ÖBB & Landespolitik

Koralmbahn: Diskussion über Direktanbindung von Grazer Flughafen

Es gehe auch darum, noch mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. 

Stmk./Ktn. Dranbleiben an Investitionen in die Infrastruktur heiße es nach dem Auftakterfolg der Koralmbahn Mitte Dezember 2025. In dieser Forderung nach weiteren Verbesserungen waren sich alle Teilnehmer einer Dialogveranstaltung am Mittwoch samt Pressegespräch - ÖBB-Chef Andreas Matthä, Steiermarks Verkehrslandesrätin Claudia Holzer (FPÖ), IV-Präsident Kurt Maier - einig. In der Frage der Direktanbindung des Flughafens Graz an die Koralmbahn gab es aber unterschiedliche Vorstellungen.

Holzer zog nach rund 100 Tagen des Betriebs der Koralmbahn am Mittwoch in Graz eine Bilanz. Die Verbindung Graz-Klagenfurt sei in vielen Bereichen angenommen worden, auch kulturell, auch in Hinsicht auf die Erreichbarkeit von Unis und FH auf beiden Seiten der Koralm. "Erreichbarkeit ist ein wesentlicher Standortfaktor, und zur Absicherung brauchen wir die Schieneninfrastruktur, die gezielt und laufend weiterentwickelt werden muss", sagte Holzer bei dem Pressegespräch am Gelände der Siemens Mobility Group in Graz.

Es gehe auch darum, noch mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern. Außerdem wolle man sich weiter für Ende des Stückelungsverbots - der Koralmtunnel ist für Besitzer eines Klimatickets für beide Bundesländer tariflich nicht erfasst - und für eine Flughafen Graz-Haltestelle der Koralmbahn weiter einsetzen, so Holzer. Im ersten Fall wollen die Länder die Kosten für die Strecke im Berg nicht übernehmen, ebenso wenig die ÖBB.

Logistikstandort und Bahnausbau in Slowenien

Nichtsdestoweniger sind für Holzer große Schritte gemacht. Rund 90 Prozent der Bahn- bzw. rund 60 Prozent der Busfahrpläne sind mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn umgestellt. Dadurch werde es nicht mehr so große Umstellungen geben, wenn erst der Semmeringbasistunnel 2029/30 eröffnet werde. Eines der Kernstücke der Koralmbahn ist das Cargo Center Graz bei Werndorf, mit rund 40 Unternehmen und rund 1.500 Beschäftigten, sagte Holzer. Es sei dies der größte Logistikstandort in Österreich und der achtgrößte in Europa.

Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen dem slowenischen Adriahafen Koper bis Divača und die Ausbauten in Rijeka und Triest seien der nächste Meilenstein im Güterverkehr, die Inbetriebnahme des Semmeringbasistunnels 2029/30 werde einen weiteren Schub geben. Ferner müsse es Ziel bis spätestens 2036 sein, zweigleisig zwischen Graz und Bruck/Mur zu fahren. "Die Arbeit geht uns nicht aus", resümierte Holzer.

Mehr Güter auf die Bahn bekommen

Für den steirischen IV-Präsidenten Kurt Maier ist die Infrastruktur ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor des Industrielands Steiermark. Man sei weit abgeschlagen gegenüber anderen Regionen mit zentraleren Lagen gewesen, das ändere sich mit den beiden Tunnels. Die Steiermark werde oft nur in Zusammenhang mit dem Autocluster gebracht, sei aber ein "Mobilitätsland". "Alleine Siemens ist ein Vorzeigeunternehmen für Mobility und Wertschöpfung." Man müsse wichtige Güterknoten weiterentwickeln.

Mehr Güter auf die Bahn zu bekommen, sei aber auch eine Frage der Kapazitäten. "Leider ist die Fracht mit dem Lkw teilweise immer noch günstiger und flexibler zu fahren", so Maier, der das Thema mehr Umschlagterminals und leistungsfähigere Strecken ins Spiel brachte. Beim Thema Haltestelle Grazer Flughafen nicht nur für S-Bahnen, sondern auch für die Koralmbahn (KAB) war er einer Meinung mit Holzer. Der Airport wäre bei einer direkten Anfahrt der KAB eine intermodale Drehscheibe. Er hoffe, dass nicht durch Wechsel an der Spitze in Ministerien Projekte verschoben oder abgesagt würden. "Die Industrie braucht Planungssicherheit", so Maier.

"Mit Semmeringtunnel großer Sprung vorwärts"

ÖBB-Chef Andreas Matthä sprach von Siemens Mobility in Graz als einem "bahnindustriellen Diamanten". Der Bevölkerung sei wohl nicht wirklich bewusst, wie stark Bahnprodukte wie Fahrgestelle vom Standort Graz weltweit eingesetzt würden. "Die Industrie braucht die Schiene, die Steiermark und Kärnten kämen aus einer Randlage zu einer Drehscheibenfunktion. Der Adria-Ostsee-Korridor sei die zweitstärkste Güterachse in Europa, noch vor der Gotthard-Strecke in der Schweiz.

Alleine heuer würden 552 Mio. Euro in die Bahninfrastruktur in der Steiermark investiert. Mit der Inbetriebnahme des Semmeringbasistunnels mit dem Fahrplan 2030 gelinge ein ganz großer Sprung vorwärts. Die bisherige Alpenbahn wird durch die Tunnels eine Flachbahn. Er gehe von einer pünktlichen Eröffnung aus. Zu den Ausbauprojekten zähle das zweigleisige Vorhaben Werndorf-Spielfeld/Straß, bei der Strecke Graz-Frohnleiten beginne man mit den Planungsarbeiten.

"Dinge werden sich einruckeln"

Bezüglich eines eigenen Flughafen Graz-Halts der Koralmbahn sagte Matthä: "Ich sage immer, fangen wir mal an zu fahren. Die Dinge werden sich einruckeln." Es werde noch das eine oder andere Gespräch geben, wie man den Fahrplan mit dem Semmeringbasistunnel (SBT) gestalte. Derzeit würden die Fahrzeiten einen eigenen Flughafen-Halt nicht hergeben, da müsse man die Fahrzeitenreserven über den SBT lukrieren. Matthä gab zu bedenken, mit der S-Bahn von Graz Hauptbahnhof zum Flughafen brauche man elf Minuten. Über solche Zeiten wäre man in Wien froh.

Tanja Kienegger, CEO von Siemens Mobility Austria GmbH, pochte ebenfalls auf Planbarkeit seitens der Politik. Graz sei ein wichtiger F&E-Standort, "da sind wir im europäischen Spitzenfeld. Die Exportquote am Grazer Standort beträgt rund 90 Prozent." Das Grazer Werk ist Arbeitgeber für mehr als 1.600 Beschäftigte. Jährlich werden rund 3.000 High-Tech-Fahrwerke hergestellt.

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