Freund des Attentäters: ''Bete nur, lehne IS ab''

Wien

Freund des Attentäters: ''Bete nur, lehne IS ab''

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Der Kontaktmann des Attentäters von Wien mimt vor Gericht (von Kameras verschont) das fromme Unschuldslamm. 

Wien. Der 26-jährige Tschetschene, dem das Verbrechen der terroristischen Vereinigung angelastet wird, bekannte sich von Anfang an als nicht schuldig. Und fand wirklich zu jedem Vorwurf prompt eine Erklärung bzw. Ausrede, warum von ihm keine Gefahr ausgehe – obwohl die Ankläger ihm eine „hohe Affinität“ zur ­radikalislamischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anlasten, die er auch ideo­logisch unterstützt habe. Seine Gesinnung soll sich immer weiter radikalisiert haben, bis er laut Staatsanwaltschaft Wien bei einer streng salafistisch-dschihadistischen Gruppierung „landete“.

Der Karosserie- und Bautechniker habe sich an Zusammenkünften anderer Dschihadisten beteiligt und dabei auch den späteren Attentäter Kujtim F. getroffen. Da kam beim Prozess mit strengsten Sicherheitsmaßnahmen am Montag am Landesgericht Wien gleich das erste „Dementi“ des Tschetschenen: „Ich hab ihn nicht sehr gut gekannt. Er hat nicht sehr viel geredet.“

"Habe in dieser Moschee kein Wort verstanden"

Meeting. Auch sonst war der Angeklagte von der Verteidigung (Sinan Dikme, Kanzlei Rast Musliu) offenbar gut gebrieft: Er sei zwar gläubig, bete fünf Mal am Tag, faste im Ramadan, lehne aber den IS ab: „Das sind Terroristen, ganz klar.“ Auf den Einwand, dass er in Wien eine Moschee aufgesucht hatte, in der eine überaus radikale Auslegung seines Glaubens gepredigt wurde, erwiderte der 26-Jährige: „Die haben auf Arabisch oder Bosnisch gepredigt. Ich habe kein Wort verstanden.“

Bei einem Meeting in einer konspirativen Wohnung in St. Pölten – wo er zweimal auf Kujtim F. traf – sei er nur gewesen, um Arabisch zu lernen, „dass ich den Koran besser verstehen kann“. Über den IS sei dort „nie gesprochen worden, wo ich dabei war“. Und überhaupt: „In diese Wohnung sind eine Menge Menschen gegangen.“

Der Kontaktmann des Attentäters wurde schlussendlich  zu einem Jahr Haft, davon drei Monate unbedingt verurteilt worden. Der Schuldspruch erging zu einem einzigen Anklagepunkt, von sämtlichen anderen inkriminierten Fakten wurde der 26-Jährige freigesprochen.

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