Hass-Attacke auf Fahne bei Wiener Synagoge

Fahndung nach Tätern

Nach Hass-Attacke: 24-Stunden-Überwachung für Wiener Synagoge

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Die Polizei fahndet weiter nach jenen Personen, die in der Nacht auf Samstag eine israelische Fahne vom Wiener Stadttempel gerissen haben.

Gleichzeitig wurde der Objektschutz für die Hauptsynagoge auf rund um die Uhr ausgeweitet, wie es in einer Aussendung der Wiener Polizei Sonntagvormittag hieß. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) verteidigte am Sonntag das Verhalten der Exekutive, die bisher sichtbar nur zu den Öffnungszeiten der Synagoge präsent war.

Bekannt geworden war der Vorfall Samstagabend durch ein Video. Auf diesem ist eine Gruppe junger Menschen zu sein, die sich gegen die Synagoge wenden. Von den Schultern eines Mannes reißt eine weitere Person die Fahne herunter. Eine junge Frau, die daneben steht, imitiert ein Maschinengewehr.

 

 

Einschreitender Zeuge verprügelt

Laut Polizei wollte ein Zeuge des Vorfalls die Frau anhalten. Bei dem Versuch soll er von mehreren unbekannten Personen davon abgehalten und von einem Mann geschlagen worden sein. Dadurch wurde er im Gesicht verletzt.

Karner: "Werden Täter dingfest machen"

Die Flagge wurde durch inzwischen alarmierte Beamte sichergestellt. Eine Fahndung nach den mutmaßlichen Tätern verlief erfolglos. Eine Sicherung der Videos von Kameras in der unmittelbaren Tatortnähe wurde veranlasst. Innenminister Karner, der den Vorfall "aufs Schärfste" verurteilte, zeigte sich in der ORF-"Pressestunde" überzeugt, die Täter ausforschen zu können: "Wir werden die Täter dingfest machen."

Der Polizei sei bewusst gewesen, dass die Gefahr für jüdische Einrichtungen derzeit besonders groß sei. Daher habe man Präsenz und verdeckte Präsenz erhöht. Vorrang sei aber zunächst der Schutz von Menschen u.a. vor jüdischen Schulen, Geschäften und Sporteinrichtungen gewesen. Karner betonte auch, dass er sich - wie auch die Wiener Polizei - mehrfach mit dem Präsidenten der Israelitschen Religionsgemeinschaft Oskar Deutsch ausgetauscht habe, weil hier enge Abstimmung wichtig sei.

Deutsch: "Terrorverherrlichende Tat"

Deutsch betonte am Sonntag, dass die Kultusgemeinde die Fahne im Gedenken an mehr als 1.400 Ermordete und 200 Verschleppte gehisst habe. Das Herunterreißen nannte er eine "antisemitische, terrorverherrlichende Tat".

Regierung reagiert empört

Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) verurteilte den Vorfall auf "X" "aufs Schärfste". Für Antisemitismus und Israel-Hass sei kein Platz in der Gesellschaft. Er gehe davon aus, dass die Täter rasch ausgeforscht werden.

 

 

Für Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) ist es "vollkommen inakzeptabel", dass es in der aktuellen Situation zu einer "derartigen antisemitischen Provokation" vor dem Wiener Stadttempel gekommen ist. Dies müsse "raschest aufgeklärt" werden - und "ebenso die offenbar fehlende Bewachung durch Kräfte der Exekutive".

 

 

Grünen-Mandatar Georg Bürstmayr zeigt sich auf Twitter (X) entsetzt über die Tat. Er werde unverzüglich der Frage nachgehen, warum sie überhaupt möglich gewesen sei "und was genau hier (nicht) passiert ist."

Ab sofort permanente Überwachung

Die Polizei betonte, dass der Fokus der Überwachung "in Abstimmung mit der Kultusgemeinde" auf dem Schutz von Menschen gelegen sei, die während der Gebets- und Öffnungszeiten des Tempels dort aufhältig seien. Nun wurde der Objektschutz auf eine permanente Überwachung umgestellt.

Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS) nannte den Vorfall "einfach gestört". Eine jüdische Einrichtung anzugreifen und sich auch noch dabei zu filmen müsse Konsequenzen haben: "Ich erwarte hier eine harte Bestrafung für diesen offenen Antisemitismus."

Der Wiener ÖVP-Landesparteiparteiobmann Karl Mahrer bezeichnete die Bilder als "erschreckend und verstörend". Derartige Vorfälle seien absolut nicht zu tolerieren, so Mahrer weiter.

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