Sexismus-Skandal um Falter

Wien

Sexismus-Skandal um Falter

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Das Falter-Cover „Best of Böse“ sorgt für einen Medien-Skandal vor Weihnachten. 

Wien. Was die Wiener Wochenzeitung „Falter“ in seinem Extra „Best of Böse“ (BoB) drei Tage vor Weihnachten ablieferte, ist jenseits von Gut – und Böse. Für die Satire-Beilage wurde das Gemälde „Die Heilige Familie mit Hirten“ des flämischen Barockmalers Jacob Jordaens (1616) umgemodelt: Ex-Kanzler Sebastian Kurz als Josef, Susanne Thier, die Mutter seines Kindes als Maria mit blanker Brust – und als Hirten FP-Chef Herbert Kick sowie Kurzzeit-Kanzler Alexander Schallenberg.

Klenk: Heilige Inquisition und das Twitter-Gericht

Ein Skandal. Dass die Kurz-Lebensgefährtin, also eine Privatperson, derart bloßgestellt wird, sorgte für Riesenwirbel. Vor allem auf Twitter gingen die Wogen hoch, nicht nur Frauenministerin Susanne Raab nannte das Cover „sexistisch und geschmacklos“ (siehe Story rechts). Dutzende Politiker und selbst „Falter-Fans“ wie ZiB2-Anchorman sahen in der Darstellung eine Grenzüberschreitung.

Klenk will sich nicht entschuldigen. Falter-Chef Florian Klenk gibt sich trotz Shitstorms uneinsichtig: „Wir sehen uns in der Tradition des Satiremagazins Charlie Hebdo. Es ist eine Überzeichnung des Rücktritts von Kurz, der diesen Schritt ja mit der Geburt seines Kindes begründet hat“, so Klenk, der für das Cover auf den sozialen Medien heftig kritisiert wird.

Klagt Kurz, droht Falter Niederlage vor Gericht

Klage droht. Top-Medienanwalt Peter Zöchbauer sieht in der Fotomontage gar eine Verletzung des Bildnisschutzes von Susanne Thier – was zur Verurteilung sowie Zahlung „im fünfstelligen Bereich“ führen könnte. Ob Kurz klagen wird, war zuletzt aber noch offen.

Ausgerechnet die Grünen haben den Ausritt ihrer Lieblings-Zeitschrift jetzt vor den Presserat gebracht. Medien-Sprecherin Eva Blimlinger und ihre Kollegin Meri Disoski schreiben an das Kontrollgremium: Diese Abbildung ist in hohem Maße sexistisch, herabwürdigend, ja geradezu empörend.“ Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp fordert einen Inseraten-Stopp. „Die Wiener Wochenzeitung ist nur durch Geld der öffentlichen Hand überlebensfähig. In manchen Ausgaben sind etwa 65 % aller Inserate durch den Steuerzahler finanziert.“ 

Frauenministerin Raab ist empört

Shitstorm: Sogar ›Falter‹-Fan Armin Wolf empört. Auf Social Media wird der „Falter“ heftig kritisiert: „Widerwärtig!“

Wien. Dass ausgerechnet die Moralisten vom Falter so über die publizistischen Stränge schlagen, hat für eine Shit­storm gesorgt – auch von Falter-Fans

  • Armin Wolf: Der ORF-Anchor ist Falter-Fan und schreibt, er verstehe nicht, warum keiner beim Falter sagt: „Wir machen hier keine Maturazeitung aus den 1980ern.“
     
  • Frauenministerin Raab: „Dieses Cover ist sexistisch und geschmacklos. Dass hier völlig unbeteiligte Privatpersonen (...) bloßgestellt werden, überschreitet eine Grenze.“
     
  • Feministin Veronika Bohrn Mena: „(...) ist schäbig. Es ist nicht nur sexistisch, es verletzt auch die ­Würde dieser Frau.“ 

 

Dutzende Beschwerden über ›Falter‹ beim Presserat 

Beschwerden. Zahlreiche Beschwerden sind nach Erscheinen des Falter beim Presserat eingelangt. Laut Generalsekretär Alexander Warzilek geht es konkret um Susanne Thier, man werden untersuchen, ob ihre Rechte verletzt worden seien, der „Senat 1“ tage im Jänner: „Natürlich muss im Fall ­einer Satire vieles anders gesehen werden. Es geht aber um die Frage, ob der Schutz der Persönlichkeit von Frau Thier verletzt ­wurde“, so Warzilek. 

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