Umsatz soll bis 2035 fast verdoppelt werden.
Graz. Der neue Geschäftsführer der Messe Congress Graz (MCG), Martin Ullrich, hat am Mittwoch die strukturellen Änderungen und Pläne für die kommenden zehn Jahre und darüber hinaus offengelegt. Neue Investitionen, Pausen und Relaunches für manche Messen und ein geplanter Neubau an der Stelle der maroden Halle C stehen an. Damit will sich MCG wieder in die schwarzen Zahlen hineininvestieren. Neue Verkaufswege und Vermietungen sind laut dem neuen Businessplan ebenfalls angedacht.
Ullrich zeichnete ein tristes Bild der Ausgangslage: Im Geschäft mit den Messen sei seit der Jahrtausendwende zunehmend zu kämpfen gewesen, besonders seit 2010. Sowohl Umsätze als auch Deckungsbeiträge waren rückläufig. In den Jahresumsätzen sei das kaum aufgefallen, da das Geschäft mit Kongressen und Events besonders nach dem Bau der Stadthalle stetig gewachsen sei, allerdings auch 2018/2019 an einen Deckel gestoßen sei. Das Geschäftsfeld der Messe wurde klar überholt. Seit der Pandemie stagniere aber auch das Kongressgeschäft, besonders weil Personal- und Energiekosten gestiegen sind.
Bankkredite umgeschuldet
Die bisherige Finanzierungsvereinbarung mit dem Eigentümer, der Stadt Graz, sei eine Unterfinanzierung gewesen. Rund 2 Mio. Euro Zuschuss pro Jahr hätten nicht ausgereicht, so Ullrich. Weitere Zuschüsse sowie Verkäufe und auch Bankkredite in der Höhe von rund 20 Mio. Euro (Stand Ende 2025) seien nötig gewesen. Nun soll der Investitionsrückstand aufgeholt werden. Die Verbindlichkeiten seien umgeschuldet worden und erst in zehn Jahren müssen erste Zahlungen bei diesen Bankverbindlichkeiten geleistet werden. Die Zinsen übernehme bis dahin die Stadt, skizzierte Ullrich.
Die "Abwärtsfahrt" soll mit dem Businessplan, in den Potenzial- und Marktanalysen eingeflossen seien, eine Trendumkehr bringen, ist der Geschäftsführer zuversichtlich. Mittelfristiges Ziel sei ein positiver Cashflow. Derzeit liege dieser mit etwa 6,5 Mio. Euro im Minus. Ab 2032 soll der operative Cashflow nachhaltig positiv sein. Der Umsatz von aktuell rund 12,5 Mio. Euro soll sich bis 2035 auf etwa 22 Mio. Euro fast verdoppeln.
Neuer Saal statt Halle C
In Planung ist auch eine neue Halle, deren Arbeitstitel "Steiermarkhalle" sei. Sie wird teilweise an die gleiche Stelle gebaut, wo derzeit die marode Halle C steht. Diese Halle wird abgerissen, dafür soll ein moderner Kongresssaal mit direktem Anschluss an die Stadthalle und eigenem Foyer gebaut werden. Grob geschätzt kostet der Bau rund 16 Mio. Euro, die Ausstattung dürfte sich mit weiteren 9 Mio. Euro zu Buche schlagen.
Wann genau die insgesamt 25 Mio. Euro in die Hand genommen werden, sei noch unklar, so Ullrich. Er hoffe darauf, dass die neue Halle 2029 bespielt werden kann. Der Saal sei eine Erweiterung des Kongresszentrums und werde eine Theaterbestuhlung und fix eingebaute Technik aufweisen. Zeitaufwendige Umbauten sollen dann nicht mehr nötig sein. Es handle sich um einen Saal, wie ihn sonst momentan niemand in Graz anbieten könne, versicherte Ullrich. Und er werde auch für Messen genutzt werden.
Teilweise Vermietung des Messeturms
Der neue Geschäftsführer will künftig auch die Veranstaltungstechnik ausbauen und in diesem Zusammenhang auch den Verkauf ankurbeln. Weiter sollen im Messeturm Umbauarbeiten stattfinden, damit mehrere Stockwerke vermietet werden können. Der fünfte Stock beispielsweise sei bereits vergeben. Mit der teilweisen Vermietung des Turms sollen weitere Einnahmen lukriert werden. In die Halle D, die ähnlich wie die Halle C ebenfalls nicht mehr für den Messebetrieb geeignet ist, ziehe ein Padel-Tennis-Zentrum ein.
Bei den Messen will sich Ullrich künftig auf jene konzentrieren, die stabiles Geschäft bringen. Er nannte beispielsweise die Häuslbauermesse, die MotionExpo, die Gründermesse und die Herbstmesse. Die Frühjahrsmesse dagegen werde nun eine Pause einlegen - voraussichtlich bis 2029. Ein Relaunch erfolge. Dabei werde auch der Termin Anfang Mai überdacht, denn dieser sei wegen des Klimawandels für eine Frühjahrsmesse nicht mehr angebracht, gab Ullrich zu bedenken. Die Beautymesse setze 2026 ebenfalls aus, soll aber schon 2027 wieder stattfinden.