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Kunsthändler:

Walde Dieb gab sich als Erbe aus

Kunsthändler Dieter Tausch ist es zu verdanken, dass der gestohlene Walde wieder da ist.

Dieter Tausch, seit Jahrzehnten hat er ein Antiquariat in Innsbruck, bekam zuletzt ein äußerst seltsames Angebot: Es handelte sich, wie sich dann herausstellte, um das gestohlene Bild „Aufstieg der Skifahrer“ von Alfons Walde. Das 500.000 Euro-Gemälde wurde vor kurzem aus einem Lager in Innsbruck gestohlen. ÖSTERREICH hat den Antiquar besucht und erfuhr die Details des Angebots.

Dieter Tausch wurde telefonisch von einer flüchtigen Wirtshausbekanntschaft kontaktiert. "Er erklärte mir, dass um vier Ecken herum ein entfernter Bekannter eines Bekannten von seinem Onkel eine große Erbschaft gemacht hat. Da sei auch ein Walde dabei, ob ich mir den anschauen könne?“

Diese Kette von "Ich kenne wen, den kann ich fragen", wundert Tausch nicht, denn so läuft es oft."Und jeder hofft, dass er an der Apanage beteiligt wird". Nachdem telefonisch die wichtigsten Fragen wie Technik und Bildgröße geklärt waren, erklärte der Anbieter, er bekäme das Bild am Nachmittag leihweise und würde vorbeischauen.

In der Zwischenzeit kontaktierte Tausch seinen Kollegen Peter Konzett, der als Experte für Malerei gilt; dieser hatte wenige Minuten zuvor erfahren, dass ein Walde gestohlen worden war.

"Und nachdem es für jeden Künstler quasi einen Papst gibt, im Fall von Walde ist es Gert Ammann, war am Nachmittag schnell geklärt, dass es ein echter Walde ist. Das Bild war vorne links signiert und sogar der Atelierkleber hinten hat gut ausgeschaut“, erklärt Tausch. „Da hab ich dann die Polizei angerufen und ihnen gesagt, dass ich ihnen den Walde vorbeibringe – was die im ersten Moment für einen Scherz gehalten haben“.

"35 Jahre Berufserfahrung – da erschüttert einen nicht mehr so schnell etwas“, meint Tausch. Die Leute kommen mit den ausgefallensten Dingen, "was ich mir oft anschauen muss an Büchern, Bildern oder Grafiken, das kann man sich gar nicht vorstellen“. Und inzwischen habe er auch gelernt, dass jemand der in abgetragener Kleidung daher komme, durchaus rechtmäßiger Eigentümer einer Erstausgabe sein könne.

Vor vielen Jahren ist Dieter Tausch ein gestohlener Paolo Veronese angeboten worden – damals hat er noch unerfahren und unvorsichtig reagiert, hat einen befreundeten Künstler mit einem Foto des Veronese nach Hamburg geschickt, um dort bei einem Fachmann ein Gutachten einzuholen. "Die Folge waren hochnotpeinliche Befragungen für uns beide durch die Polizei“.

Diesmal besorgte er sogar das Original, der Täter ist noch immer flüchtig.

von Ursula Philadelphy/Österreich



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