Hacker Nehammer

62% aller Fälle in Wien registriert

Die Akte Corona: Das Wien-Dossier des Krisen-Stabs

ÖSTERREICH hat den Expertenbericht des Innenministeriums zu Corona in Wien.

Wien. Vergiss Simmering gegen Kapfenberg. Wahre Brutalität ist heute Hietzing gegen Alsergrund oder VP-Minister Karl Nehammer gegen SP-Stadtrat Peter Hacker. Nachdem schon am Freitag ein Fernduell entbrannte, legten beide am Samstag via ÖSTERREICH nach: Der Hietzinger Nehammer verlautete, dass die 37 Neuinfektionen mit Corona in Wien bei 59 positiven Tests österreichweit einem Anteil von 62,7 Prozent entsprächen. Seit 1. Mai seien 56 Prozent aller Neuinfektionen in Wien passiert.

Nehammer-Appell an Wien. „Ich appelliere an den Bürgermeister und den Gesundheitsstadtrat, die Hilfe der Spezialisten des Landeskriminalamts beim Containment anzunehmen. Wir dürfen die Zahlen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Krise ist noch nicht vorbei“, so Nehammer.

Hacker hackt zurück. Dem Alsergrunder Peter Hacker lässt das die Hutschnur hochgehen. „Das ist reiner Wahlkampf, Wien-Bashing pur vom Wiener Nehammer. Das werden sich die Wähler merken, dass sie der Wiener Innenminister österreichweit als Corona-Sünder hinstellt. Noch dazu stimmen die Fakten überhaupt nicht“, so Hacker. „Gerade weil wir in Wien so viel mehr testen als anderswo und den Cluster rund ums Asylzentrum Erdberg aufarbeiten, gibt es mehr Fälle. Das wüsste der Innenminister, würde er die Lageberichte seines Hauses lesen. Statt Wien anzugreifen, soll Nehammer erklären, warum er als Verantwortlicher nach der Quarantäne-Verhängung 14.000 Menschen aus Ischgl ausreisen ließ“, ätzt der Stadtrat.

70.000 Tests. Bei den Tests hat Wien am Samstag die 70.000er-Marke übersprungen. In ganz Tirol, angeblich fast „flächendeckend getestet“, sind es 58.000.

Der neue Lagebericht. Wie sehen die Fakten aus Sicht der Wissenschaft und der Experten aus? Der brandaktuelle Samstag-Lagebericht des Nehammer-Experten­stabs im BMI zu Wien hält im Kapitel Wien wörtlich fest: „Die neu aufgetretenen Fälle konnten wir den Cluster-Settings Haushalt, Arbeitsstätte und Unterkunft für Asylsuchende zuordnen.“

Die Cluster-Buster. Im Klartext heißt das: Wien hat tatsächlich alle Menschen im Umfeld der 26 Fälle beim Asylzentrum Erdberg getestet – und so etwa im nahen Postzentrum, wo einige der Asylwerber arbeiteten, einen Riesen-Cluster samt einem unkontrollierbaren, Ischgl-mäßigen Outbreak unterbunden.

Schein-Anstieg. „Da solchen Hotspots sofort aktiv nachgegangen wird und sämtliche Kontaktpersonen getestet werden, werden so auch symptomlose Fälle entdeckt, die (…) unentdeckt geblieben wären. Dieses umfangreiche Testen führt (…) dazu, dass es vorübergehend zu einem scheinbar sprunghaften Fallanstieg kommt“, resümiert der Krisenstab.

Ganz so schlimme Corona-Ignoranten dürften die Wiener also doch nicht sein …

Josef Galley



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