Justiz-Skandal um Terrorverdächtigen

Anschläge in Wien geplant

Justiz-Skandal um Terrorverdächtigen

Der Terror-Hauptverdächtige wurde bereits 2015 wegen Verbindung zum IS verurteilt und vorzeitig aus der Haft entlassen.

Der als Drahtzieher der geplanten Terroranschläge unter anderem auf den Stephansplatz geltende Islamist Sergo P. (24) ist seit 2015 in Visier der Behörden. Damals reiste der Tschetschene im Oktober mit seiner im Rollstuhl sitzenden Mutter und der hochschwangeren Ehefrau nach Syrien, um sich dem IS anzuschließen. P. wurde aber in der Türkei abgefangen, zurück nach Österreich gebracht und in Wien zu zwei Jahren Haft verurteilt. Allerdings: Nach 14 Monaten wurde er vorzeitig entlassen! Und das, obwohl bekannt war, dass der streng gläubige Moslem Mithäftlinge zum Konvertieren gebracht hatte. Wenige Monate nach seiner Entlassung wollte er abermals ins IS-Gebiet reisen – diesmal mit einem gefälschten Pass. Er wurde aber am Flughafen erkannt, verhaftet und zu insgesamt drei Jahren Haft verurteilt. Sergo P. wäre 2020 freigekommen.

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Demnach sollen die Tschetschenen (mittlerweile sind es drei Komplizen) gleich mehrere Bomben­anschläge in Österreich, Deutschland, Luxemburg und Frankreich geplant haben. In Wien hätten zwischen dem 24. und dem 31. Dezember mehrere Anschläge stattfinden sollen: Konkret sollen der Weihnachtsmarkt am Stephansplatz und jener am Rathausplatz im Visier gestanden sein. Schlimme Befürchtung: ein Bombenattentat am Silvesterpfad, wenn bis zu 750.000 Menschen zwischen den beiden Locations hin- und herpilgern. Auch in Salzburg hätte es später „krachen“ sollen, so der Ermittlungsstand.

Wie berichtet, dürfte ein anonymer Hinweis die Strafverfolgungsbehörden und den Verfassungsschutz auf die Spur der drei Männer gebracht und so mögliche Anschläge mit vielen Toten vereitelt und verhindert haben.

Ausbruchspläne für in Haft sitzenden Komplizen

Zentralfigur soll der in der Justiz­anstalt Hirtenberg einsitzende Häftling Sergo P. sein. Für ihn, den mutmaßlichen Kopf der Bande, soll es konkrete Ausbruchspläne gegeben haben, wobei es sich bei dem Tschetschenen um einen IS-Anhänger handelt, der bereits zwei Mal wegen „terroristischer Vereinigung“ verurteilt wurde (siehe Kasten rechts). Ein serbischer Mithäftling hatte ihn offenbar belauscht und dann bei den Behörden Alarm geschlagen. Mittlerweile wurde der 24-jährige gebürtige Tsche­tschene, der perfekt Deutsch spricht, in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt.

Umfangreiche Ermittlungen, Telefonüberwachungen und Observationen erhärteten den Verdacht, der schließlich zur Festnahme der bis dahin auf freiem Fuß befindlichen vermeintlichen Komplizen Ahmed A., ein 25-jähriger MMA-Kämpfer, und Alik B. (31) führte, und zwar wegen „Gefahr im Verzug“. Die beiden Tschetschenen sitzen in Wiener Neustadt in Untersuchungshaft. Als Haftgründe wurden vom zuständigen Landesgericht Verdunkelungsgefahr, Tatbegehungs- sowie Tatausführungsgefahr angenommen.

Die Anwälte der Verdächtigen, Wolfgang Blaschitz und Florian Kreiner, sprechen unisono von einem „Riesenschmarren“ und beteuern, dass „überhaupt nichts an den Vorwürfen dran“ sei. Ihren Mandanten wird überdies die Verbreitung von IS-Materialien und die geplante Befreiung ihres Masterminds aus dem Gefängnis angelastet.

Blaschitz betont: „Was die behaupteten Anschlagspläne betrifft, hat es keine Vorbereitungshandlungen gegeben.“ Die Ermittlungen zu dem Verschlussakt laufen. – Es gilt die Unschuldsvermutung.

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