EXKLUSIV: Das Wunder von Wien

Er flog aus 5. Stock: 'Ich überlebte die Gas-Explosion'

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Exklusiv in ÖSTERREICH: Jürgen Zaufall (31) schildert, wie er das verheerende Gasunglück von Wien-Wieden überlebte.

Jürgen Zaufall liegt im Wiener AKH. Seine Beine sind mehrfach verschraubt, durch Schienen ruhiggestellt. Der Brustkorb verbunden. Lunge geprellt. An der Schulter eine lange Operationsnarbe. Seine Ar­me sind festgeschnallt. Er darf sich nicht bewegen.

Mehrere Eingriffe warten noch auf ihn. An beiden Sprunggelenken und Knien: „Die sind regelrecht zerbröselt“, wie er sagt. Aber: Er hat den Horror der verheerenden Gasexplosion vom vergangenen Mittwoch überlebt. Er ist das Wunder von Wien.

 

Video zum Thema: Gasexplosion überlebt: Das Wunder von Wien

 

Auch blieb sein Rückgrat unverletzt. Ebenso die Hüfte, sein Kopf: nur eine Platzwunde, eine schwere Gehirn­erschütterung, aber kein Schädelbruch.

Seine Mutter Gertrude Zaufall sagt zu ÖSTERREICH: „Danke an seine Retter. Die Ärzte im AKH sind wahre Künstler!“ (siehe weiter unten)

Jürgen Zaufall Gas-Explosion Wien-Wieden Opfer
© privat

"Plötzlich ist der Boden weg. Ich fiel nach unten"

Im Staub nach unten. Als es vor einer Woche passiert, sitzt Zaufall gerade vor seinem PC in seiner 48-Quadratmeter-Wohnung im fünften Stock des Gemeindebaus. Direkt unter dem Dach. Er arbeitet von zu Hause aus, 
 ist IT-Experte, entwickelt Onlinespiele. Er ist nackt. Schließlich ist es an dem Tag brütend heiß. 38 Grad.

Plötzlich ein mächtiger Knall. Ein Beben. Ein Zittern. Im dritten Stock, zwei Stockwerke unter ihm, fliegt die Wohnung in die Luft. Die mächtige Gasexplosion in der Küche eines Kochs fetzt die komplette Frontseite des Gemeindebaus weg.

Zaufall denkt erst an eine Explosion vorm Haus. „Plötzlich sackte unter ihm der ­Boden weg. Wände krachten, stürzten ein“, erzählt seine Mutter. Er selbst sagt: „Die Lampe, der Schreibtisch, die Couch, mein neuer PC, alles krachte nach unten.“

Er wird von einer riesigen Staubwolke verschluckt und fliegt fünf Stockwerke runter. Fast 20 Meter. Auf einem Schutthaufen prallt er auf. Neben einer Betonplatte. Sein PC und sein Stuhl krachen auf ihn, aber keine schweren Teile. Das Dach über seiner Wohnung stürzt nicht ein. Sein Glück.

Als Erstes bewegt Zaufall unter Staub und Schutt seine Zehen: „Ich wusste, ich bin nicht gelähmt, als ich sie bewegen konnte“, sagt er.

Nur Momente nach seinem Aufprall sind die ersten Helfer bei ihm. Darunter der Wirt Hannes Koletnik (63): „Sein Bein stand unwirklich verdreht weg. Er war aber ­völlig ruhig, stöhnte nur. Er stand wohl voll unter Schock“, sagt Koletnik. Er und drei andere Männer zogen Zaufall aus dem Schutt. Gerettet – das Wunder von Wieden.

Jürgen Zaufall Gas-Explosion Wien-Wieden Opfer
© privat

Getrude Zaufall über ihren Sohn: "Danke an die Helfer, die AKH-Ärzte sind Künstler"

Gertrude Zaufall, die Mutter des Überlebenden, im Interview über ihren Sohn.

 

Video zum Thema: Fellner! Live: Gasexplosion – Interview mit Mutter von Opfer

 

ÖSTERREICH: Wie geht es ihm eine Woche nach dem verheerenden Unglück?

Gertrude Zaufall: Er hat eine ganz massive Gehirnerschütterung, beide Beine sind mehrfach gebrochen, die Lunge war geprellt. Sprunggelenke und Knie sind zertrümmert. Er wird in den kommenden Wochen noch mehrmals operiert werden müssen, aber Jürgen lebt, das ist das Wichtigste. Es bestand ja Lebensgefahr. Danke an die Helfer und die Ärzte im Wiener AKH, das sind Künstler!

Getrude Zaufall
© TZOE/Artner
Gertrude Zaufall: "Wie ein zweiter Geburtstag"

ÖSTERREICH: Wie lange dauerten die Operationen?

Zaufall: Sechs Stunden kämpften die Ärzte. Er war in höchster Lebens­gefahr. Jürgen stand das durch, er ist als ehemaliger Kampfsportler körperlich fit gewesen. Dass er das Ganze überstanden hat, ist wie ein zweiter ­Geburtstag.

ÖSTERREICH: Ihr Sohn saß gerade am PC, als das Unglück geschah?

Zaufall: Ja, er hörte laute Musik, dann riss es den ­Boden unter ihm weg, der löste sich völlig auf, sagt er, er stürzte ab. Er war immer bei vollem Bewusstsein.

ÖSTERREICH: Wie geht es weiter?

Zaufall: Mein Sohn hat alles verloren. Seinen PC, seine Wohnung, die auch sein Büro war. Alles ist weg, er steht jetzt vor dem Nichts.

Karl Wendl

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