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Großeinsatz

Polizei räumte illegales Klimacamp in Wien - sechs Festnahmen

In Bezirk Landstraße herrschte am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe helle Aufregung. Eine Gruppe von rund 20 Klima-Aktivisten besetzte ein Freigelände in St. Marx und hielt die Exekutive auf Trab. 

Wien. Schon gegen 8 Uhr morgens rückte die Wiener Polizei mit einem Großaufgebot an. Die jungen Demonstranten hatten sich auf dem Areal der künftigen Eventarena ohne jegliche Anmeldung breitgemacht und dort kurzerhand ein illegales Camp errichtet. Sogar ein hölzerner Hochstand wurde auf dem Gelände aufgebaut um die Stellung zu halten. Da die Versammlung jedoch nicht ordnungsgemäß bei den Behörden angezeigt worden war griffen die Beamten konsequent durch. 

Katz-und-Maus-Spiel bei der Räumung

Campräumung St. Marx
© Viyana Manset Haber

Die Situation vor Ort gestaltete sich für die Einsatzkräfte als äußerst zäh und dynamisch. Während einige Personen das Areal nach der Aufforderung freiwillig verließen kehrten andere Aktivisten wenig später einfach wieder zurück. Ein harter Kern der Truppe versuchte sich sogar auf dem Gelände zu verschanzen, nachdem die erste Räumung bereits vollzogen war. Letztlich gelang es der Polizei aber das gesamte Camp aufzulösen und die unliebsamen Gäste vom Platz zu weisen. Sechs Aktivistinnen und Aktivisten sind von der Polizei nach verwaltungsstrafrechtlichen Bestimmungen vorläufig festgenommen worden. 

Forderungen gegen die "Gesamtscheiße"

Campräumung St. Marx
© Viyana Manset Haber

Campräumung St. Marx
© Viyana Manset Haber

Die Beweggründe der Truppe sind eine bunte Mischung aus Umweltpolitik und Gesellschaftskritik. Die Aktivisten wetterten lautstark gegen fossile Großprojekte und forderten gleichzeitig mehr staatliche Investitionen in den Bereichen Bildung sowie Gesundheit. In ihren Statements schießen sie scharf gegen die aktuelle Politik und wettern dabei gegen die "imperiale Gesamtscheiße". Laut ihren Sprechern ginge es ihnen primär um den Erhalt von Natur und Menschlichkeit für alle Wienerinnen und Wiener.

Areal liegt seit Jahren brach

Die Event-Arena soll Austragungsort für sämtliche Arten von Shows und Events werden, also etwa für große Rock- und Popkonzerte oder auch für Sportbewerbe und Messen. Knapp 150 Veranstaltungen pro Jahr soll das Gebäude beherbergen können. Der Großbau entsteht auf einer Fläche neben der bestehenden Rinderhalle (jetzt Marx-Halle). Das Areal liegt seit Jahren brach und wird offiziell nur temporär benutzt - etwa als Zirkus-Standplatz.

"Magischer Ort"

Gegen das Bauprojekt gibt es aber auch Widerstand. "Der Abriss der jahrelangen friedlichen und selbstverwalteten Kulturorte in St. Marx untergräbt die Initiative von selbstorganisierten Bürgerinnen und Bürgern Wiens. Die dort entstandenen Selbstverwaltungen belebten die Freifläche als einzigartige kulturelle Landschaft dieser Stadt. Es entwickelten sich niederschwellige Orte des Zusammenkommens und der Begegnung, die vielen Menschen in Wien mittlerweile als gelebte Utopien bekannt sind - kurz gesagt, die Freifläche in St. Marx war ein belebter magischer Ort", hieß es in einen Statement der Demonstrierenden.

"St. Marx ist Treffpunkt und Bewegungsraum inmitten eines stark bebauten Stadtteils. Doch statt diese graue Wüste zu entsiegeln und in einen Wohlfühlort für Mensch und Natur zu verwandeln, wird nun gegen den Willen der Bevölkerung die nächste Event-Halle gebaut", kritisierte auch die Umwelt-NGO Greenpeace.

Der Betreiber, die WSE Wiener Standortentwicklung GmbH, hielt dem entgegen, dass die anstehende Vorbereitung der Fläche bereits 2024 öffentlich angekündigt und im November 2025 nochmals konkretisiert wurde. "Seit 2024 führte die Stadt einen engen, strukturierten Dialog mit allen organisierten Nutzerinnen und Nutzern des Areals. Für den überwiegenden Teil jener, mit denen vertragliche Vereinbarungen bestanden, konnten Alternativen gefunden werden", hieß es in einer Aussendung. 

Nächstes Camp in der Lobau geplant

Klima Camp St. Marx
© klimacamp.at

Wer nun denkt dass nach diesem Einsatz Ruhe einkehrt der täuscht sich gewaltig. Die Gruppierung hat bereits die nächste Aktion fix im Kalender eingetragen. In der Zeit vom 17. bis zum 23. Mai soll ein weiteres Protest-Camp in der Lobau über die Bühne gehen.

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