Gasexplosion Wien Wieden

Gasexplosion in Wien

Eltern & Kinder entgingen nur knapp der Katastrophe

30 bis 40 Minuten vor dem Unglück holten noch Eltern unmittelbar in der Umgebung ihre Kinder von der Betreuung ab.

In einem Gemeindebau in Wien-Wieden ist es am Mittwochnachmittag zu einer schweren Explosion gekommen. Nach der Detonation - die Einsatzkräfte gingen von einer Gasexplosion aus - klaffte ein riesiges Loch in dem mehrgeschoßigen Gebäude an der Ecke Preßgasse/Schäffergasse. Wohnbereiche zwischen dem zweiten und vierten Stock wurden weggerissen, Bauteile und Inventar auf die Straße geschleudert.

Am Abend war von 14 Verletzten die Rede, darunter zwei Schwerverletzte. Ein 35-jähriger Hausbewohner, der sich zum Zeitpunkt der Explosion in seiner Wohnung befand, dürfte von herabfallendem Mauerwerk getroffen worden sein. Der Mann erlitt Knochenbrüche, Rissquetschwunden und schwere innere Verletzungen. Wie kurz vor 22.00 Uhr vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) in Erfahrung zu bringen war, hat sich sein Zustand mittlerweile stabilisiert. Lebensgefahr war keine mehr gegeben. Bei dem zweiten Schwerverletzten handelt es sich um einen 54 Jahre alten Mann, der von Glassplittern getroffen wurde und Schnittverletzungen davongetragen hat. Die zwölf Leichtverletzten wurden teilweise in häusliche Pflege entlassen. Der andere Teil musste zur Beobachtung und zur weiteren medizinischen Behandlung in verschiedenen Krankenhäusern bleiben.

   Das einsturzgefährdete Wohnhaus wurde evakuiert. Vor dem Gebäude wurde fieberhaft nach möglicherweise Verschütteten gesucht. Tonnenschwerer Schutt dürfte einen Pkw unter sich begraben haben, in dem bis zu zwei Personen vermutet wurden. "Wir haben ganz schwache Kratzgeräusche registriert, sehr schwache Klopfgeräusche", schilderte der Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, Christian Feiler, der APA. Und weiter: "Es ist ein Schuttkegel. Was nicht in das Haus hineingefallen ist, ist herausgefallen. Es sind mehrere Tonnen an Schutt, die wir umgraben."

   Per Schallortung habe man wegen der Schwäche des Signals keine genauere Ortung bekommen. Die Rettungshunde hätten aber ebenfalls angeschlagen. Man habe die Suchmannschaften geteilt - in Feuerwehrleute, welche im Haus weiter suchten, und solche, welche den Schuttkegel angingen. Man gebe nicht auf, bis man sichergestellt habe, dass sich niemand mehr unter den Trümmern befindet, sagte Feiler. Die Klärung, ob es noch weitere Abgängige gebe, sei auch schwierig, weil die Urlaubssaison gerade angefangen habe.


   Nach 22.00 Uhr war die Suche noch immer im Gange. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Feuerwehr bereits schweres Bergegerät beigezogen. "Wir räumen bereits gesichertes Material damit ab. Dann wird händisch weitergegraben. Es ist ein Wettlauf gegen die Uhr", meinte Feiler.

   Weiterhin seien möglicherweise sehr leise Kratz- oder Klopfspuren zu vernehmen. "Wir beschallen den Kegel und fordern eventuell Verschüttete auf, sich mit unregelmäßigen Zeichen zu melden", sagte der Feuerwehr-Sprecher. Damit wolle man ausschließen, dass man bloß auf Geräusche eines technischen Gerätes reagiere. Andererseits suche man auch im Inneren des Hauses. Es könnte nämlich auch möglich sein, dass die potenziellen Signale von einem Verschütteten aus der Zone zwischen dem Innenraum an der Hausmauer und der Straße stammen. Ob dem so ist, sollte vor Mitternacht feststehen.

   "Wir graben händisch mit so vielen Einsatzkräften wie möglich. Sie dürfen einander aber auch nicht behindern. Außerdem sorgen wir für regelmäßige Ablösen", verriet der Feiler. Man könne nicht abschätzen, wie lange es Überlebenschancen gibt. "Das hängt von dem Hohlraum ab, in dem sich jemand befindet und von seinen Verletzungen. Nach Erdbeben wird immer wieder von 'Wundern' gesprochen, wenn nach zwei oder drei Tagen noch jemand geborgen wird. Wir geben jedenfalls die Hoffnung nicht auf."

 

Kinder und Eltern entgingen nur knapp der Katastrophe

In unmittelbarer Nähe der Unglücksstelle befinden sich eine Volksschule und eine Neue Mittelschule. Wie ein Anrainer der APA mitteilte, sollen sich 30 bis 40 Minuten vor dem Unglück noch Kinder und Eltern, die ihre Kleinen von der Nachmittagsbetreuung abholten, auf der Straße befunden haben. Später wurden die Schulen vorübergehend geöffnet, wo evakuierte Bewohner und besorgte Angehörige gelabt wurden.
 

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