Stöger: "Bin für die 36-Stunden-Woche"

ÖSTERREICH-Interview

Stöger: "Bin für die 36-Stunden-Woche"

Im Tausch gegen flexiblere Arbeitszeiten.

Im Interview verrät der Sozialminister, wie er der Arbeitslosigkeit den Kampf ansagen will.

Alois Stöger hat ein Angebot an den Koalitionspartner: 36-Stunden-Woche gegen 12-Stunden-Tag.

ÖSTERREICH: Die Arbeitslosigkeit ist unverändert hoch. Wie wollen Sie gegensteuern?

Stöger: Unser erster Schritt muss sein, zu investieren. Überall dort, wo in Europa investiert wurde, sind neue Jobs entstanden. Zweitens ist mir das Thema Qualifizierung sehr wichtig. Hier haben wir schon Aktivitäten vor allem für junge Menschen gestartet – mit Ausbildungspflicht bis 18, Ausbildungsgarantie bis 25 und Facharbeiterstipendium, das Menschen eine zweite Chance geben soll. Wir haben eine positive Entwicklung, was die Anzahl der Arbeitsplätze betrifft. Sie sind dieses Jahr um 54.000 gewachsen. Aber die Arbeitslosigkeit ist hoch, es muss noch sehr viel getan werden.

ÖSTERREICH: Etwa die 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich? Die ÖVP sträubt sich.

Stöger: Ich habe gesagt, man kann darüber reden. Wenn man beispielsweise bereit ist, eine 36-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein­zuführen, dann bin ich auch gerne bereit, über den 12-
Stunden-Tag nachzudenken. Wenn wir in Österreich viele Menschen haben, die einen Job suchen, ist es richtig, die Arbeit besser zu verteilen. Das wäre eine geeignete Antwort. Es gibt natürlich meh­rere Alternativen, auch die sechste Urlaubswoche. Darüber müssen wir auf jeden Fall gemeinsam diskutieren.

ÖSTERREICH: Am Pensionshunderter gab es breite Kritik. Würden Sie das heute noch einmal so machen?

Stöger: Ja, für meine Zuständigkeit der gesetzlichen Pensionen jedenfalls. Im ASVG sind die Pensionen nicht hoch, die 100 Euro sind schnell wieder ausgegeben und kommen so der Volkswirtschaft zugute.

ÖSTERREICH: Manch einer unterstellt Ihnen Populismus …

Stöger: Der Hunderter ist für die Personengruppe, die viel geleistet hat, aber am wenigsten bekommt. Das halte ich für wichtig. Wenn man das Populismus nennt, darf man mir das unterstellen.



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