Wien-Insider

"Chinesen wollen das Landtmann"

Im Windschatten des Mietprozesses ums Café Landtmann lauert ein Mega-Deal.

Innere Stadt. Die juristische Schlacht um Wiens bekanntestes Kaffeehaus hat gerade erst begonnen: Der streitbare Cafetier Berndt Querfeld will 390.000 Euro Miete fürs Café Landtmann nicht zahlen – zumindest nicht für die Zeit des Lockdowns. Auf der anderen ­Seite der Schranke im Gerichtssaal: Die Karl-Wlaschek-Stiftung der Erben des Billa-Gründers, die ein riesiges Immo-Imperium verwaltet.

Unmittelbar vor Beginn des Prozess passierten zwei Dinge, die im Getöse um den glamourösen Prozess untergegangen sind.

Vermieter hat erste Bieter.Die Rechtsvertreter der Wlaschek-Stiftung ließen damit aufhorchen, dass die Familie Querfeld „schlechte Mieter“ seien und man schon „Angebote von Mietern hat, die bereit sind, die volle, der Lage angemessene Miete zu bezahlen“ – ÖSTERREICH hat schon 2020 berichtet, dass an diesem Standort neben dem Burgtheater hochkarätigste Bieter in­teressiert seien. Offenbar ist es jetzt so weit.

China-Konzern rittert mit.Fast zeitgleich erhielt auch Berndt Querfeld Besuch aus dem Reich der Mitte: Ein großer chinesischer Unterhaltungskonzern, der 500 Kinos betreibt, „hat sich bei mir vorgestellt. Die Visitenkarte des Emissärs liegt auf meinem Schreibtisch“, berichtet Querfeld. Die Chinesen wollen jetzt beim Landtmann in Wien einsteigen und dessen Know-how nach Peking verpflanzen. Und sie sind bereit, auch bei jeder Menge anderer Nobelstandorte in Wien Geld zu investieren.

Der Prozess ums Landtmann wird die Weichen stellen, wer das große Geschäft mit den Multis machen kann. Kommt die Wlaschek-Stiftung mit der Räumungsklage durch, ist der Weg für sie frei, direkt mit den Chinesen und anderen zu verhandeln. Und sie werden dann wohl von Top-Hotels bis zu den nobelsten Lokalen der Stadt ein breites Portfolio haben, weil sich viele Wlaschek-Mieter einen künftig fälligen Vollpreis nicht mehr leisten könnten.

„Deshalb kämpfe ich wie David gegen Goliath“, so Querfeld. Der auch um die Freiheit kämpft, einen Deal mit den Multis sein lassen zu können.

Joe Galley

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten