Bronze-Denkmal

Lueger-Statue erst weg, jetzt wieder da

Vonseiten der Stadt Wien und KÖR gibt es aktuell keine Auskunft zur "laufenden Baustelle". Die Statue war erst vergangene Woche im Zuge der Renovierungsarbeiten von Unbekannten beschädigt worden.

Passanten staunten am Dienstagvormittag nicht schlecht: Ohne vorherige Ankündigung wurde die Ende Jänner zwecks Restaurierung und Kontextualisierung abgebaute Bronzefigur des wegen seines Antisemitismus umstrittenen früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (1844-1910) an der Wiener Ringstraße wieder aufgestellt. Erst am Wochenende hatte es geheißen, dass die Figur in einem Steinmetzbetrieb in Niederösterreich von Unbekannten stark beschädigt worden sei.

Die mit der Kontextualisierung befasste Kunstinstitution KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) bestätigte die Rückkehr auf APA-Anfrage: "Nach den Arbeiten am Sockel des Denkmals wurde nun die Bronzefigur aufgesetzt, damit ist aber die Bautätigkeit und auch die Kontextualisierung noch nicht abgeschlossen", hieß es in einem Statement. Zu den Beschädigungen am Denkmal könne man aufgrund der Ermittlungen "weiterhin keine Auskunft erteilen". Nach dem Ende aller Arbeiten würden Medien und Öffentlichkeit über den Abschluss von "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" informiert werden. Auch das Büro von Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) wollte sich auf APA-Anfrage nicht näher zur "laufenden Baustelle" äußern. Auch darüber hinaus könne man aufgrund der aktuellen polizeilichen Ermittlungen nichts sagen.

Kontextualisierung durch Neigung um 3,5 Grad

Nach jahrelangen Diskussionen war ein Wettbewerb für die dauerhafte Kontextualisierung des Lueger-Denkmals ausgeschrieben worden. Diesen gewann 2023 der Künstler Klemens Wihlidal mit seinem Projekt "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)", bei dem das Monument mit einer Neigung um 3,5 Grad künftig für Irritationen sorgen soll. Im März 2026 war bekannt geworden, dass sich die zunächst kommunizierten Kosten von 500.000 Euro auf über 770.000 Euro gesteigert hatten.

Kritik am Vorgehen kam am Dienstag von der Jüdischen Hochschülerschaft (JÖH), die sich erneut gegen eine "feige Lösung" aussprach. Der Aufbau der Statue sei "ohne Anwesenheit der Stadt Wien und der Medien" erfolgt, dafür mit großem Polizeiaufgebot. "Der seitens der KÖR vielbeschworene Diskurs wurde damit ein weiteres Mal übergangen."

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