Brüder betrieben schwunghaften Suchtgifthandel

Jüngerer Bruder verriet älteren

Brüder betrieben schwunghaften Suchtgifthandel

Im Vordergrund der Verhandlung stand die Frage, aus welchem Grund der 43-Jährige nach seiner Festnahme seinen Bruder ohne Not ans Messer geliefert hatte.

Er verriet diesen als Cannabis-Produzenten. Er habe sich damals "wie ein Gott der Rache gefühlt", gab der 43-Jährige dazu zu Protokoll. Jetzt fühle er sich "wie ein Giftzwerg".
 

"Wollte, dass er sich als Opfer fühlt"

"Ich habe Jahre mit tausenden Problemen verschrubbelt. Ich habe mich mit den dümmsten Jobs wie Tellerwäscher, Koch, Nachtportier zufriedengegeben. Ich habe mir von ihm jahrelang anhören können, wie toll er ist", berichtete der 43-Jährige dem Schöffensenat von seinem schwierigen Verhältnis zum älteren Bruder. Als er Gelegenheit hatte, es diesem heimzuzahlen, "wollte ich, dass er sich als Opfer fühlt". Daher habe er von dessen Drogen-Plantage erzählt und dabei weit überhöhte Ernte-Mengen genannt. Darauf sei er "im Moment nicht besonders stolz". Der Polizist, der ihn befragt hätte, sei aber "sehr väterlich" gewesen und habe ihm "unbewusst Optionen vorgegeben", worauf er "zu hoch gegriffen" hätte. Wie viel für den Bruder im Lauf der Zeit verkauft hätte, wisse er nicht mehr.
 

Vom Produzenten zum Suchtgift-Verkäufer

Ursprünglich hatte der 43-Jährige sich selbst in der Aufzucht von Cannabis-Pflanzen versucht. Das funktionierte aber nicht besonders gut, weshalb er es vorzog, ungeachtet seiner komplizierten Beziehung zum Bruder sich für diesen als Suchtgift-Verkäufer zu verdingen. "Ich war mädchenhafter", schilderte der Mann seine missglückten Versuche als Hanf-Anbauer. Er habe immer befürchtet, dass die kleine Cannabis-Plantage in seiner Wohnung Feuer fangen und plötzlich die Polizei in der Tür stehen könnte. Als der 43-Jährige im Detail seine paranoiden Angstzustände beschreiben wollte, fiel ihm die Schriftführerin ins Wort: "Das ergibt nicht viel Sinn, was ich da mitschreibe." "Willkommen in meinem Kopf", entgegnete ihr der Angeklagte.
 

Älterer Bruder erntete 35 Kilo Haschisch seit 2013

 

Der ältere Bruder gab anschließend in seiner Einvernahme zu, seit 2013 rund 35 Kilogramm Haschisch geerntet zu haben. Weshalb er von seinem eigenen Bruder verraten und mit der fast dreifachen Menge belastet wurde, war dem 45-Jährigen unklar. Es habe mit diesem nie einen gröberen Streit gegeben: "Ich weiß nicht, wofür er sich rächen will." Ein Mitgefangener habe diesbezüglich vermutet, es könnte eine Frau im Spiel sein. "Aber das ist auszuschließen. Er steht ja eher auf Männer", meinte der 45-Jährige.

Dreieinhalb Jahre für Produzenten, drei Jahre für jüngeren Bruder

Das Wiener Brüderpaar ist am Donnerstag am Landesgericht zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden, nachdem die beiden in einem arbeitsteiligen Verfahren über Jahre hinweg einen schwunghaften Suchtgifthandel betrieben hatten. Der Ältere - ein 45 Jahre alter Nachhilfelehrer für Mathematik - baute das Cannabis an, sein um zwei Jahre jüngerer Bruder verkaufte es.

Dealer an der U-Bahn-Station Kettenbrückengasse

Der 43-Jährige wurde am 3. Oktober 2018 an der U-Bahn-Station Kettenbrückengasse - einem bekannten Drogen-Umschlagplatz - von Polizeibeamten bei der Weitergabe von 30 Gramm Marihuana beobachtet. Ein Bürger, dem der Mann wiederholt als Drogen-Verkäufer aufgefallen war, hatte die Polizei auf den Dealer aufmerksam gemacht. 
 
Für den Nachhilfe-Lehrer und in weiterer Folge auch für einen ehemaligen Schüler des 45-Jährigen klickten darauf hin ebenfalls die Handschellen. Der Ex-Schüler hatte dem 45-Jährigen die Belüftungstechnik und die Beleuchtung in dessen Plantage in einer Lagerhalle in Floridsdorf installiert und die Anlage gewartet. "Damit er nicht abbrennt, weil er handwerklich nicht besonders geschickt ist", wie der 37-Jährige nun als Mitangeklagter einem Schöffensenat (Vorsitz: Harald Kaml) verriet. Außerdem betrieb der 37-Jährige in Klosterneuburg selbst eine Indoor-Plantage. Die Ernte von insgesamt acht Kilogramm überließ er seinem früheren Nachhilfe-Lehrer, wobei den Weiterverkauf wieder dessen jüngerer Bruder übernahm.
 

Urteile bereits rechtskräftig

Der ältere Bruder fasste am Ende dreieinhalb Jahre unbedingt, der jüngere drei Jahre unbedingt aus. Der 37-jährige Mitangeklagte bekam zwei Jahre, davon acht Monate unbedingt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig. Abgeurteilt wurden wesentlich geringere als die ursprünglich inkriminierten Mengen. Der Senat ging davon aus, dass der 45-Jährige seit 2013 35 Kilogramm Haschisch hergestellt und sein Bruder Abnehmer für rund 29 Kilogramm gefunden hatte.
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