Anne Applebaum

"Rede an Europa" am Wiener Judenplatz

In der "Rede an Europa“, die seit 2019 rund um den Europatag vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), der ERSTE Stiftung und den Wiener Festwochen abgehalten wird, sprach am 13. Mai die renommierte Historikerin und Autorin Anne Applebaum vor vollbesetzten Wiener Judenplatz. 

Applebaum erinnerte eingangs an die Katastrophe des zweiten Weltkriegs und würdigte Generationen von europäischen Bürgern, die sich seit 1945 dafür eingesetzt haben, dass imperiale Rivalitäten, Protektionismus und Völkermordambitionen nicht wiederkehren.Dazu hätten sie eine Reihe von Institutionen errichtet: "Jenes Europa, das aus diesem Prozess hervorgegangen ist, stellt eine enorme Errungenschaft dar; eine, die weltweit ihresgleichen sucht“, so Applebaum.

Warnung vor demokratiemissachtender Ideen 

Gleichzeitig mahnte sie, dass heute eben diese Institutionen und Errungenschaften infrage gestellt würden, zuallererst von den europäischen Gesellschaften selbst. Das zeige sich im Wiederaufleben demokratiemissachtender Ideen. Verstärkt würden diese Tendenzen, so Applebaum, durch Kräfte außerhalb der EU. Sowohl Russland als auch Amerika würden ein geschwächtes und stärker fragmentiertes Europa anstreben, das militärisch angreifbar, korrumpierbar oder kontrollierbar sei.

Europa vor der Wahl

Angesichts dieser Herausforderungen stehe Europa vor einer Wahl, betonte Applebaum: Europa könne sich fügen und riskieren, seine Souveränität einzubüßen, oder sich auf seine Errungenschaften besinnen und seine Stärke als größte Wirtschaftsmacht der Welt ausspielen. „Wir können uns zur Wehr setzten, nicht mit Worten, sondern durch Taten“, meinte Applebaum.

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