Enkel in Handschellen abgeführt worden sei. Über den Großvater (75) spricht er nur Gutes: "Ein fröhlicher, lockerer Mensch. Aber in letzter Zeit war er schon etwas kränklich." Über den Neffen kann er nichts sagen. Andere Nachbarn meinen, der junge Mann aus Leoben hätte seine Großeltern öfters besucht. Von Streitereien will niemand etwas bemerkt haben.

© APA/ELMAR GUBISCH

Eine weitere Nachbarin fährt in einem weißen Wagen langsam die Zufahrtsstraße entlang: Als sie erfährt, was hier am frühen Vormittag geschehen ist, legt sie erschrocken und fassungslos die Hand auf den Mund, bevor sie das Auto weiterrollen lässt. Gleichzeitig nehmen normale Geschehnisse ihren Lauf - ein Zusteller von Produkten einer Reinigungsmittelfirma fährt heran, merkt, dass hier Ungewöhnliches geschehen ist, liefert schnell ein Paket im Nachbarhaus ab und verschwindet wieder. Wenig später treffen der Staatsanwalt und weitere Männer des Landeskriminalamtes und der Spurensicherung ein.

Erinnerung an Bluttat von Stiwoll

Obwohl der Tathergang noch nicht klar ist, werden unweigerlich Erinnerungen an die Bluttat von Stiwoll vom Ende Oktober 2017 wach. Vor knapp vier Monaten hatte hier Friedrich F. zwei Nachbarn mit einem Gewehr erschossen und eine weitere schwer verletzt. Der damalige Täter ist seither spurlos verschwunden. Stiwoll ist von Mantscha gerade einmal zehn Kilometer Luftlinie entfernt.
 

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