30 Monate Haft!

Diese smarte Bäckerin (65) lockte "falsche" Polizisten in Falle

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Die 65-jährige Leopoldine Z. hätte 86.000 Euro für die Freilassung ihrer angeblich festgenommenen Tochter zahlen sollen. Doch die intelligente Dame erkannte den Betrug. 

Wien/Bgl. Dank Leopoldine Z. (65) aus Rechnitz, Bezirk Oberwart, konnte ein bereits in der Schweiz und Deutschland vorbestraftes Mitglied einer "Kautionstrick-Bande" festgenommen werden. Ein Pole (49) musste sich am Dienstag vor dem Landesgericht in Wien wegen krimineller Vereinigung und versuchten schweren Betrugs verantworten. Und kassierte 30 Monate unbedingte Haft.

Mit der intelligenten, coolen Bäckerin aus Rechnitz hatten die Betrüger wohl nicht gerechnet. Der Vorfall ereignete sich am 21. November. Eine "falsche" Polizistin rief an, um Leopoldine weiszumachen, dass ihre Tochter einen Verkehrsunfall verursacht hatte. Sie befinde sich nun im Gefängnis und müsste mit einer Kaution von 86.000 Euro freigekauft werden.

Die 65-Jährige durchschaute das Spiel sofort, legte nicht einfach auf, sonders stieg auf das sehr lange Telefongespräch ein. "Eine intelligente, coole Dame", wie Oberstaatsanwalt Herbert Harammer von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) bei Gericht bemerkte. Dass die Rechnitzerin in Wahrheit nur einen Sohn hat, verriet sie natürlich nicht. Im Gegenteil: Sie machte am Telefon aus ihrem Sprössling Franz auf die Schnelle einfach eine Franziska. Bei dem Gespräch, das über fünf Stunden gedauert hatte, wurde auch eine falsche Staatsanwältin an den Apparat geholt. Zudem hatte sich die ursprüngliche Kautionsforderung während des Gesprächs plötzlich um 8.500 Euro erhöht. 

Als Abholort für die Kaution nannte Leopoldine am Ende eine Adresse in Rechnitz, die jedoch gar nicht ihre eigene war. Danach verständigte sie kurzerhand die Polizei, schilderte dieser, was soeben vorgefallen war, und nannte den Beamten die Adresse und den Zeitpunkt der angeblichen Geldübergabe am nächsten Tag. "Als der Angeklagte dort eingelangt ist, hat ihn schon die burgenländische Polizei erwartet", so der Vertreter der Anklage. 

Acht Vorstrafen weist der 49-Jährige bereits auf. Zuletzt wurde er vom Amtsgericht Bonn sowie dem Obergericht Zürich jeweils als Geldabholer der von Polen aus und vor allem in Deutschland, Schweiz und Österreich operierenden Kautionstrick-Bande verurteilt.

230 Opfer alleine in Österreich

"Allein in Österreich sind über 230 Opfer dieser international tätigen, professionell vorgehenden Tätergruppe bekannt. Sie setzen in eigenen Call Centern sehr gut Deutsch sprechende, rhetorisch geschulte Personen ein, die bei den Opfern anrufen und sich Polizisten, Staatsanwälte und Richter ausgeben. Der in Österreich angerichtete Schaden macht mehr als zwölf Millionen Euro aus", verriet der Vertreter der WKStA. Es gibt innerhalb der kriminellen Vereinigung demnach ein arbeitsteiliges Verfahren, neben Anrufern und Geldabholern fungieren Logistiker als eine Art Schaltstelle, die sich um die Koordination kümmert.

Bäckerin
© Roman Fuhrich
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Der Angeklagte behauptete, er habe nach seiner letzten Haftstrafe ein neues Leben beginnen und in seinem gelernten Beruf arbeiten wollen. Der 49-Jährige hat seinen Angaben zufolge einen Bachelor in Cyber-Security. Dann habe ihn allerdings eine Bekannte angerufen und nach Wien geschickt und gebeten, "etwas abzuholen. Man hat sich denken können, dass es sich um etwas Illegales handelt, weil die Bekannte in der Vergangenheit Kontakt mit Kriminellen hatte". Er sei dennoch nach Wien gefahren und habe in einem Hotel auf weitere Anweisungen gewartet: "Es war schwer abzulehnen, weil die Frau mir in der Vergangenheit geholfen hat."

Dem Polen droht eine mehrjährige Haftstrafe. Das Urteil steht noch aus.

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