Die Finanzpolizei hat beim Song Contest in Wien hunderte Sicherheitskräfte kontrolliert. Nach den Skandalen in der Branche diente dieser Einsatz der Prävention. Das Publikum in der Stadthalle bekam davon nichts mit.
Es ist evident, dass ohne Mitarbeitende privater Sicherheitsdienstleister der 70. Eurovision Song Contest (ESC) nicht über die Bühne gehen könnte. Allein am zweiten Semifinaltag waren rund 550 Securitys in und um die Wiener Stadthalle im Einsatz. Bereits im Vorfeld war angekündigt worden, dass die Finanzpolizei beim ESC die Sicherheitsbediensteten kontrollieren wird. Am Donnerstag war es so weit: Rund 35 Finanzpolizistinnen und -polizisten waren im Einsatz.
Die Aktion der Finanzpolizei war eine logische Folge von Vorkommnissen und Diskussionen im privaten Sicherheitsgewerbe in der jüngeren Vergangenheit. So offenbarten Kontrollen der Behörde im Jänner beim Linzer Fußball-Cup-Derby Missstände: Damals waren 84 Übertretungen festgestellt worden, wie auch der Vorsitzende der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, berichtete.
Dabei ging es um Schwarzarbeit, Lohndumping, sozialversicherungsrechtliche Meldepflichten aus dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG). Zwei der 93 Sicherheitsmitarbeiter seien laut einem Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten" zudem Minderjährige mit manipuliertem Geburtsdatum im Ausweis gewesen. Von 176 im Sicherheitskonzept vorgesehenen Securitys wurden demnach nur 93 tatsächlich angetroffen. Die Einweisung der Security-Mitarbeiter soll sich in einer 15-Minuten-Besprechung auf dem Stadionparkplatz erschöpft haben.
Sicherheitsdienstleistungsgesetz gefordert
Dass die Branche mittlerweile nicht den besten Ruf hat, dürfte zudem auch in der Absage der Taylor-Swift-Konzerte im Wiener Ernst-Happel-Stadion begründet sein. Die Konzerte waren nach dem Bekanntwerden von islamistischen Anschlagsplänen gecancelt worden. Die vida forderte zuletzt Anfang April im Vorfeld des Song Contests einmal mehr die Einführung eines Sicherheitsdienstleistungsgesetzes. Unterstützung gibt es dafür nach APA-Informationen durchaus auch in wesentlichen Teilen der Polizei und den großen Playern im Security-Bereich selbst.
Dass am Donnerstag beim zweiten Semifinale viel Beanstandenswertes zu finden sein würde, erwarteten die Finanzpolizistinnen und -polizisten im Vorfeld nicht. Die Teamleiterin sprach gegenüber der APA auch vom präventiven Charakter der Kontrollen. Diese waren zudem gut vorbereitet: Mit den Unternehmen, die Mitarbeitende beim ESC im Einsatz haben, wurde bereits vor dem Event Kontakt aufgenommen: "Sie wussten, dass wir kommen. Wir haben ihnen natürlich aber nicht gesagt, wann wir kommen", betonte die Teamleiterin.
Aktion mit logistischem Aufwand
Eine solche Aktion der Finanzpolizei erfordert einiges an logistischem Aufwand. Unter anderem mussten die Kontrollen auf die Minute genau geplant werden, man wollte schließlich nicht den Besucherzustrom zu den beiden Shows (Generalprobe am Nachmittag und eigentliche Show am Abend) beeinträchtigen. Die Fans, welche die Generalprobe um 15.00 Uhr besuchen wollten, sollten nach der Planung bereits um 14.30 Uhr die Sicherheitschecks im Märzpark passiert haben und in der Stadthalle sein. Damit war der Beginn der Überprüfungen am Nachmittag für diesen Zeitpunkt veranschlagt. Allein der Märzpark war eine halbe Stunde vor Showbeginn noch gerammelt voll mit Fans.
Sobald der Zustrom zu den Schleusen nachließ, schwärmten die Finanzpolizistinnen und -polizisten aus. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits Kontrollen von früheren Schichten bei den Securitys hinter sich. Insgesamt waren bereits rund 285 private Sicherheitskräfte gecheckt. Und ebenso schnell wie am Nachmittag der Besucherzustrom an den Sicherheitschecks abgearbeitet war, hatten die Kontrolleurinnen und Kontrolleure ihre Arbeit mit den mehreren Dutzend Securitys im Märzpark absolviert.
Mit Kontrollblättern ausgestattet, ließen sich die Finanzorgane Identitätsbescheinigungen - Pass, Personalausweis oder Arbeitspapiere, zum Beispiel auch die Rot-Weiß-Rot-Card - zeigen. Die Kontrollblätter wurden ausgefüllt und von den Kontrollierten unterschrieben. Identitäten wurden mit Nummern auf den Westen, welche die Securitys trugen, und entsprechenden Listen abgeglichen. Wer kontrolliert war, bekam ein oranges Band um das Handgelenk, um Doppelchecks zu vermeiden.
Eigentlicher Check im Back Office
Im Fokus der Finanzpolizei stehen vor allem Bestimmungen wie das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (ASVG) oder das Ausländerbeschäftigungsgesetz. Alle Securitys - wie überhaupt alle in und um die Stadthalle Beschäftigten bzw. Akkreditierten - mussten bereits im Vorfeld eine Sicherheitsüberprüfung durch die Direktion für Staatsschutz/Nachrichtendienste (DSN) bzw. durch die Landesämter Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) durchlaufen. Die Behörden gaben Rot oder Grün für jede einzelne Mitarbeiterin oder Mitarbeiter. Die Letztentscheidung, ob die jeweilige Person eingesetzt wurde, lag aber beim Veranstalter.
Im Märzpark wurden nur die Daten auf den Kontrollblättern aufgenommen, die eigentliche Überprüfung durch die Finanzpolizei erfolgte im Back Office. In den weitaus meisten Fällen war schnell klar, dass alles in Ordnung war. Dennoch: "Wo ist der Problemhaufen?", fragte ein Kontrolleur. Gemeint war der Stoß, auf dem jene Kontrollblätter landeten, bei denen es genauere Nachprüfungen erforderte, etwa durch Telefonate mit den Unternehmen, welche die jeweilige Mitarbeitenden beschäftigten. Auch das bedeutete bei weitem nicht, dass tatsächlich etwas zu beanstanden ist. In den meisten Fällen ergeben die weiteren Überprüfungen, dass alles in Ordnung ist.
Während das Back Office den Stoß Kontrollblätter der Securitys abarbeitete, schwärmten die Kontrolleure bereits wieder aus und überprüften das Personal sowie die Registrierkassen der Gastronomie in der Stadthalle. Die Fans, die den ESC-Acts zu diesem Zeitpunkt in der Halle zujubelten, bekamen davon nichts mit. Und das sollten sie auch nicht.