Die Stadt Wien setzt im Bereich Mobilität den Rotstift an. Vor allem Öffi-Nutzer, Autofahrer und Touristen sollen künftig mehr bezahlen.
Wiens Schuldenberg beläuft sich aktuell auf knapp zwölf Milliarden Euro und ist teils damit höher als in ähnlich großen Städten wie München, Budapest oder Mailand. Was es braucht, ist ein konsequenter Mix aus Einsparungen und Einnahmen, um wieder auf Schiene zu kommen. Allein für das laufende Jahr geht man allerdings von einer Neuverschuldung von weiteren drei bis vier Milliarden Euro aus. oe24 informiert, wo, wie und wann der Rotstift angesetzt werden soll.
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Öffentlicher Verkehr
Das Aus für die 365-Euro-Jahreskarte der Wiener Linien scheint besiegelt. Noch hüllt man sich in Schweigen, was konkrete Zahlen zur Teuerung angeht, Experten gehen aber von einer Steigerung um 100 bis 150 Euro aus. "Nachdem das Klimaticket sehr massiv erhöht wurde und valorisiert wurde und jetzt noch einmal mit 1. August erhöht wird, ist natürlich auch das Wiener Ticket in Betrachtung", so die neue Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) im ORF. Eine endgültige Aufklärung soll es laut ihr noch in diesem Sommer geben. Zur Info: Der Preis für die Wiener Jahreskarte wurde seit 13 Jahren nicht mehr erhöht.
Parkometerabgaben
Neben dem Öffi-Ticket steht auch das Parkpickerl vor einer empfindlichen Teuerung. Experten sehen gerade hierin ein großes Potenzial zur akuten Schuldentilgung. "Wäre der Preis des Parkpickerls seither inflationsangepasst worden, würde das Parkpickerl heute 194 Euro pro Jahr kosten, tatsächlich betragen aber die Gebühren lediglich 120 Euro pro Jahr", erklärt Katharina Jaschinsky vom VCÖ. "Zum Vergleich: In Amsterdam kostet das Parkpickerl im Zentrum 630 Euro pro Jahr und in Stockholm mit monatlich 146 Euro sogar 1.752 Euro pro Jahr."
Bereits Anfang des Jahres wurden die Parkscheine für Kfz von 1,25 Euro auf 1,30 Euro pro halbe Stunde erhöht. ACHTUNG: Mit 30. Juni endet die Schonfrist. Ab 1. Juli gelten ausschließlich Parkscheine mit neuem Tarif. Wer dann sein Auto mit einem alten Schein abstellt, riskiert eine saftige Strafe. Die Parkraumüberwachung zeigt keine Gnade. Mindestens 36 Euro werden fällig.
Ortstaxe
Doch nicht nur die Wiener Bevölkerung soll zur Kasse geben, auch Touristen müssen künftig tiefer in die Taschen greifen. "Die ist lange nicht angehoben worden, und ich kann mir gut vorstellen, dass wir da massiv erhöhen, auch das rechnen wir gerade", so Novak. Aktuell beträgt die Höhe der Ortstaxe 3,2 Prozent des Entgeltes für den Aufenthalt (ohne Umsatzsteuer, ohne Frühstück und nach einem Pauschalabzug von 11 Prozent). Um wie viel diese erhöht werden soll, dürfte ebenfalls noch im Sommer festgelegt werden.
Kritik von der Opposition
Kritik ob der anstehenden Teuerungen hagelt es vonseiten der Opposition. Vor allem Grüne und FPÖ beklagen die Finanzpolitik der neuen alten Wiener Stadtregierung.
"Die Wiener SPÖ begräbt also das Erfolgsmodell der 365Ꞓ-Jahreskarte
und zerstört damit das Herzstück klimafreundlicher Mobilität in Wien. Die 365Ꞓ-Jahreskarte ist ein international beachtetes Vorzeigeprojekt, das soziale Gerechtigkeit mit Klimaschutz vereint und damit ein Musterbeispiel für klimasoziale Politik ist", so Judith Pühringer und Peter Kraus von der Wiener Grünen. "Gerade Menschen mit wenig Einkommen, die über kein Auto verfügen, können dank der 365Ꞓ-Jahreskarte die Öffis günstig und unkompliziert nützen. Die Verteuerung der Jahreskarte trifft diese Menschen besonders hart", so Pühringer und Kraus.
"Parkgebühren werden erhöht, die Öffi-Jahreskarte verteuert und das mitten in einer anhaltenden Teuerungskrise. Die rot-pinke Stadtregierung kennt kein Maß mehr, wenn es ums Abkassieren geht. Statt zu entlasten, wird den Wienerinnen und Wienern noch tiefer in die Tasche gegriffen. SPÖ und NEOS haben ihre soziale Verantwortung endgültig über Bord geworfen", erklären Toni Mahdalik und Klemens Resch von den Wiener Freiheitlichen in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Wer in Wien mobil sein muss – sei es mit dem Auto oder mit den Öffis – wird zur finanziellen Zielscheibe gemacht. SPÖ und NEOS betreiben keine Verkehrspolitik, sie betreiben Abzocke."